Eröffnung im Provisorium
Am Mittwochnachmittag war es so weit. Da hat die neue Portalpraxis in den Räumen des Euskirchener Marien-Hospitals ihre Arbeit aufgenommen. Noch in einem Provisorium, aber voll funktionsfähig. Hinter der Bezeichnung Portalpraxis verbirgt sich – allgemeinverständlich ausgedrückt – ein gemeinsamer Tresen für die Notaufnahme der Klinik und der Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).
Im Foyer des Marien-Hospitals, dessen Eingang übrigens neu gestaltet ist, herrschte ein ganz schöner Auftrieb. Auch Landrat Markus Ramers und die stellvertretende Euskirchener Bürgermeisterin Sandra Eisermann waren gekommen, um schließlich gemeinsam symbolisch das blaue Band zu zerschneiden und den Zugang zur neuen Praxis freizugeben. Die ersten Patienten wurden dort schon betreut, wahrscheinlich, ohne die Veränderung überhaupt zu bemerken.
Dr. Maren Thäter, Geschäftsführerin der Stiftung Marien-Hospital Euskirchen, und Frank Gummelt, Vorsitzender der Kreisstelle Euskirchen der KV, erläuterten, welche Vorteile die neue Portalpraxis bringen soll. Vor allem für die Menschen, die dort Hilfe suchen, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Kreiskrankenhaus Mechernich ist das System im März eingerichtet worden, und es ist gut gestartet.
Das Problem: Zwei Anlaufstellen, ein langer Weg
Bisher war die Notdienstpraxis in einem separaten Gebäude auf dem Klinikgelände untergebracht. Dort tun mittwochnachmittags, samstags, sonntags und an Feiertagen niedergelassene Ärzte Dienst. Sie ist Anlaufstelle bei Problemen, mit denen man normalerweise zum Hausarzt gehen würde. Für schwerere Fälle ist die Notaufnahme zuständig. Schon diese Unterscheidung sei vielen Patienten gar nicht klar, sagte Gummelt. Geschweige denn, dass der Betroffene seine Beschwerden immer richtig einordnen könnte.
Wer aber in die Notdienstpraxis gekommen war, um dort zu erfahren, dass er doch in der Notaufnahme besser aufgehoben wäre, musste den gut 100 Meter langen Weg zum Krankenhausgebäude antreten. Und dort eventuell noch einmal Wartezeit in Kauf nehmen.
Richtig kompliziert wurde es, wenn sich in der Notdienstpraxis herausstellte, dass der Patient oder die Patientin beispielsweise einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben könnte. Dann musste ein Rettungswagen angefordert werden für die kurze Strecke, weil der Fußweg einfach zu riskant gewesen wäre.

Umgestaltung innen und außen.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Der gemeinsame Tresen als Schlüssel
Nun ist die Notdienstpraxis umgezogen und befindet sich im Erdgeschoss der Klinik gleich neben der Notaufnahme. Und am Eingang gibt es besagten gemeinsamen Tresen. Der ist von KV und Notaufnahme gemeinsam besetzt; dort wird entschieden, welchen Weg der Patient einschlägt. Der gemeinsame Empfang habe eine Schlüsselstellung und könne tatsächlich lebensrettend sein, erklärten die Experten. Bei einem Schlaganfall oder einem Infarkt zähle jede Minute.
Zwei Behandlungszimmer für die Notdienstpraxis sind bereits eingerichtet. Der Empfang wird noch umgestaltet, er soll Ende des Jahres fertig sein. „Jedes Provisorium ist besser als die Situation vorher“, sagte Gummelt. Die Gäste der Eröffnungsfeier waren sich einig, dass mit der neuen Portalpraxis eine erhebliche Verbesserung für die Patientinnen und Patienten erreicht sei.
Nächstes Ziel: Notruf und Ärztenotdienst verbinden
Und das soll noch nicht das Ende sein. Laut Gummelt ist das nächste Ziel, schon einen Schritt vorher die beiden Einrichtungen zu verbinden.
Der Notruf 112 und die Telefonnummer 116117, unter der man den ärztlichen Notdienst erreicht, sollten miteinander verbunden werden.
Online-Plattform und Öffnungszeiten
Neben der Portalpraxis steht Patienten auch die neue zentrale Online-Plattform der KV Nordrhein für ambulante Akutversorgung, die 116117-nordrhein.de, zur Verfügung. Die Öffnungszeiten der Portalpraxis: mittwochs und an Weiberfastnacht von 14 bis 22 Uhr, samstags, sonntags, an Feiertagen sowie an Heiligabend, Silvester und Rosenmontag von 7.30 bis 22 Uhr. (uj)

