WeilerswistFlüchtlingsinitiative kritisiert städtisches Integrationskonzept

Der Ausschuss schickt Verwaltung und FIW in den Dialog.
Copyright: smh
Weilerswist – Die Fortschreibung des Integrationskonzepts der Gemeinde Weilerswist hat der Bildungs- und Sozialausschuss am vergangenen Donnerstag vertagt. Grund dafür: Die Flüchtlingsinitiative Weilerswist (FIW) hat Kritik an dem Konzept geäußert. Unter anderem, weil sie sich und weitere relevante Akteure nicht ausreichend in die Konzeption integriert sieht. Vor allem die Grünen unterstützen die Kritik.
Sie betonen, dass im Entwurf des Integrationskonzepts stehe, dass die Konzeption gemeinsam mit „wichtigen Akteuren“ stattfinden solle. Das seien unter anderem die FIW, aber auch die Kirchen, die Integrationsarbeit leisteten. Auch die SPD pflichtete dem bei: „Die Verwaltung hätte das Konzept zumindest im Voraus mit weiteren Akteuren absprechen können.“
Stadt sieht keinen Fehler bei sich
Die Verwaltung sieht den Fehler nicht bei sich. „Wir lassen uns nicht vorschreiben, wie wir Integrationsarbeit leisten“, sagt Beigeordneter René Strotkötter. Einzelne Mitglieder der FIW hätten versucht, seinen Mitarbeitern vorzuschreiben, wie sie zu arbeiten hätten. „Das ist übergriffig“, sagt er. Der im Konzept erwähnte Einbezug wichtiger Akteure finde bereits statt, allerdings nur bei Bedarf.
Die Stellungnahme der Initiative habe bei der Verwaltung „zu Erstaunen geführt“, wie es in der Mitteilungsvorlage heißt. Die FIW hat laut Verwaltung zuvor verwehrt, dass andere Institutionen an ihrer Arbeit mitwirken.
Konkrete Kritikpunkte von Barbara Lehmann-Detscher und Michael Detscher von der FIW sind unter anderem die fehlende Erhebung sozioökonomischer Daten als Grundlage für das Konzept. Strotkötter wendet ein: „Die Datenerfassung ist weitestgehend Sache des Kreises. Darauf haben wir einfach kaum Einfluss.“
Flüchtlingsnitiative bemängelt schlechtes Internet an Standort
Außerdem fehlt in den Einrichtungen laut FIW bereits seit Jahren stabiles WLAN, was vor allem Kinder im Home Schooling benötigen. Auch habe die Verwaltung in dem Konzeptvorschlag nicht ausreichend das Thema der Zimmer- und Wohnraumbelegung abgehandelt: „Wir wünschen uns regelmäßige Optimierung der Wohnraumaufteilung.
Manche der Bewohner haben Schichtarbeit, schlafen aber in Vier- bis Sechsbettzimmern. Und Kinder brauchen Ruhe für Hausaufgaben. Wir wollen, dass das als Problem von der Verwaltung erkannt und auch benannt wird“, sagt Lehmann-Detscher.
Verwaltung will Dialog mit Beteiligten suchen
Die FIW betont, dass sie mit ihrer Kritik die Koordinations- und Führungsfunktion der Verwaltung nicht anzweifeln wolle. „Wir möchten lediglich, dass nicht nur wir, sondern auch andere relevante Akteure wie die Kirchen die Möglichkeit erhalten, einen Beitrag zu leisten“, so Detscher. Die Stellungnahme habe die Verwaltung ihrer Auffassung nach als übergriffig empfunden. „Anscheinend war es eine Zumutung, dass wir Änderungsvorschläge einbringen wollten. So haben die Reaktionen darauf zumindest auf mich gewirkt“, so Lehmann-Detscher.
Das könnte Sie auch interessieren:
In der Mitteilungsvorlage der Verwaltung heißt es im Gegenzug, dass Familien die Möglichkeit erhalten hätten, eigene Wohnungen zu beziehen, trotz knappen Wohnraums. „Einige Bewohner haben das aber nicht zu schätzen gewusst. Es gab Einzelfälle von Lärmbelästigung und falscher Nutzung der Räumlichkeiten, wodurch Schimmel entstand. Deshalb wurde eine erneute Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften erforderlich“, so Strotkötter. Er betont aber, dass das nicht die Regel sei.
Nun soll die Verwaltung den Dialog mit der Initiative und weiteren Akteuren suchen. „Wir werden die entsprechende Personen kontaktieren und auch die Formulierung im Konzeptvorschlag anpassen, so dass es nicht zu Missverständnissen kommt“, sagt Strotkötter. Erst danach will der Ausschuss die Fortschreibung des Konzepts in einer erneuten Sitzung behandeln.



