Bei der Premiere eines Krimigottesdienstes in der Martin-Luther-Kirche in Weilerswist ermittelten die Gläubigen munter mit.
KrimigottesdienstDie Pfarrerin steht in Weilerswist plötzlich mitten im Tatort

Im Mittelpunkt des Krimigottesdienstes stand die biblische Geschichte um den Mord an König Eglon von Moab.
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Wie bei unzähligen Gottesdiensten zuvor hieß Pfarrerin Judith Weichsel die Besucher in der Weilerswister Martin-Luther-Kirche willkommen. Noch während der Begrüßungsworte machte jedoch lautes Klopfen an der Tür zum Gemeindesaal schnell deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Kirchenbesuch werden sollte.
In der Rolle eines Detektivs stürmte Ace Busshoff in den Saal und verdrängte Judith Weichsel von ihrem Platz, um den „Tatort“ genauer unter die Lupe nehmen zu können. Und tatsächlich bestätigten bald darauf weitere Mitglieder der Kirchenjugend und Küster Martin Oertl, dass König Eglon, der Herrscher über die Moabiter, ermordet worden sei.
Theateraufführung als Einstimmung auf Nordeifel-Mordeifel
Mit dieser kurzen Theateraufführung wollten die Verantwortlichen die biblische Geschichte jedoch nicht nur in Szene setzen, sondern das Publikum auch an der Erzählung teilhaben lassen. Und es war eine Art Einstimmung, da am Folgetag eine Lesung der Reihe Nordeifel-Mordeifel in der Kirche stattfand. „Da wollten wir die Gelegenheit nutzen und die Vorfreude mit einem Krimigottesdienst noch steigern“, so Pfarrerin Weichsel: „In der Bibel gibt es zahlreiche Kriminalfälle, und so entstand in unserem Handarbeitskreis die Idee, einen davon auf diese Art vorzuführen.“
Die Bibel berichtet über König Eglon als einen Regenten, der Israel erobert und das Volk mit hohen Tributzahlungen unterdrückt hat. Nach einer Audienz mit einem Gast, der behauptete eine Nachricht von Gott überbringen zu wollen, fanden die Diener ihren Herren tot auf. Da sie zunächst jedoch dachten, der König würde seine Notdurft verrichten, wagten sie es nicht, ihn zu stören, und gaben somit seinem Mörder ausreichend Zeit zur Flucht.
„Tatort“ und „Der Pate“: Filmmusik stand neben kirchlichen Klängen
Herauszufinden, wie König Eglon zu Tode kam, überließen die Hobbyschauspieler in Weilerswist nun ihrem Publikum, das zunächst nur zögerlich, im Laufe der Aufführung aber immer häufiger mit Zwischenrufen zur Aufklärung beitrug. Untermalt wurde die Szenerie durch Organistin Friederike Heiwolt, die neben einigen Werken aus dem kirchlichen Repertoire auch mit der Titelmelodie der Fernsehserie Tatort und der Filmmusik des Klassikers „Der Pate“ zur Stimmung beitrug.
Trotz dieser ungewohnten Aufführungsform hatten sich die Verantwortlichen dafür entschieden, den Begriff Gottesdienst für ihre Veranstaltung zu verwenden. „Wir hören heute eine Lesung aus der Bibel, und wir singen und beten auch gemeinsam, so wie wir es in jedem Gottesdienst tun“, erklärte Judith Weichsel.
Da die Handlung der Geschichte, die Andrea Revers im Rahmen des Nordeifel-Mordeifel-Festivals vorgesehen hatte, sogar innerhalb der Mauern der Martin-Luther-Kirche spielte, habe man die Möglichkeit, den „Tatort“ Kirche noch einen weiteren Tag zu nutzen, nicht verstreichen lassen wollen. „Für die Nordeifel–Mordeifel-Reihe ist es das erste Mal, dass eine Lesung in einer Kirche stattfindet. Darum wollten auch wir mit unserer Aufführung eine Premiere feiern und hoffen, dass die Zuschauer unsere Freude daran teilen“, so Weichsel.
