Der „Verein für den Erhalt der Enzener Kultur und Dorfgeschichte“ betreibt ein Museum und liefert interessante Einblicke in die Geschichte des Dorfes.
Museums-TippIn Enzen zeigt ein kleines Dorf seine große Geschichte

Alltagsgegenstände, aber auch persönliche Erinnerungsstücke haben ihren Platz im Heimatmuseum gefunden.
Copyright: Ulla Jürgensonn
„Historisches Zentrum“ steht auf einem Schild, das in Richtung der Kirche weist. Vermutlich gehen oder fahren die meisten Leute achtlos daran vorbei. Was ein Fehler ist. Denn hinter der Bezeichnung „Historisches Zentrum“ verbirgt sich ein Ensemble, das interessante Einblicke in die Geschichte des Dorfes Enzen gibt.
Seit fünf Jahren gibt es das Heimatmuseum, das Teil eines Gesamtkonzeptes, eben des historischen Zentrums, ist. 2001 wurde der „Verein für den Erhalt der Enzener Kultur und Dorfgeschichte“ (VEKD) gegründet. Die Mitglieder – derzeit sind es gut 40 – betreiben das Museum, kümmern sich um das Gesamtensemble, sammeln Fotos, Dokumente, Gegenstände, anhand derer sich das Leben in früheren Zeiten nachvollziehen lässt.
Apsis der alten Dorfkirche zeigt Fresken aus dem 13. Jahrhundert
Wer dem Wegweiser zum historischen Zentrum folgt, stößt erst einmal auf die Apsis der alten Dorfkirche. Liebevoll restauriert, zeigt sie Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Wer das Glück hat, Wolfgang Embgenbroich vor Ort zu treffen, der bekommt eine geballte Ladung Geschichtswissen. Embgenbroich ist nicht nur Beisitzer im Vorstand des VEKD, er hat auch tatkräftig an der Sicherung der Apsis mitgearbeitet und kennt beispielsweise auch das Tonnengewölbe, das gesichert, aber nicht zugänglich ist.

Die beiden Steinsärge, an denen Anne Heilmann und Wolfgang Embgenbroich stehen, sind Teil des historischen Zentrums.
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Peter Reuter kann zu fast jedem Ausstellungsstück etwas erzählen.
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Als Nächstes stößt der Besucher auf zwei steinerne Särge, die, geschützt vor Witterungseinflüssen, unter einem Dach platziert sind. Insgesamt drei Sarkophage sind in Enzen gefunden worden. Der erste vermutlich 1663, ein sogenanntes Königsgrab, das später lange in so gar nicht majestätischer Funktion als Viehtränke diente. 1811 wurde dann ein Kindersarg entdeckt. 1977 stieß man dann bei Kanalarbeiten auf einen dritten Sarg. Auch er enthielt, wie die beiden anderen, kostbare Beigaben. Einige sind im Zülpicher Museum für Badekultur ausgestellt. In römischer Zeit trafen dort, wo heute Enzen liegt, sechs wichtige Wege aufeinander. Zum historischen Zentrum gehören schließlich auch noch der Friedhof und das Ehrenmal.
Das Museum ist in der früheren Aufbahrungshalle untergebracht
Peter Reuter, Vorsitzender des VEKD, erzählt gern und lebhaft von der Geschichte seines Heimatortes und über die Exponate. Das Museum ist in der früheren Aufbahrungshalle gleich neben der Pfarrkirche St. Kunibert untergebracht. Die Beerdigungskultur ist im Wandel, der Raum wurde nicht mehr benötigt.
Ein Glücksfall, nicht nur für den VEKD, sondern auch für Reuter, der ein leidenschaftlicher Sammler ist. „Als die Garage voll war, hat meine Frau gesagt: ‚Jetzt ist Schluss‘“, erzählt er. 80 Quadratmeter sind zwar deutlich mehr als eine Garage, aber für ein gut bestücktes Museum dann doch wieder nicht viel. Der VEKD hat dafür eine gute Lösung gefunden: Ein Raum wird für Wechselausstellungen genutzt, die jeweils einen thematischen Schwerpunkt haben, zuletzt beispielsweise das Thema „Schule“.

Alte Schriftstücke und Urkunden sind sorgsam verwahrt.
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Die Dauerausstellung nimmt den Besucher mit in weit, sehr weit zurückliegende Zeiten. Die ältesten Bodenfunde aus der Umgebung Enzens stammen aus der Steinzeit, es folgen viele Exponate aus römischer und fränkischer Zeit. Einiges haben die Vereinsmitglieder mit eigenen Händen ausgegraben, als sie die Apsis der früheren Kirche gesichert haben. Die Perlen eines Armbandes haben sie einzeln aus dem Boden geklaubt, erzählt Peter Reuter.
Viele Dinge haben Bürger beim Renovieren der alten Häuser entdeckt
Aus der jüngeren Geschichte zeigt das Museum ein buntes Konglomerat aus Urkunden, Bildern, Alltagsgegenständen. Geschirr, Besteck, Haushaltsgegenstände, vor denen jüngere Besucher vermutlich ratlos stehen. Urkunden, Briefe, ein altes Rentbuch. Manche Ausstellungsstücke zeugen von den unschönen Seiten der alten Zeiten, als etwa der Schievelsberg Richtstätte war, an der Todesurteile gefällt und vollstreckt wurden. Viele Dinge haben Bürger beim Renovieren der alten Enzener Häuser entdeckt, auf Dachböden, in Kellern oder unzugänglichen Winkeln. Manches wurde ersteigert, wie die Ansichtskarten, die den Ort zeigen. Ein Schrank hängt voll mit historischen Uniformen der Enzener Vereine.
Rund 5000 Zeitungsartikel über den Ort lagern im Archiv, darunter einer aus dem Journal de Paris. Dazu 1400 Totenzettel. Anne Heilmann ist die Frau, die da den Überblick behält, auch über die rund 40 Gigabyte bereits digitalisierter Dokumente.
Der VEKD schaut zurück, rückwärtsgewandt will er aber nicht sein. Vielmehr setzt er gerade auf junge Menschen. „Wir bieten Führungen für Schulklassen an“, erzählt Peter Reuter. „Und wir haben auch ein Malbuch herausgegeben.“ Ein neues Wappen hat der Verein ebenfalls entworfen, außerdem bringt er Hefte zu den Wechselausstellungen heraus, beispielsweise zum Enzener Schulwesen von 1824 bis 1968. Für sein Engagement ist der Verein 2023 mit dem Heimatpreis der Stadt Zülpich ausgezeichnet worden. Feste Öffnungszeiten hat das Heimatmuseum nicht. Termine für Besuche und Führungen können über die Homepage gebucht werden.
