Ein 47-jähriger Bonner flog bei Ermittlungen gegen die „Rich Kids“-Bande auf. Der Angeklagte soll mehr als 135.000 Euro Umsatz gemacht haben.
Ermittlungen zu „Rich Kids“Bonner soll aus dem offenen Vollzug der JVA Euskirchen mit Drogen gehandelt haben

Die Außenansicht des Landgerichts Bonn. Dort wurde nun der Fall aus Euskirchen verhandelt.
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Während er im offenen Vollzug in der Justizvollzugsanstalt Euskirchen einsaß, soll ein 47-jähriger Bonner über sechs Kilogramm Kokain verkauft und damit mehr als 135.000 Euro verdient haben. Er war am 21. März 2022 vom Landgericht Bonn zu viereinhalb Jahren Haft wegen Drogenhandels verurteilt worden. Schon ein Jahr später soll der Freigänger wieder die Finger in dem schmutzigen Geschäft gehabt haben. Jetzt muss sich der Mann vor der 11. Großen Strafkammer des Landgerichts erneut wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.
Der Angeklagte war im Zusammenhang mit Ermittlungen der Justiz gegen die sogenannte „Rich Kids“-Bande aufgeflogen. 39 Mitglieder dieser Gruppierung sind bekannt. Sie stammen aus reichen oder gutbürgerlichen Familien aus dem Raum Köln, Bonn und Rhein-Sieg, die meisten mit Abitur und der Polizei zuvor unbekannt.
Sie sollen eine Tonne Kokain und vier Tonnen Marihuana sowie rund 20 Liter Amphetaminöl und 6000 synthetische Tabletten aus Spanien und den Niederlanden nach Deutschland geschmuggelt und über Zwischenhändler verkauft haben. Der wahrscheinliche Verdienst: mehr als 11,2 Millionen Euro.
Mutmaßliche Rädelsführer wollen offenbar nicht aussagen
Ein erster Prozess gegen sechs Beschuldigte hat am 29. Mai vor dem Landgericht Düsseldorf begonnen. Zwei der dort Angeklagten, die mutmaßlichen Rädelsführer der Bande, sind in Bonn als Zeugen im Verfahren gegen den 47-Jährigen geladen. Sie wollen aber dem Vernehmen nach von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch machen. Das ist nach der Strafprozessordnung erlaubt, kein Zeuge muss sich selbst belasten.
Der in Bonn angeklagte Deutsch-Syrer ist justizbekannt: 2005, 2006 und 2008 erhielt er erste Vorstrafen wegen der Einfuhr von Rauschgift. Zwischen Juli und Dezember 2023 soll er sich als Abnehmer von Kokain verdingt haben, das Mitglieder der „Rich Kids“ in die Region gebracht hatten. Staatsanwalt Julius Sterzel von der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW), einer bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf ansässigen Sondereinheit, vertritt in Bonn die Anklage und schilderte bei der Verlesung der Akte, wie das System der Bande funktioniert hat. Demnach wurde sie Mitte 2022 von vier Männern gegründet und wie eine Firma aufgebaut – mit dem Ziel, auf dem Drogenmarkt viel Geld zu machen.
Fahrer und Helfer waren angestellt und erhielten ein monatliches Gehalt
Es gab, so Sterzel, Beschaffer, die den Stoff besorgten, Lageristen, die ihn bunkerten, Logistiker, die den Transport klärten, Fahrer, die die Ware in Spanien oder den Niederlanden, wo sie in präparierten Fahrzeugen versteckt wurde, abholten, an den Zielort brachten und dort vom Käufer den vereinbarten Preis kassierten. Das Geld reichten sie an Komplizen weiter, die es zählten, mithilfe einer Buchhaltungs-App centgenau verbuchten und dafür sorgten, dass es über ein Netzwerk von Scheinfirmen gewaschen wurde.
Fahrer und Helfer waren in diesen Tarnfirmen angestellt. Sie erhielten, wie in einem ordentlichen Betrieb, ein Monatsgehalt von 5000 Euro sowie Bonuszahlungen und waren sogar sozialversichert. Zur Kommunikation soll die Bande Kryptohandys benutzt haben, die aber von der Ermittlungsgruppe „Capo“ der Bonner Polizei abgehört werden konnten. Dabei wurden die Tarnnamen entschlüsselt, mit denen man sich anredete. So kamen die Fahnder im Februar auch dem 47-jährigen Bonner auf die Spur, der in der Firmendatei unter Pseudonym geführt wurde.
Zwischen dem 14. Juli und dem 9. Dezember 2023 soll der Häftling im offenen Vollzug der JVA Euskirchen von der Bande sechsmal jeweils rund ein Kilo Kokain und einmal auch einen Liter Amphetaminöl, eine Substanz, aus der Drogen gewonnen werden, gekauft haben. Meistens soll er den Preis, mal 35.880 Euro, mal 10.000 Euro, sofort bezahlt haben. Manchmal soll er auch Ratenzahlung vereinbart haben.
Er selbst, so die Anklage, habe den Stoff gewinnbringend weiterverkauft. Nur ein Kunde habe die Abnahme verweigert – die Qualität des Kokains entsprach nicht seinen Erwartungen. Insgesamt machte der Bonner laut Staatsanwaltschaft einen Umsatz von 135.330 Euro, die eingezogen werden sollen.
Seine Verteidiger kündigten an, dass sich ihr Mandant zu den Vorwürfen äußern wolle. Der Prozess ist bis Ende August terminiert.
