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Praxis eröffnetNeurologie-Chefarzt hat das Euskirchener Marien-Hospital verlassen

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Das Bild zeigt Hartmut Bauer an der Rezeption seiner neuen Arztpraxis.

Nach 20 Jahren als Neurologie-Chefarzt am Marien-Hospital Euskirchen hat Dr. Hartmut Bauer gekündigt und eine Praxis gegründet.

Hartmut Bauer, der 2006 die Neurologie am Euskirchener Krankenhaus gründete, hat gekündigt. Die renommierte Abteilung sucht einen Nachfolger.

Dr. Hartmut Bauer betrat Neuland, als er 2006 ans Marien-Hospital kam. Sein Auftrag bestand darin, eine Neurologie-Abteilung aufzubauen. So etwas gab es damals im Kreis Euskirchen nicht. Jetzt, 20 Jahre später, hat Bauer das Haus verlassen. Der 62-Jährige schlägt ein neues Kapitel auf, als niedergelassener Arzt mit einer Praxis in der Euskirchener Südstadt.

Bauer hinterlässt dem Marien-Hospital eine neurologische Klinik, die unter seiner Regie eine beeindruckende Entwicklung genommen hat. Zu Beginn hatten der Abteilung 35 Betten sowie eine „Stroke Unit“ mit sechs Betten für die Versorgung von Schlaganfallpatienten und -patientinnen zur Verfügung gestanden. Heute sind es insgesamt 70 Betten. Zehn davon gehören zur Stroke Unit, vier weitere zur „Intermediate Care Station“, auf der überwachungspflichtige Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen behandelt werden.

Das Marien-Hospital versorgt jährlich 1200 Menschen mit Schlaganfall

Der Schwerpunkt lag von Anfang an auf der Behandlung von Schlaganfällen. Wie groß der Bedarf ist, zeigt die Statistik: In der Startphase wurden jährlich ungefähr 250 Menschen versorgt, heute sind es rund 1200.

Bevor die Abteilung aus der Taufe gehoben wurde, war im Kreis Euskirchen keine stationäre Schlaganfallbehandlung möglich gewesen. Betroffene wurden überwiegend in die Unikliniken im Umland gebracht, nach Bonn, Köln oder Aachen. Die langen Fahrtzeiten waren ein Nachteil, denn beim Schlaganfall ist ein schneller Behandlungsbeginn äußerst wichtig. „Ohne jemandem auf die Füße treten zu wollen: Die Schlaganfallbehandlung war hier damals rückständig“, sagt Bauer.

Wir fühlen uns in Euskirchen superwohl.
Hartmut Bauer

Die neue Abteilung profitierte von seinen Erfahrungen aus Ludwigshafen. Dort, im städtischen Klinikum, hatte er in der größten nicht-universitären Neurologie in Rheinland-Pfalz die Stroke Unit mit aufgebaut und geleitet. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung bewarb der leitende Oberarzt sich um eine Chefarztposition.

„Neben Euskirchen waren Flensburg und Kaufbeuren im Rennen“, erzählt er. Die Wahl fiel auf das Rheinland, „das ich zu dieser Zeit nicht kannte“. Die Entscheidung hätten seine Familie und er nie bereut, sagt der verheiratete Vater von drei Kindern: „Wir fühlen uns in Euskirchen superwohl.“

Eine Methode, die in kleineren Krankenhäusern selten ist

Am Marien-Hospital etablierte die neurologische Klinik unter Bauers Leitung früh neue Behandlungsmethoden. Bereits 2006 wurde die systemische Lysetherapie bei Schlaganfall eingeführt, 2020 kam die Thrombektomie als weitere innovative Therapieoption hinzu. Dabei wird ein Blutgerinnsel im Gehirn durch einen Katheter entfernt, der durch die Leistenarterie eingeschoben worden ist. „Diese Methode bieten Kliniken von der Größe des Marien-Hospitals üblicherweise nicht an“, sagt Bauer.

2019 war die Abteilung um die neurologische Frührehabilitation für Schwersterkrankte erweitert worden. „Dieser Bereich mit sechs Betten ermöglicht eine umfassende und hoch spezialisierte Behandlung, die den Übergang von der Akutversorgung zur Rehabilitation erleichtert“, erklärt Bauer.

Seit 2008 ist Bauer Vorsitzender der Alzheimergesellschaft Kreis Euskirchen

Die Neurologie wurde nach den Kriterien der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zertifiziert, „was die hohe Qualität der Versorgung unterstreicht“. Darüber hinaus werden in der Abteilung Multiple Sklerose, Epilepsie, Demenz und weitere Erkrankungen behandelt.

Apropos: 2008 übernahm Bauer als Nachfolger von Dr. Michael Münchmeyer den Vorsitz der Alzheimergesellschaft Kreis Euskirchen, die sich für die Versorgung und die Unterstützung von Menschen mit Demenz und für deren Angehörige einsetzt.

Wir haben für die Region wirklich etwas bewegt. Darauf bin ich stolz.
Hartmut Bauer

Als Chefarzt legte Bauer großen Wert auf die Vernetzung mit Partnerkliniken, um die neurologische Versorgung in der Region weiterzuentwickeln. Mit Engagement, fachlicher Expertise und Innovationsfreude habe er die neurologische Klinik zu einer angesehenen Einrichtung entwickelt, heißt es in seiner mit dem Marien-Hospital abgestimmten Bilanz.

„Wir haben für die Region wirklich etwas bewegt. Darauf bin ich stolz. Auf das Erreichte kann und muss aufgebaut werden“, sagt Bauer im Gespräch mit der Redaktion. „So etwas schafft man nur in Team-Arbeit“, ergänzt er dankbar und anerkennend mit Blick auf seine mehr als 60-köpfige interdisziplinäre Mannschaft.

Dass er nach 20 Jahren Abschied genommen hat, erklärt Bauer mit „unterschiedlichen Ansichten über die Weiterentwicklung der Abteilung. Ich habe gekündigt, weil ich meine Vorstellungen nicht durchsetzen konnte.“ Jetzt freue er sich sehr „auf eine andere Art von Arbeit“.

Die Geschäftsführung dankt ihm für die „wichtige Arbeit hier in Euskirchen“. Was seine Nachfolge angeht, befinde man sich „in guten Gesprächen“, hieß es am Montag weiter. Bis zur Neubesetzung der Chefarztstelle wird die Neurologie kommissarisch vom leitenden Oberarzt Dr. Gaius Masset geführt.


In der Pfalz geboren

Dr. Hartmut Bauer wuchs in Otterbach in der Nähe seiner Geburtsstadt Kaiserslautern auf. Er studierte in Mainz Medizin. Als Arzt arbeitete er in Krankenhäusern in Ludwigshafen, Koblenz, Frankfurt am Main und erneut in Ludwigshafen, bevor er 2006 nach Euskirchen wechselte. Bauer ist zertifizierter Gutachter und Ausbilder in mehreren Bereichen der Neurologie.