Euskirchen – Für Euskirchen war es ein Freudentag, ein denkwürdiger dazu. Erst 20 Jahre zuvor hatte man die Stadtrechte erhalten – und nun, 1322, folgte mit der Verleihung der Marktrechte die nächste frohe Botschaft. Mit seiner Unterschrift hatte Reinald I., Herr von Monschau-Falkenberg, verfügt, dass neben dem bestehenden Wochenmarkt zukünftig jährlich am 14. September ein Jahrmarkt stattfinden dürfe. Ein Ereignis, dem viele Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt bis heute erwartungsvoll entgegensehen.
Für Landwirte und Handwerker im Jahr 1322 war der Jahrmarkt besonders finanziell mit großen Vorteilen verbunden. „Mit wachsendem Wohlstand wurden im Laufe der Zeit mehr und mehr Überschüsse produziert“, sagt 700 Jahre später die Leiterin des Euskirchener Stadtmuseums, Dr. Heike Lützenkirchen. „Der Markt lockte auch viele Händler und Besucher von außerhalb in die Stadt und so brachten diese Überschüsse, die innerhalb der Grenzen Euskirchens nicht mehr verkauft werden konnten, dennoch Gewinne ein.“ Dies spülte nicht nur Geld in die Taschen der Euskirchener, sondern verschaffte der Stadt zudem einen guten Ruf als Handelszentrum.
Jahrmarkt in den Oktober verlegt
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Datum des Jahrmarktes auf den 28. Oktober verlegt. Auch der Charakter des Marktes und der Schwerpunkt der angebotenen Waren änderten sich mit der Zeit mehr und mehr, auch in Richtung Freizeitgestaltung. „Der Datumswechsel war wahrscheinlich der Ernte geschuldet, die bis Ende Oktober eingebracht und dann auf dem Markt verkauft werden konnte“, so Lützenkirchen.

Hauptattraktion der Ausstellung ist die 700 Jahre alte Urkunde.
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Der inhaltliche Umschwung sei auf den Umstand zurückzuführen, dass auch immer mehr Familien mit Kindern zu den Besuchern zählten, ergänzt die Museumsleiterin. „Die Kommunikation untereinander war sehr wichtig, um sich über Aktuelles zu informieren. Schon früh wurden nicht nur Waren, sondern auch Neuigkeiten und Wissen ausgetauscht. So entwickelte sich der Jahrmarkt immer mehr zu einem Treffpunkt für alle Generationen.“ Auf diese Weise habe auch der Berufszweig der Schausteller einen großen Aufschwung erlebt, fügt Museologin Maja Kützemeier hinzu. „Die Zahl der Gaukler und Spielleute in der Stadt wuchs genauso wie der Verkauf von Speisen und Getränken.“
Kirmes lockte tausende Besucher an
Die Entwicklung vom Bauern- und Handwerkermarkt hin zur Simon-Juda-Kirmes, die momentan wieder tausende Besucher in die Kreisstadt lockt, zeichnet das Stadtmuseum in einer Sonderausstellung mit dem Titel „Jahrmarkt und Kirmes – 700 Jahre Marktrecht in Euskirchen“ nach, die ab Samstag, 5. November, zu sehen ist. Neben vielen Fotos und Dokumenten zeugen auch zahlreiche historische Objekte wie ein „Kraft-Automat“ und die Gondeln einer Schiffschaukel von diesem Wandel.
Öffnungszeiten
Die Sonderausstellung „Jahrmarkt und Kirmes – 700 Jahre Marktrecht in Euskirchen“ kann bis zum 16. April 2023 im Stadtmuseum im Kulturhof, Wilhelmstraße 32-34, besichtigt werden. Das Museum ist dienstags bis freitags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 11 bis 15 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr.
Die Ausstellung umfasst auch Plakate, mit denen man in den vergangenen Jahrzehnten Besucher anlockte, sowie Aufnahmen, die das bunte Treiben und die ersten Fahrgeschäfte auf der Kirmes zeigen. Das historisch bedeutendste Exponat ist zweifellos die 700 Jahre alte Original-Marktrechtsurkunde von 1322.
700 Jahre alte Urkunde in einer Vitrine
Verschlossen in einer Klimavitrine, in der für optimale Luftverhältnisse gesorgt ist, stellt sie einen weiteren Blickfang für die Besucherinnen und Besucher dar.
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„Innerhalb der Vitrine herrschen eine Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent und eine konstante Temperatur von 17 bis 18 Grad Celsius“, erklärt Heike Lützenkirchen. Auf diese Weise sei das alte Papier ausreichend vor äußeren Einflüssen geschützt und könne dennoch vom geschichtsinteressierten Publikum in Augenschein genommen werden.

