Abo

Vogel- und Tierfreunde sind alarmiertGreifvogelhilfe in Bessenich: Die Vogelhelfer brauchen selbst Hilfe

Die Greifvogelhilfe Voreifel in Bessenich steht zum Jahresende vor dem Aus, weil die Betreiber aufhören. Nun werden Nachfolger gesucht.

Von

Nachfolger gesucht: Andreas Goldau von der Greifvogelhilfe Voreifel mit seinem privaten Jagdvogel „Amy“, Annette Goldau und Peter Berthold.

Zum Jahresende droht die Schließung der Greifvogelhilfe Voreifel in Bessenich. Das Betreiberehepaar gibt dafür private Gründe an. Vogel- und Tierfreunde sind alarmiert. Im weiten Umkreis gäbe es keine Hilfe mehr für verletzte Bussarde, Milane, Steinkäuze oder aus dem Nest gefallene Jungvögel wie Amsel, Drossel, Fink und Star. Nun werden händeringend Nachfolger gesucht.

„Das wäre ein Drama!“

„Das wäre ein Drama!“ Stefan Brücher, weithin bekannter Eulen- und Greifvogelschützer vom Verein Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen in Bad Münstereifel-Mahlberg, ist entsetzt. Vor einigen Tagen hatte ihn die Nachricht von der bevorstehenden Schließung der vor vier Jahren von Annette und Andreas Goldau in Bessenich eröffneten Greifvogelhilfe Voreifel erreicht. Dann wird die Notaufnahme-Kammer für die Ersthelfer neben ihrer großen Scheune geschlossen, und es werden die auf dem Gelände der Papierfabrik für die Goldaus kostenlos nutzbaren Außenvolieren geräumt.

Die Helfer brauchen jemanden, der ihre Hilfe übernimmt, damit ein Aus des einzigen Wildvogelangebots dieser Art über den Kreis Euskirchen hinaus verhindert werden kann. Erst in Rösrath oder in Kirchwald im Landkreis Mayen-Koblenz – beides etwa von Bessenich eine Stunde Fahrzeit entfernt – findet sich eine vergleichbare Einrichtung. In Kirchwald sind alleine zehn Festangestellte mit der Wildvogelhilfe beschäftigt. Im Landkreis Düren ist der Aufbau eines vergleichbaren Angebotes immerhin geplant. Auch bundesweit sind Wildvogelpflegestationen Mangelware. Ihre Zahl wird auf rund zwei Dutzend geschätzt.

Das hilft Andreas und Annette Goldau nicht weiter. „Wir können hier in Bessenich leider nicht weitermachen. Es ist einfach zu viel geworden. Unsere ganze Freizeit ist weg“, bedauert Annette Goldau. Die Eheleute sind freiberuflich sehr eingespannt. In der Jungvogelzeit im Frühjahr kamen noch mal „um die 30 Wochenstunden“ für ihr Hobby dazu. Da wurde aus dem Hobby Ernst. Anfang dieses Jahres stand fest: Es reicht!

Sie informierten ihr Netzwerk über den Entschluss und auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Euskirchen. „Von der UNB werden wir bisher mit der Erstattung von Sachkosten unterstützt“, ist Annette Goldau dankbar. Doch das nimmt den beiden die Arbeit nicht ab.

Andreas Goldau öffnet behutsam eine der Außenvolieren am Rande der Papierfabrik Smurfit Westrock. Der mittlerweile verstorbene Hajo Lehser aus Zülpich, der die Wildvogelhilfe vor den Goldaus über Jahrzehnte betrieben hatte, hat sie aufstellen lassen. Andreas Goldau kommt mit einem kleinen Steinkauz im Arm zurück. Das Tier hat sich an einem Auge verletzt und wird jetzt wieder aufgepäppelt. Bislang gestattete Smurfit Westrock die kostenlose Nutzung der Volierenanlage und wird das mutmaßlich auch einem Nachfolger der Goldaus – wenn der Standort übernommen werden sollte – weiterhin anbieten. „Am Freitag tagt die Geschäftsführung, dann kommt das Thema zur Sprache“, sagt Falko Greuel vom Unternehmen.

Was neben den Volieren Interessenten die Aufgabe schmackhaft machen könnte, ist die signalisierte weitere Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung. Die Goldaus waren am vergangenen Montag genau deswegen ins Kreishaus einbestellt worden. Dort habe man versichert, wie bisher förderfähige Sachkosten für eine Wildvogelhilfestation im Kreis Euskirchen wohlwollend zu prüfen, berichtet Goldau.

Nachfolger gesucht

Damit das alles aber möglichst schnell auch in Zukunft funktioniert, haben sowohl die Goldaus wie die UNB ihre Netzwerke mobilisiert. Der Kreis will aktiv nach Betreibern für eine Wildvogelstation werben. Peter Berthold von der Wildtierhilfe Nordeifel in Kronenburg ist ebenfalls mit im Boot.

Was Kandidaten neben der Leidenschaft für die gefiederten wilden Freunde außerdem mitbringen sollten, fassen Andreas Goldau und Peter Berthold aus ihrer Sicht zusammen: Ein Falknerschein, eine Ausbildung zum Tierpfleger oder eine Qualifizierung zum Tierarzthelfer wären sinnvoll. Das gelte auch für einen Sachkundenachweis nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes, meint Berthold.

Unterstützung kommt auch von „Eulenmann“ Stefan Brücher: „Wenn ich ab 1. Januar mit Pfleglingen erst bis nach Kirchwald oder Rösrath hinter Bonn fahren müsste, wäre das ein Problem.“ Die Fahrt dauere schlicht zu lang – lebensgefährlich lang, je nach Verletzung, die der Wildvogel sich zugezogen hat. Entscheidend ist, wie schnell im Notfall eine Erstbehandlung möglich ist. Da ist der Turmfalke, der Bussard oder der Uhu wie ein Mensch.

In Bessenich haben die Goldaus in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben 350 Wildvögel aufgepäppelt, 150 bis 160 danach erfolgreich wieder ausgewildert. Der Bedarf ist da. Die „Patienten“ kamen aus dem gesamten Kreisgebiet und den Nachbarkreisen Düren und der Städteregion Aachen.

Der kleine Steinkauz mit der Augenverletzung wurde in der Nähe von Bessenich gefunden. Auch er hat eine Chance auf die Rückkehr in die Freiheit: „Die Augen sind für sie zum Glück nicht das Hauptsinnesorgan. Sie können auch über die Ohren jagen“, so Andreas Goldau.

Nun hofft er wie Ehefrau Annette, Peter Berthold, Stefan Brücher und die UNB, dass eine Nachfolge für die Greifvogelhilfe Voreifel im Kreis Euskirchen gefunden wird. Wer sich dafür interessiert, kann sich an Andreas und Annette Goldau (greifvogelhilfe-voreifel@gmail.com) oder an Peter Berthold von der Wildtierhilfe in Kronenburg (kontakt@wildtierhilfe-nordeifel.de) wenden.