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Schlag ins Gesicht und Karate-KickBrutale Schiedsrichter-Jagd in der Amateurliga

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Gewalt gegen Schiedsrichter ist ein zunehmendes Problem im deutschen Fußball. Einen besonders krassen Fall gab es nun in NRW.

  1. Nach den brutalen Übergriffen auf zwei Schiedsrichter bei einem Amateurspiel im Kreis Moers am Wochenende will das zuständige Sportgericht am Mittwoch zusammenkommen und sämtliche Zeugen anhören.
  2. Womöglich wird auch schon eine Entscheidung fallen. Den beteiligten Spielern drohen drastische Strafen. Laut Satzung können sie bis zu acht Jahre vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden.
  3. Die Übergriffe sind keine Einzelfälle, Schiedsrichter stehen unter immer größerem Druck.

Duisburg – Die Kreisliga-Partie zwischen dem TuS Asterlagen und dem Büdericher SV musste in der 78. Minute abgebrochen werden. Beim Stand von 3:0 hatte der Schiedsrichter zwei Spieler von Asterlagen nacheinander wegen Tätlichkeit mit Rot vom Platz geschickt. Dann eskalierte die Lage.

Schlag ins Gesicht

Augenzeugenberichten zufolge soll der Schiedsrichter ins Gesicht geschlagen und über den Platz gejagt worden sein. Einer der Assistenten wurde angeblich mit einem Karate-Kick zu Boden gebracht.

Das Schiedsrichter-Gespann habe sich laut Staffelleiter schließlich in die Kabine retten können. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an, um die Lage zu beruhigen. Die Unparteiischen wurden in einem Krankenhaus ambulant behandelt. „Körperlich zumindest geht es ihnen gut“, sagte Kreisschiedsrichterobmann Jakob Klos dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Vor allem der mediale Aufschlag habe sie stark mitgenommen. Sogar die türkische „Hürriyet“ hatte über den Vorfall berichtet, da sowohl der Schiedsrichter als auch einige Spieler offenbar türkische Wurzeln haben. Der Gewaltexzess wirft abermals ein schlechtes Licht auf den Amateurbereich des deutschen Fußballs. Nachrichten über Eskalationen in den untersten Ligen gibt es immer wieder. Am vergangenen Freitag erst lief ein Spiel in Lohmar zwischen dem Wahlscheider SV und dem SV Wachtberg aus dem Ruder. In diesem Fall wurde der Schiedsrichter verschont.

Meisterschaft vermasselt

Wahlscheid erzielte nach 0:2-Rückstand in der 95. Minute noch den Ausgleich und vermasselte dem Gegner die Meisterschaft. Nach dem Abpfiff rannten Zuschauer auf den Platz, ein Wahlscheider soll von gegnerischen Spielern mehrfach gegen den Kopf getreten worden sein. Er trug eine Platzwunde davon, die im Krankenhaus genäht werden musste.

„Gewalt und Respektlosigkeiten gibt es immer wieder“, sagte Schiedsrichterobmann Jakob Klos dieser Zeitung. „Ob es wirklich mehr geworden ist, kann man schlecht sagen. Aber die Hemmschwelle hat abgenommen, die Gewalt hat heute eine andere Qualität. Beleidigungen sind nur ein kleines Übel.“

DFB sieht hohe Belastung

Auch der DFB sieht die Lage kritisch. „Die Belastung der Schiedsrichter ist enorm, wenn man sich vor Augen führt, dass sie gerade im Amateurbereich oft alleine auf dem Platz stehen, Spieler hingegen gibt es in der Regel mehr als zwei Dutzend“, sagte Björn Fecker, Vorsitzender der DFB-Kommission für Gesellschaftliche Verantwortung.

Statistiken zufolge sind Gewaltausbrüche auf den Plätzen selten. Laut Lagebild des DFB für die Saison 2017/2018 verliefen 99,5 Prozent aller Amateurspiele störungsfrei. Bei den 1,3 Millionen gemeldeten Partien seien 667 abgebrochen worden, in 4087 Begegnungen kam es zu Gewalttätigkeiten, in 2768 Spielen zu Diskriminierungen.

Der TuS Asterlagen hatte sich noch am selben Abend über Facebook entschuldigt. Der Verein bedaure den Vorfall. Man habe „unverzüglich entsprechende Schritte gegen die Spieler eingeleitet“. Für den Trainer jedenfalls könnte die Strafe gar nicht hoch genug ausfallen. Er forderte eine lebenslange Sperre. So etwas allerdings sieht die Satzung nicht vor.