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Neuer LebensabschnittDas geeignete Heim kann man in Euskirchen per Tauschbörse finden

6 min
Ein älterer Mann ist von hinten zu sehen, wie er sich an einem Geländer festhält und eine Treppe zu einer Terrasse an einem Haus hochgeht.

Mangelnde Barrierefreiheit oder ein zu großer Garten – zwei Gründe, warum ein Eigenheim im Alter zur Herausforderung werden kann.

Auch in der Stadt Euskirchen ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Helfen soll nun auch eine Wohnraumtauschkarte.

„Bei einem Hausverkauf fließen oft mehr Tränen als bei einer Scheidung. Das ist ein sehr emotionales Thema“, sagte Dr. Stefan Koroch. Der Notar war gemeinsam mit seiner Kollegin, Dr. Sarah König, bei der ersten Wohnraumtauschbörse der Stadt Euskirchen zu Gast. Die Veranstaltung war zwar nicht so emotional wie die eine oder andere Beurkundung eines Hausverkaufs, dafür aber umso informativer.

Rund 40 Interessierte waren in den Ratssaal des Rathauses an der Kölner Straße gekommen. Die Wohnraumtauschbörse richtet sich nach Angaben von Sarah Krapohl von der Stadt Euskirchen an Menschen, deren bisherige Wohnung oder Immobilie nicht mehr zu ihrem aktuellen Lebensabschnitt passt. Dazu gehören ältere Menschen, deren Haus im Laufe der Jahre zu groß geworden ist und die sich eine kleinere, barrierefreie Wohnung wünschen.

Beigeordneter: Wohnen ist eines der brennendsten Themen in Euskirchen

Auch Paare und junge Familien, die Nachwuchs erwarten und mehr Platz benötigen, können von der Börse profitieren. Ebenso richtet sich das Angebot an Paare, die bislang in getrennten Wohnungen gelebt haben und nun gemeinsam in eine Wohnung ziehen möchten. Oder an Menschen, die sich nach einer Trennung neu orientieren und eine kleinere Wohnung suchen. Selbst Personen, die ein Haus geerbt haben und nach einiger Zeit merken, dass es nicht ihren Vorstellungen entspricht, finden hier hilfreiche Unterstützung.

Für diesen Zweck hat Krapohl gemeinsam mit ihrer Kollegin Inge Dürselen die Wohnraumtauschkarte entwickelt. Diese kann ab sofort kostenlos im Rathaus abgeholt oder auf der städtischen Homepage heruntergeladen werden (siehe weiter unten).

An einem mehrstöckigen Neubau in Euskirchen stehen die Gerüste.

In Euskirchen wird viel gebaut, Wohnungen sind dennoch Mangelware.

Ein Mann steht in einem Saal an einem Pult und spricht. Zahlreiche Menschen sitzen auf Stühlen und hören ihm zu.

Der Erste Beigeordnete Alfred Jaax begrüßte die Interessierten.

Die Karte ist ein Ergebnis einer eigens neu geschaffenen Stelle bei der Stadtverwaltung. „Wir wollen jeden Stein beim Thema Wohnen auf links drehen. Wohnen ist eines der brennendsten Themen in Euskirchen“, sagte der Erste Beigeordnete Alfred Jaax, der sich von der Resonanz begeistert zeigte.

Die Veranstaltung sei als eine Art Türöffner zu verstehen. Die Experten König und Koroch lobten das Vorhaben, warnten aber auch vor zu großer Euphorie. „Jemanden für einen Wohnraumtausch zu finden, ist manchmal schwieriger, als einen Partner auf einer Singlebörse“, so der Notar, der gemeinsam mit seiner Kollegin König die unterschiedlichsten denkbaren Modelle vorstellte.

Beim Tausch von Wohnungen müssen Regeln eingehalten werden

„Beim Mietwohnungstausch können Privatpersonen ihre Wohnungen untereinander tauschen, sodass beide Parteien künftig in einer Wohnung leben, die besser zu ihren Lebensumständen passt“, erklärte Koroch. Wichtig sei, dass ein solcher Wohnungstausch nur mit dem schriftlichen Einverständnis der jeweiligen Vermieterin oder des jeweiligen Vermieters erfolgen darf. „Dabei müssen alle neuen Mietkonditionen – wie Miethöhe, Kaution und Nebenkosten – im Vorfeld klar geregelt sein“, so der Notar.

Neben dem Wohnungstausch gibt es jedoch auch weitere Möglichkeiten, die eigene Wohnsituation zu verändern. Für Eigentümerinnen und Eigentümer, die über einen Verkauf nachdenken, stehen laut König unterschiedliche Modelle zur Verfügung – je nachdem, welche Lebenspläne und finanziellen Bedürfnisse im Vordergrund stehen.

Der klassische Verkauf sei die bekannteste Variante. „Aufgrund der aktuell hohen Nachfrage lässt sich die Immobilie in der Regel gut veräußern, und der volle Kaufpreis steht unmittelbar zur Verfügung“, führte König aus. Auf der anderen Seite bedeute ein klassischer Verkauf jedoch auch den endgültigen Verlust des Eigenheims.

