Alle Islandpferde, die der Rhein-Sieg-Kreis beschlagnahmt hatte, haben ein neues Zuhause gefunden. In Stotzheim wurden die Tiere versteigert.
Versteigerung in Stotzheim28 Islandpferde haben ein neues Zuhause gefunden

Dicht gedrängt standen die Kaufinteressenten und Schaulustigen, als die Pferde in der Reithalle des Stalls Pierkes präsentiert wurden.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Happy End für 28 Pferde: Bei einer Versteigerung im Stall Pierkes in Euskirchen Stotzheim haben sie alle einen Käufer oder eine Käuferin gefunden. Und damit ein neues Zuhaus. Der Rhein-Sieg-Kreis hatte die zwölf Hengste und 16 Stuten beschlagnahmt, weil der Halter sie nicht artgerecht versorgt hatte.
Familie Pierkes hatte die Islandpferde Mitte März aufgenommen. Die Pflege, die Dieter Pierkes und Heidi Schwohn den Tieren angedeihen ließen, hat Früchte getragen. Aus den klapperdürren, verdreckten Island-Pferden sind schon recht gutgenährte, gepflegte Tiere geworden. Vor allem: Sie haben wieder Glanz in den Augen.

Der kleine Braune hatte es Elke und Ronja Weskamp angetan. Doch bei der Auktion kamen Mutter und Tochter dann letztlich nicht zum Zug.
Copyright: Ulla Jürgensonn

Die Hengste ließen es ganz schön krachen. Sie zeigten, dass Islandpferde durchaus Temperament haben.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Lob dafür gab es auch von des Siegburger Kreisveterinärin Silvia Berger, die dabei war, als die Isländer unter den Hammer kamen. Mit dem Erlös dürfte sie zufrieden sein: Insgesamt wurden 63.000 Euro erzielt, wie Auktionator Volker Raulf berichtet. Geld, mit dem die aufgelaufenen Kosten für die Tiere bestritten werden.
Es wird einiges zusammengekommen sein, denn neben den Kosten für Futter und Stall schlagen ja auch die Besuche von Tierarzt und Hufschmied zu Buche. Das Interesse an den Pferden war groß, zumal der Edgarshof, von sie stammen, bis vor einigen Jahren einen guten Ruf hatte und viele der Tiere eine gute Abstammung haben.
Mich interessieren das Publikum und die Preise.
Nicht jeder, der gekommen war, wollte kaufen. „Mich interessieren das Publikum und die Preise“, sagte Carolin Löwe aus Ruppichteroth. Sie sei mit Pferden aufgewachsen und habe wie so viele Mädchen immer vom eigenen Pony geträumt. Jetzt habe sie die Möglichkeit, sich den Traum zu erfüllen. Aber erst einmal wolle sie schauen, wie denn die Auktionspreise im Verhältnis zu denen auf dem normalen Markt seien.
Elke und Ronja Weskamp waren schon einen Schritt weiter. Sie hatten zwei Hengste aus dem Katalog ausgesucht, auf die sie bieten wollten. Dafür waren sie aus Paderborn angereist. Mutter und Tochter hatten sich ein festes Limit gesetzt – das sie allerdings nicht verraten wollten.
Mutter und Tochter gemeinsam auf Pferdesuche
Dass ein erwachsener, bisher nicht gerittener Hengst eine Herausforderung wäre, ist den beiden klar: „Das ist ein Projekt“, sagte Ronja Weskamp. Aber mit Unterstützung eines Trainers traue sie sich das durchaus zu. Doch beim Bieten auf das erste Pferdchen ihrer Wahl gaben die beiden schnell auf. „Ich fand, er ging mit einem Vorderbein nicht ganz klar“, sagte Elke Weskamp.
Bei der Auktion wird gekauft wie gesehen. Vier jüngere Hengste, die im Offenstall friedlich zusammengestanden hatten, benahmen sich angesichts des Publikums wie rüpelhafte Teenager: Imponiergehabe, Rempeln, Treten. Prompt lahmte einer. Und wenn er jetzt mehr abbekommen hat als eine Prellung: „Dann hat der Käufer Pech gehabt“, sagt Dieter Pierkes.
Die Versteigerung lief erst einmal zäh an
Auktionator Raulf hatte es eingangs unmissverständlich gesagt: „Ab dem Zuschlag trägt der Bieter das Risiko.“ Mit viel Einsatz und einer guten Portion Humor versuchte er, die Pferde an den Mann oder die Frau zu bringen: „Liebe Ehemänner, ihr habt verloren. Enttäuscht eure Frauen nicht.“
Trotzdem lief die Versteigerung erst einmal zäh an. Keiner wollte auf Blakkur frá Sauðákróki bieten. Dabei ist der 18-Jährige mit dem Island-typisch unaussprechlichen Namen tatsächlich ein hochkarätiger, gekörter Deckhengst. Allerdings hat er nur ein Auge. Und es besteht Verdacht auf eine Zahnkrankheit. Er ging ohne Gebot zurück in den Stall.

Mit viel Einsatz und Humor versuchte Auktionator Volker Raulf, die höchsten Gebote herauszukitzeln.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Bei den jüngeren Hengsten nahm die Sache dann Fahrt auf. Geboten wurde anfangs in 100-Euro-Schritten, ab 2000 Euro dann in 200-Euro-Schritten. Der höchste Preis, der erzielt wurde, waren 4.400 Euro, der niedrigste lag bei 500 Euro. Die Gefahr, versehentlich ein Pferd zu ersteigern, weil man sich am Kopf gekratzt hat, bestand nicht. Die Interessenten hatten sich vorher angemeldet und jeweils eine Bieterkarte bekommen, die sie hochhielten.
Und auch, als ein Käufer doch noch einen Rückzieher machte, fand Raulf eine Lösung: Das Pferd wurde zum zweiten Mal versteigert. Ein teurer Tag wurde es für den wankelmütigen Bieter trotzdem. Im zweiten Anlauf ging das Pferd für 400 Euro weniger weg: Er muss die Differenz tragen. Auch der einäugige Blakkur wurde ein zweites Mal aufgerufen.
Und dann hatten gleich zwei einen Grund zur Freude: das Pferd und die neue Besitzerin. Stefanie Pfeifer aus Hürth wirkte fast ein bisschen überrascht, als sie den Zuschlag erhielt. „Er lief am schönsten“, begründet sie ihren Kauf. Die Zeit als Deckhengst ist aber vorbei. Jetzt soll Blakkur ein Kinderpferd werden. „Er wird es gut haben“, ist die Freundin überzeugt, die Pfeifer begleitet hat.
Davon wird sich vermutlich das Veterinäramt des Rhein-Erft-Kreises überzeugen. Denn der Rhein-Sieg-Kreis gibt die Adressen aller Käufer an die künftig zuständigen Ämter weiter. Damit es wirklich ein Happy End wird für die Islandpferde, die so viel durchmachen mussten.
