Abo

Exklusiv

Total jeck
Dreigestirne aus Flamersheim und Arloff fliegen für sechs Stunden zum Ballermann

5 min
Das Bild zeigt die Tollitäten im Ornat am Bahnhof.

Dreigestirn auf dem Weg nach Mallorca: Prinz Tanja I. (Krüger), Bauer Renate I. (von Hülsen) und Jungfrau Nicole I. (Jerhoff) aus Arloff-Kirspenich fliegen für ein paar Stunden zum Ballermann.

Zwei Dreigestirn, ein Ziel: 25 Jecke fliegen nach Mallorca – im Ornat, mit Alaaf im Handgepäck und jeder Menge Frohsinn über den Wolken.

Es ist die wohl närrischste Flugreise des Jahres: 25 Jecke aus Flamersheim und Arloff-Kirspenich heben am Mittwoch vom Rollfeld ab in Richtung Frohsinn. Beim Boarding am Flughafen Köln/Bonn heißt es dann nicht „Ladies and Gentlemen“, sondern „Leev Jecke, bitte anschnalle!“ Und das dürfte in der Economy-Klasse kompliziert werden. Schließlich sind zwei Dreigestirn dabei – im kompletten Ornat.

Der abgehobene Plan: morgens hin, mittags im Bierkönig schunkeln, am frühen Abend zurück. Für sechs Stunden wird am Mittwoch der Ballermann zur Außenstelle des Rheinlands – kamellefrei, aber mit Schminke, Orden und jeder Menge Alaaf im Handgepäck. Auf Koffer wird nämlich bewusst verzichtet.

Ich hab' gedacht: Das müssen wir einmal machen!
Prinz Philipp I. (Kahnert) aus Flamersheim

„Ich hab' gedacht: Das müssen wir einmal machen!“, erzählt Prinz Philipp I. (Kahnert). Er ist das Oberhaupt des Flamersheimer Dreigestirns und lebt in dieser Rolle seinen karnevalistischen Traum. Seit der Proklamation am 8. November schwebt er mit Armin Schabio als Jungfrau Anna und Thorsten Justinger als Bauer auf einer karnevalistischen Wolke.

Am 21. Januar geht es morgens um 7.30 Uhr ab Köln/Bonn los – mit insgesamt 25 Jecken. „Darunter die Hälfte aus unserem Verein, die andere Hälfte kommt aus Arloff-Kirspenich. Um zehn Uhr stehen wir dann im Bierkönig – und um 17 Uhr fliegen wir wieder zurück.“

Der Trip der 25 Jecke ist komplett durchgeplant

Was zunächst wie ein Aprilscherz inmitten der fünften Jahreszeit klingt, ist durchgeplant. Kahnert hat alle Plätze gebucht, die Flüge organisiert und den Ablauf bis ins Detail vorbereitet. Auf seinem Handy befinden sich schon jetzt alle 25 Boardingpässe. „Wir fahren gemeinsam zum Flughafen, trinken ein erstes Kaltgetränk, steigen ein – und fliegen im Ornat nach Mallorca. Natürlich in Vereinsfarben!“

Die Ornate gehen mit an Bord – weitgehend: „Der Federhut und die teuren Teile bleiben lieber zu Hause. Wir wollen ja keinen Ärger und auch respektvoll auftreten“, betont Kahnert. Zur Sicherheit habe man sich bei der Fluggesellschaft und beim Flughafen Köln/Bonn vorab angemeldet. „Wir haben denen geschrieben, wer wir sind, wann wir kommen – damit keiner denkt, hier kommt ein Trupp Verrückter ohne Ansage.“

Die Stimmung soll ausgelassen, aber freundlich sein. „Wir fliegen morgens hin, feiern ein paar Stunden und sind abends wieder in Flamersheim – wahrscheinlich mit ein bisschen Spaß mehr im Gesicht“, sagt Kahnert augenzwinkernd. Danach sollen im Dorfgemeinschaftshaus Eier gebacken werden.

Das Bild zeigt das Dreigestirn mit einer bunten Sonnenbrille und goldener Narrenkappe.

Die Jecke in Flamersheim werden von einem Dreigestirn regiert. Armin Schabio als Jungfrau Anna, Philipp Kahnert als Prinz Philipp I. und Thorsten Justinger als Bauer stehen an der Spitze.