Ein Verkauf mit Rückmiete kann eine Alternative sein

Eine Alternative sei der Verkauf mit Rückmiete. Hierbei werde die Immobilie verkauft, die bisherigen Eigentümerinnen oder Eigentümer bleiben jedoch weiterhin als Mieter im Haus wohnen. Dadurch bleibe der vertraute Lebensmittelpunkt erhalten – ein Vorteil, der den Unterschied zum klassischen Verkauf ausmacht. Der volle Kaufpreis werde ausgezahlt, und es entstehe Flexibilität für neue Lebenssituationen. Allerdings müsse fortan Miete gezahlt werden. Und die Nachfrage nach solchen Modellen sei in der Praxis eher gering.

Beim Verkauf mit Wohnungsrecht handelt es sich laut der Notarin um einen normalen Verkauf, bei dem jedoch ein Teil des Kaufpreises über ein lebenslanges Wohnungsrecht abgegolten wird. Das bedeutet: Die Verkäufer bleiben im Objekt wohnen, zahlen aber keine Miete. Mit einem Beispiel verdeutlichten die Experten das Modell: Ein Haus mit einem Verkehrswert von 300.000 Euro wird verkauft, wovon 200.000 Euro direkt ausgezahlt werden. Der verbleibende Betrag wird über das Wohnungsrecht abgedeckt, das bei Auszug oder Tod erlischt.

Das Angebot gilt zunächst nur in der Stadt Euskirchen

Der Vorteil dieses Modells liege darin, dass der Verkäufer im Haus bleiben und gleichzeitig einen Teil des Kaufpreises erhalten könne – entweder als Einmalzahlung oder als Rentenzahlung. Nachteilig sei, dass der Kaufpreis im Vergleich zum klassischen Verkauf deutlich geringer ausfalle, weiterhin Kosten im Objekt anfallen und die Erbmasse reduziert werde.

Wer von den zahlreichen Informationen nicht abgeschreckt worden war, nahm mehr als nur die Wohnraumtauschkarte mit nach Hause. „Das war sehr interessant“, sagte eine Frau. Das Problem: Die Frau kommt aus Bad Münstereifel, und das Projekt der Stadt Euskirchen ist auf das Stadtgebiet beschränkt – zumindest noch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man die Börse erweitere, aber derzeit sei das nicht angedacht. Das Potenzial ist offenbar vorhanden, denn die Kurstädterin war nicht die einzige Interessierte, die nicht aus Euskirchen kam. Das wurde während der gut einstündigen Veranstaltung deutlich.

Was auch deutlich wurde: Beim Auftakt waren mehr ältere Menschen, die sich zumindest damit beschäftigen, ihr Eigenheim aufzugeben. „Es wird alles zu viel. Ein Haus alleine in Schuss zu halten, ist mit über 70 einfach schwer“, sagte eine Seniorin – und sprach damit wohl einigen aus der Seele. Aber sich davon zu trennen, sei auch schwierig. „Da steckt mein Leben drin“, so die Euskirchenerin.

Den Grundstein für die Veranstaltung legte die Euskirchener Seniorenvertretung „SIE“. SIE-Mitglied Hans-Werner Pütz zeigte sich von der Veranstaltung allerdings ein wenig enttäuscht. Ein Punkt sei ihm deutlich zu kurz gekommen, sagte er bedauernd: „Ein junges Paar kann sich heute doch kein Haus für 500.000 Euro leisten – auch nicht mit zwei Gehältern und ohne Kinder. Wir haben in Euskirchen so viele Senioren, die allein in einem zu großen Haus leben.“ Für Senioren könne auch das genossenschaftliche Wohnen eine Option sein, so Pütz. Das lasse sich mit einem geringeren Verkaufswert von 300.000 Euro realisieren. Der Rest der Summe könne monatlich abbezahlt werden – praktisch als Nebenrente. „Und beim genossenschaftlichen Wohnen hat man auch die Geselligkeit und die passende Infrastruktur dabei“, so Pütz.


Das ist die Wohnraumtauschkarte

Die Stadt Euskirchen hat eigens eine Wohnraumtauschkarte entwickelt. Die ist übersichtlich gestaltet: Zunächst werden Angaben zur derzeit bewohnten Wohnung gemacht – dazu zählen Lage, Größe, Anzahl der Zimmer, Ausstattung und Miethöhe. Zudem kann angekreuzt werden, ob bereits mit dem Vermieter gesprochen worden oder ob ein Wohnberechtigungsschein erforderlich ist. Anschließend werden die Wünsche an die zukünftige Wohnung erfasst. Auch hier sind Lage, Größe, Zimmeranzahl, Ausstattung und gewünschte Miethöhe entscheidend.

Eine Frau ist unscharf im Hintergrund zu erkennen. Sie hält den Vordruck für den Wohnraumtausch in Euskirchen in die Kamera.

So sieht die Wohnraumkarte aus.

Aber auch die gewünschten Stadtteile werden abgefragt (auch Mehrfach-Nennungen sind möglich). Im nächsten Schritt ermittelt die Stadt passende Tauschangebote und stellt den Kontakt zwischen den Interessierten her. Mit Hilfe der Wohnraumtauschkarte können Bürgerinnen und Bürger somit unkompliziert und unbürokratisch einen passenden Tauschpartner finden. Auf der zweiten Seite der Wohnraumtauschkarte sind vor allem zahlreiche Datenschutz-Erklärungen aufgelistet. Ohne die geht es nicht, da sonst das Angebot nicht in das Register aufgenommen werden kann.