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PraxisübergabeEuskirchener Physiotherapeut reagierte schon früh auf Fachkräftemangel

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Das Bild zeigt Ralf Morschhäuser bei der Behandlung eines Patienten auf einer Liege.

Ralf Morschhäuser wird auch nach der Übergabe seiner Physiotherapie-Praxis als Heilpraktiker und stundenweise als Angestellter in seinem ehemaligen Betrieb weiterarbeiten.

Nach 34 Jahren hat Ralf Morschhäuser seine Physiotherapie-Praxis in Euskirchen an einen Nachfolger übergeben. Die Branche hat Zukunftssorgen. 

Als Ralf Morschhäuser 1992 seine Praxis für Physiotherapie in der Spiegelstraße eröffnete, war er einer von nur vier Anbietern im Stadtgebiet Euskirchen. Noch bevor die Räume vollständig fertiggestellt waren, war sein Terminkalender bereits ausgebucht. 34 Jahre später hat der Physiotherapeut seine Praxis an einen Nachfolger übergeben. Ganz aufhören will er aber nicht: Seine Heilpraktiker-Praxis führt er weiter.

Mit seiner Frau Elisabeth hat Morschhäuser die Praxis über mehr als drei Jahrzehnte aufgebaut. Während er die Patienten behandelte, kümmerte sie sich um Büroorganisation und viele Entscheidungen im Hintergrund. Aus dem Zwei-Personen-Betrieb wurde nach und nach ein Team mit 16 Mitarbeitenden. Die Praxis wurde erweitert und um Trainingsgeräte ergänzt.

Die Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz betrug früher zwei Jahre

„Ein Schreibtischjob kam für mich nie infrage“, sagt Morschhäuser. Die Begeisterung für den Sport und das Vorbild seiner älteren Schwester, die ebenfalls Physiotherapeutin wurde, brachten ihn auf den Beruf. Weil die Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz damals rund zwei Jahre betrug, überbrückte er sie mit Tennisunterricht und dem Besuch der Höheren Handelsschule für Abiturienten.

Die Ausbildung musste Anfang der 1990er-Jahre noch aus eigener Tasche bezahlt werden. „Zwischen 400 und 900 D-Mark im Monat“, erinnert sich Morschhäuser. Gleichzeitig waren die Verdienstmöglichkeiten gering. „Der Fachkräftemangel war damals schon ein großes Thema.“ Viele Auszubildende brachen ihre Ausbildung wegen der finanziellen Belastung ab.

Die Eheleute stehen nebeneinander, sie führen eine Übung mit Therapiebändern aus.

Nach 34 Jahren Zusammenarbeit haben Ralf und Elisabeth Morschhäuser die Leitung der Physiopraxis abgegeben. Fit bleiben wollen sie auch weiterhin.

Heute ist das Schulgeld zwar in den meisten Bundesländern abgeschafft, doch der Mangel an Fachkräften besteht weiterhin. Nach Angaben des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) gibt es derzeit fast dreimal so viele offene Stellen wie arbeitssuchende Therapeuten. Praxisinhaber benötigen im Durchschnitt mehr als zehn Monate, um eine freie Stelle neu zu besetzen. Für Patienten bedeutet das häufig lange Wartezeiten auf einen Behandlungstermin.

Morschhäuser setzte deshalb früh auf die Ausbildung des eigenen Nachwuchses. Über Kooperationen mit drei Schulen absolvierten regelmäßig Physiotherapieschüler ihr Praktikum in seiner Praxis. Einige von ihnen blieben anschließend als Mitarbeiter. Durch zahlreiche Fortbildungen erweiterte er zudem kontinuierlich sein Behandlungsspektrum für orthopädische, chirurgische und neurologische Patienten. 2018 legte er zusätzlich die Heilpraktikerprüfung ab und eröffnete eine eigene Heilpraktiker-Praxis.

Der Fachverband IFK befürchtet eine Unterfinanzierung der Praxen

Sorgen bereitet der Branche allerdings die Zukunft. Der IFK warnt vor den Folgen des geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes. Vorgesehen ist unter anderem, Vergütungssteigerungen erneut an die Grundlohnsumme zu koppeln.

Die Verbandsvorsitzende Ute Repschläger befürchtet dadurch eine erneute Unterfinanzierung der Praxen. Schon heute verdienten viele Praxisinhaber weniger als angestellte Physiotherapeuten in Einrichtungen des öffentlichen Dienstes. Dadurch könnte der Fachkräftemangel weiter zunehmen.

Die Bürokratie belastet den Praxisalltag

Auch die Bürokratie belastet den Praxisalltag erheblich. Fehlerhaft ausgestellte Verordnungen müssen vor Beginn der Behandlung korrigiert werden. Wird ein Formfehler übersehen, droht der Praxis trotz erbrachter Leistung der vollständige Vergütungsausfall.

Nach Ansicht des Berufsverbandes wäre deshalb eine grundlegende Reform des Berufsgesetzes von 1994 notwendig. Ziel seien weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung der Therapeuten und eine stärkere Akademisierung des Berufs.

Trotz aller Herausforderungen blicken Ralf und Elisabeth Morschhäuser mit großer Dankbarkeit auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Viele Patienten begleiteten sie über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Auch die Zusammenarbeit mit den Ärzten sei stets vertrauensvoll gewesen.

Wie bereits erwähnt, verabschiedet sich Ralf Morschhäuser allerdings noch nicht ganz in den Ruhestand. Seine Heilpraktiker-Praxis mit den Schwerpunkten Osteopathie, Applied Kinesiology und Labordiagnostik führt er weiter. „Ich bin einfach glücklich, wenn ich einem Menschen weiterhelfen kann“, sagt er.