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Künstlerin aus HovenMarti Faber  hat indischem Orden einen Engel geschenkt

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Die Engelsfigur ist vor der Kirchenwand aufgerichtet, daneben stehen und hocken die Männer, die die Arbeit geleistet haben.

Viel Improvisation und Handarbeit waren nötig, bis die Helfer stolz den Engel vor der Kirche in Mumbai präsentieren konnten. 

Ein Kunstwerk von Marti Faber aus Hoven steht jetzt in Indien. Die Künstlerin plant außerdem einen Schüleraustausch mit Mumbai. 

Kunst, wohin der Blick fällt. Stählerne Skulpturen im Garten, Bilder an der Wand. Kleine Kästen aus Plexiglas, in denen Skizzen gestapelt sind. Immer, wenn man glaubt, alles gesehen zu haben, zieht Marti Faber eine neue Schublade auf. Zeigt Zeichnungen, Drucke, Grafiken, Büttenpapier, das zu einer Art Relief geschöpft ist. Die 80-Jährige weist auf das Sofa: „Hier sitze ich abends und zeichne.“ Gibt es denn auch mal einen Tag, an dem sie nicht künstlerisch tätig ist? Sie überlegt kurz: „Dann ist es ein vergeudeter Tag.“

Es gibt wohl keinen Menschen im Kreis Euskirchen, der noch nie ein Kunstwerk von Marti Faber gesehen hat. Unverkennbar sind die Figuren, meist aus Stahl ausgeschnitten, oft auch das Negativ der Form zeigend, im öffentlichen Raum präsent. Und nicht nur hier: Seit dem vergangenen Jahr steht eine Engelsfigur, die sie entworfen hat, vor der Franziskuskirche im indischen Mumbai. Wie und warum sie dort hingekommen ist, das ist eine Geschichte, die viel erzählt über eine außergewöhnliche Frau mit Mut und Durchsetzungsvermögen.

Ich habe nie eine Reise vorbereitet, sondern immer die Herausforderung gesucht.
Marti Faber

Gern zu reisen, auch in ferne Länder, ist heute nicht mehr außergewöhnlich. Aber Marti Faber reist anders als die meisten anderen Leute. Sie reist mit Rucksack und Zeichenblock. Immer allein. So hat sie es als ganz junge Frau gemacht, so macht sie es mit 80 Jahren immer noch. „Ich habe nie eine Reise vorbereitet, sondern immer die Herausforderung gesucht“, sagt sie.

Von all den Ländern, die sie gesehen hat, ist Indien ihr Favorit. Zahlreiche Zeichnungen zeugen davon, aber auch unzählige Fotos. Sie zeigen keine Touristenattraktionen, sondern echtes Leben. Marti Faber sucht – und findet – den Kontakt zu den Menschen, über alle Sprachbarrieren hinweg. Sie hat Familien getroffen, die in wild zusammengezimmerten Hütten auf Strohlagern schlafen: „Da habe ich dann auch auf einem Strohlager geschlafen.“

Die erste große Reise führte nach Südafrika

Sie kaufe für Zugfahrten immer die billigsten Karten, um mit den einfachen Menschen in Kontakt zu kommen. Ihre Reisen dauern mindestens zwei, oft drei Monate. In dieser Zeit melde sich nicht bei ihrer Familie, erzählt sie, auch wenn das mittlerweile ja per Handy problemlos möglich wäre. Sie zeigt in Richtung Haustür: „Wenn ich hier rausgehe, bin ich weg.“

Sie sei schon als Kind sehr neugierig gewesen, sagt die gebürtige Ungarin. In relativ jungen Jahren habe sie viel Erfolg als Grafikdesignerin gehabt, so dass sie ihre erste große Reise mit dem Schiff nach Südafrika machen konnte. Mit Grafikdesign verdient sie bis heute Geld: „Ab und zu muss ich arbeiten, um mir das freie Gestalten leisten zu können.“

Marti Faber steht im Grünen hinter einer Reihe von Figuren, die sie aus einer Stahlplatte ausgeschnitten hat.

Für die Biennale in Venedig hat Marti Faber dieses Kunstwerk geschaffen. In ihrem Garten in Zülpich-Hoven steht es im Kleinformat.

Kleine Stahlquadrate, aus denen Firuren geschnitten sind, sind arrangiert wie auf einen Schachbrett.

Zum Verrücktwerden: Die kleinen Skulpturen mit ihrer quadratischen Basis kann man neu platzieren wie bei einem Schachspiel.