Das Bild zeigt die drei Tollitäten am Bahnhof in Arloff. Sie warten auf den Zug zum Flughafen.

Das Arloff-Kirspenicher Dreigestirn fliegt auf den Ballermann.

Auf Handgepäck verzichten die meisten. „Ein Bier, ein bisschen Schminke und vielleicht der eine oder andere Orden – mehr brauchen wir nicht“, sagt Bauer Thorsten.

Auf die Frage, ob das Ganze nicht ein ökologisch zweifelhaftes Vorhaben sei, reagiert der Prinz gelassen: „Natürlich wissen wir, dass das keine Nullnummer für die Umwelt ist. Aber wir sind einmal im Leben Dreigestirn in unserem Heimatort – aus Spaß an der Freude. Andere fahren jedes Wochenende mit dem SUV zum Bäcker, das ist sicher auch nicht besser.“

Warum dieser Aufwand? „Diese Konstellation gibt's nur einmal. So ein Dreigestirn mit dieser Truppe – das passiert im Leben kein zweites Mal. Und da wollten wir eben etwas Besonderes machen“, sagt Kahnert. Nach dem Rückflug am Abend wird dann in Flamersheim weitergefeiert. „Wir wollen einfach genießen, lachen, was erleben. Es wird definitiv ein Highlight, das wir nie vergessen werden.“

Fürs Dreigestirn aus Arloff-Kirspenich ist der Ballermann keine Premiere

Die Reise wird aber wohl nicht nur für das grün-goldene Dreigestirn aus Flamersheim eine Tour, die im Gedächtnis bleibt. Auch die Tollitäten aus Arloff-Kirspenich sind mit im Boot – oder besser gesagt: im Flieger. Der Grund: Unter den Tollitäten hat sich eine echte Freundschaft entwickelt.

So war man bereits gemeinsam auf jecken Terminen in Köln. Und die Flamersheimer statteten den Arloffer Jecken bei der Prunksitzung in der Grundschule einen Besuch ab. „Als die Flamersheimer uns von ihrer Idee erzählt haben, mussten wir nicht lange überlegen. Da simmer dabei!“, heißt es aus den Reihen der Arloffer Tollitäten. Was die Flamersheimer damals aber noch gar nicht wussten: dass die Freundinnen aus dem Bad Münstereifeler Doppelort ebenfalls Tollitäten werden würden.

Kölsche Lebensfreude und jeder Menge Alaaf im Gepäck

Als Prinz Philipp I. nämlich erstmals von der Idee erzählte, waren Prinzessin Tanja I. (Krüger), Jungfrau Nicole I. (Jerhoff) und Bauer Renate I. (von Hülsen) noch gar nicht inthronisiert – und dass sie Tollitäten werden würden, war schon gar nicht offiziell.

Nun geht es also als Doppel-Dreigestirn auf die Tour nach Mallorca – natürlich stilecht mit kölscher Lebensfreude und jeder Menge Alaaf im Gepäck. Viel mehr wird auch bei den drei jecken Wiever nicht in die Taschen passen. Bauer Renate lässt ihren Dreschflegel und den Hut mit den großen Pfauenfedern zu Hause. Stattdessen trägt sie eine Narrenkappe. „Wir freuen uns wie jeck“, sagt Prinz Tanja I., die ankündigt, nur den eigenen Orden und den der Flamersheimer mitzunehmen. Es reist sich eben besser mit leichtem Gepäck.

Für die Arloff-Kirspenicher wird der Ballermann keine Premiere sein. Bereits im vergangenen Jahr waren sie während der Kölschen Woche auf der Schinkenstraße unterwegs und wurden dort aufgrund ihrer T-Shirts von der Band Fiasko angesprochen. Was die Musiker nicht wussten: Sie sprachen mit den künftigen Tollitäten – und standen in der aktuellen Session während der Prunksitzung in der Arloffer Grundschule gemeinsam mit dem Damen-Trio auf der Bühne.

„Wir wollen zeigen, dass wir Mädels das genauso gut können – mit Herz, Spaß und Zusammenhalt“, sagt Bauer Renate, die seit einem Jahr auch Präsidentin der Prinzengarde des Doppelorts ist.