Abo

PfarrfusionWeihbischof entschuldigt sich in Weilerswist für Kommunikation des Bistums

Lesezeit 4 Minuten
In der geschmückten Pfarrkirche Weilerswist wird ein Gottesdienst gehalten.

Mit einem gemeinsamen Gottesdienst eröffneten Weihbischof Ansgar Puff (M.) und Weilerswist Pfarrer Georg Bartylla den Gesprächsabend.

Weihbischof Ansgar Puff macht den Weilerswistern wenig Hoffnung, die ungeliebte Pfarrfusion mit Zülpich noch abzuwenden.

Letzte Hoffnungsschimmer, aber auch ein immer stärker werdendes Gefühl der Resignation bestimmten das Bild in den Räumlichkeiten des Weilerswister Jugendheims. Nach Vertretern von Monsignore Markus Bosbach, die bereits im April für ein klärendes Gespräch über den geplanten Zusammenschluss der beiden katholischen Pfarrgemeinschaften Weilerswist und Zülpich in die Gemeinde gekommen waren, hatte nun auch Ansgar Puff einem Treffen zugesagt.

Der für die Pfarrgemeinschaft zuständige Weihbischof stellte gleich zu Beginn klar, dass auch er kein Patentrezept für eine für alle Seiten perfekte Lösung habe mitbringen können: „Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, jetzt, da ein Bischof hier ist, würde sich die gesamte Situation ändern.“ Vielmehr stehe der Termin zur Zusammenlegung mit dem 1. September dieses Jahres bereits fest.

Weihbischof Ansgar Puff entschuldigt sich für Kommunikationsfehler

Dieser Umstand war für die Anwesenden zwar nicht gänzlich neu, dennoch wirkte die Bestätigung wie ein zusätzlicher Nackenschlag. Schließlich hatten sie ihrem Ärger über diese Entscheidung in der Vergangenheit mehrfach schriftlich Luft gemacht und auf eine Reaktion gehofft.

Bei der Kommunikation ist leider einiges falsch gelaufen. Für diesen im Bistum entstandenen Fehler möchte ich mich entschuldigen.
Ansgar Puff, Weihbischof

„Wir haben damals erst durch die Presse von dem Beschluss der Zusammenlegung erfahren, obwohl wir uns zuvor in allen Gremien mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,8 Prozent der Stimmen dagegen entschieden hatten“, berichtete Walter Lanzerath, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchengemeindeverbands.

„Bei der Kommunikation ist leider einiges falsch gelaufen“, stimmte Weihbischof Ansgar Puff zu. „Für diesen im Bistum entstandenen Fehler möchte ich mich entschuldigen.“ An der bevorstehenden Zusammenlegung ändere dies jedoch nichts.

Weilerswister bevorzugen eine Zusammenlegung mit Euskirchen

In den Briefen der Weilerswister hatten diese nicht nur ihren Unmut ausgedrückt, sondern auch Ideen präsentiert. Aufgrund der stetig sinkenden Priesterzahlen sei die Idee der Pastoralen Einheit zwar nachvollziehbar, könne jedoch nicht in diesem Umfang auf Weilerswist übertragen werden. „Eine gut laufende Filiale wird doch auch nicht einfach geschlossen“, kommentierte eine Gesprächsteilnehmerin.

Zudem sei nicht zuletzt auch aufgrund der besseren Anbindungen im ÖPNV-Netz eine Zusammenlegung mit Euskirchen deutlich sinnvoller, wie Walter Lanzerath betonte. Und: „Auch unsere gut gelebte Ökumene spielt eine Rolle. Die evangelische Kirche richtet ihre Zusammenarbeit schon in Richtung Euskirchen aus, und dieses Miteinander wollen wir nicht verlieren.“ Da aus dem Kölner Erzbistum diesbezüglich keine Reaktion erfolgt sei, seien viele Weilerswister enttäuscht und verärgert, berichtete Christel Jordan, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats: „Wir fühlen uns einfach nicht ernst genommen, nicht wertgeschätzt.“

Fusion der Pfarreien soll in drei Phasen gegliedert werden

In drei Phasen soll die Zusammenlegung unterteilt werden, die nach und nach eine Zentralisierung der Zuständigkeitsbereiche vorantreibt. Die erste Phase bringe noch nicht viele Veränderungen der bekannten Strukturen. Hier, so Puff, sehe er die beste Möglichkeit, einen Kompromiss herbeizuführen. Hierzu führte er ein Beispiel an: „In einer anderen neuen pastoralen Einheit des Erzbistums hat der dort tätige Pfarrer gebeten, noch weitere drei Jahre als Pfarrer tätig sein zu können, weil er dann die Pensionsgrenze erreicht.“

Puff weiter: „Das Erzbistum hat dem zugestimmt, so dass ein gemeinsamer Pfarrer für die neue Pastorale Einheit dort erst nach Ablauf dieser Zeit ernannt werden wird. Mit der Personalabteilung des Erzbistums könnte daher das Gespräch gesucht werden, ob es nicht auch in Weilerswist möglich wäre, die Dauer der ersten Phase der Zusammenarbeit zwischen Zülpich und Weilerswist zeitlich auszudehnen. Voraussetzung dafür ist natürlich die Zustimmung der Pfarrer von Weilerswist und Zülpich.“

Auch die Sorge, künftig möglicherweise bis nach Zülpich fahren zu müssen, um an einer Messe teilnehmen zu können, konnte Ansgar Puff zumindest teilweise zerstreuen. Getreu dem Sprichwort „Man muss die Kirche im Dorf lassen“ sollen auch weiterhin Ansprechpartner vor Ort erhalten bleiben.

Viele neue Erkenntnisse habe man aus dem Gespräch nicht gewinnen können, dennoch sei man, so Christel Jordan, gewillt, sich weiter für die Selbstständigkeit der Weilerswister Pfarreigemeinschaft einzusetzen: „Ich werde bis zum Schluss für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger kämpfen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.“

KStA abonnieren