Vor der überwucherten Gartenmauer sind Vogelsilhouetten aufgestellt.

Organisch fügen sich Vögel in allen Größen und Formen in die Natur.

Vor dem Grün des Gartens steht eine kleine Skulptur.

Das Spiel aus Licht und Schatten: Die organischen Formen, deren Stahl sich im Laufe der Zeit verändert, ergeben einen reizvollen Effekt.

Dass sie in Indien Kontakt zu Ordensleuten bekam, ist kein Zufall. Mutter Teresa sei ihr Vorbild, sagt die gläubige Christin. So kam sie auf die Idee, den Franziskanern in Mumbai ein Kunstwerk zu schenken zum 125-jährigen Bestehen der Kongregation. Der Entwurf des Engels, der zwei Gesichter zeigt, dürfte der einfachste Teil der Aktion gewesen sein. Die Skulptur sollte weit über drei Meter hoch werden, vor Ort gefertigt aus Cortenstahl, der Edelrost ansetzt.

Allerdings war in Indien kein Cortenstahl zu bekommen, und die technischen Möglichkeiten, ein Kunstwerk dieser Größe anzufertigen, gab es auch in keiner Werkstätten in der Millionenstadt. Also ist der Engel auf 2,90 geschrumpft und in zwei Teilen hergestellt worden, die dann vor der Kirche zusammengeschweißt wurden. Mühsam wurde ein Loch für den Sockel ausgehoben, der Aushub, der mit Steinen durchsetzt war, musste in Säcken vom Mount Poinsur heruntergeschafft werden.

Schüleraustausch mit Indien wird vorbereitet

Als das Kunstwerk am dritten Advent des vergangenen Jahres schließlich aufgestellt wurde, trugen die Arbeiter zur Feier das großen Augenblicks ihre Sonntagskleidung. Im März dieses Jahres war Marti Faber wieder in Indien. Und diesmal nicht allein unterwegs. Zwei Enkeltöchter waren dabei, 12 und 14 Jahre alt. Auch sie kamen nicht als normale Touristen, sondern besuchten fünf Wochen lang die Schule der Franziskaner.

Die Zeit in der Schule in Mumbai war für meine Enkeltöchter ein Erlebnis, das sie für ihr Leben geprägt hat.
Marti Faber

Aus dieser Erfahrung ist die nächste Idee geboren worden, die zwar nicht mit Kunst zu tun hat, aber dafür andere Herausforderungen birgt: Die Zülpicherin möchte einen Schüleraustausch in Gang setzen. Elf Schulen hat Marti Faber bereits angeschrieben, unter anderem das Zülpicher Frankengymnasium und das Mechernicher Gymnasium am Turmhof, aber auch das Europagymnasium in Kerpen (Rhein-Erft-Kreis). Beim Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden sei die Idee gut angekommen, sagt Marti Faber.

Gespräche habe sie auch mit dem Hermann-Josef-Kolleg in Steinfeld und dem Berufskolleg in Füssenich geführt. Der Schulleiter der St. Francis School auf dem Mount Poinsur in Mumbai, Bruder Wilfried Monteiro, war eigens angereist, um den Gedanken des Schüleraustauschs voranzutreiben. Er hat auch Kontakte nach Stuttgart, der Partnerstadt von Mumbai. Zwischen der St. Francis School und einem Stuttgarter Gymnasium gibt es eine Partschaft.

Der kühne Plan: Im Januar des kommenden Jahres sollen 10 bis 15 Kinder und Jugendliche nach Indien reisen, im Mai soll es dann den Gegenbesuch geben. Die jungen Gäste sollen in Familien leben und die Schule im jeweils anderen Land besuchen. Marti Faber ist überzeugt von der Idee des Austauschs: „Die Zeit in der Schule in Mumbai war für meine Enkeltöchter ein Erlebnis, das sie für ihr Leben geprägt hat.“ Weltoffenheit und Verständnis für andere Kulturen könne nur erwachsen aus der Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern.

Den Engel, mit dem das Projekt angefangen hat, findet man in Marti Fabers Haus in vielfacher Ausfertigung, von der kleinen Acrylfigur bis zum Relief. Im kommenden Jahr soll er – ebenfalls aus Acryl – in Bonn einen großen Auftritt haben. Dann hat die Künstlerin eine Ausstellung in der Kirche St. Helena, die heute als „Dialograum für christlichen Kult und zeitgenössische Kultur“genutzt wird.