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StadtratBurscheids Bürgermeister tritt bei Hallengebühren auf die Bremse

Dirk Runge holt die Entscheidung über drastische höhe Kosten für die Vereine zurück und entschuldigt sich.

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Blick in die Max-Siebold-Halle in Hilgen

Mehr als 30 Prozent teurer sollte auch die Nutzung der Max-Siebold-Halle in Hilgen werden. Der Stadtrat hat darüber jetzt doch nicht entschieden.

Die drastische Erhöhung der Gebühren für die Nutzung von Sporthallen und Schulen kommt jetzt noch nicht. Burscheids Bürgermeister Dirk Runge nahm die entsprechenden Vorlagen von der Tagesordnung des Stadtrats: „Das hätten wir besser vorbereiten müssen“, sagte er, bevor er eine Entschuldigung anfügte. In den zuständigen Fachausschüssen hatte sich die Verwaltung nicht so kooperativ gezeigt; vor allem im Sportausschuss hatte es allerdings schon deutliche Kritik gegeben. Unter anderem von Bodo Jakob, dem Vorsitzenden des Stadtsportverbands.

Bevor der Stadtrat am Donnerstagnachmittag in die Tagesordnung einstieg, bat er darum, die Erhöhung der Gebühren um gut 30 Prozent noch einmal zu überdenken und nicht zu beschließen. Dass er durchaus eine Menge Leute vertritt, ließ Jakob auch anklingen. Punkt. Im Stadtsportverband sind 4705 Mitglieder organisiert. Die meisten kommen von der TG Hilden und der Burscheider Turner-Gemeinschaft. Beide Vereine sind sehr stark von der geplanten Erhöhung betroffen.

Vereine holen Jugendliche von der Straße

Jakob führte ein Argument an, „ohne dass ich das mit konkreten Zahlen belegen kann“: Mit ihrer Arbeit fingen die Sportvereine auch junge Leute auf, die es sonst schwer haben. Im ungünstigsten Fall müssten sie aufwendig in die Gesellschaft wieder eingegliedert werden. Diese Hilfen hatte Burscheids Kämmerer Marc Baack zuletzt als eines der größten Kostenrisiken für den Haushalt identifiziert. „Wir holen die Kinder von der Straße“, so Jakob.

Dirk Runge

Dirk Runge hat für die Stadtverwaltung einen Fehler eingestanden.

Was der Vorsitzende des Stadtsportverbands auch deutlich machte: seine Enttäuschung über das Vorgehen der Verwaltung. Burscheid sei nicht so groß, dass man nicht miteinander sprechen und eine derart drastische Veränderung der Arbeitsbedingungen für die Sportvereine absprechen könnte. Diese Kritik hatte vor einem Monat im Sportausschuss Klaus Nierhoff (SPD) geäußert – allerdings noch ohne Reaktion aus der Stadtverwaltung. Das Unbehagen hatte sich am Ende darin geäußert, dass der Sportausschuss die tiefgreifende Änderung nicht beschloss, sondern in den Stadtrat vertagte.

Kosten sind gestiegen, Gebühren gleich geblieben

In der Sache stößt die Stadtverwaltung durchaus auf Verständnis: Seit 2015 wurden die Gebühren für die Sporthallen und Schulaulen nicht angerührt. In dieser Zeit sind die Kosten natürlich deutlich gestiegen, allein für die Energie. Dazu kommt eine weitere Sache: Schon seit rund einem Jahrzehnt ist davon die Rede, dass die Kommunen in ihren Gebühren auch die Umsatzsteuer berechnen müssen, und zwar als Addition. Im kommenden Jahr – davon geht man zumindest im Burscheider Rathaus aus – wird das umgesetzt und lässt die Gebühren für die Nutzer weiter steigen.

Nach Angaben von Bodo Jakob könnte die drastische Gebührensteigerung die Vereine in große Schwierigkeiten bringen. Bisher nämlich übernehme die Stiftung der Kreissparkasse diese Kosten. Allerdings sei fraglich, dass sie auch ein Plus von mehr als 30 Prozent trägt. Erst recht, weil pauschale Förderungen eigentlich nicht den Stiftungsrichtlinien entsprechen. Gedacht ist die KSK-Stiftung für die Unterstützung von Projekten, die der Allgemeinheit zugute kommen. Nicht, um faktisch laufende Kosten von Sportvereinen zu decken. Bisher summieren sich die Benutzungsgebühren für die Vereine auf etwa 16.000 Euro im Jahr, heißt es vom Stadtsportverband. Künftig wären des demnach bis zu 21.000.

Die gesamten Unterhaltskosten für ihre Sporthallen hat die Stadtverwaltung auf rund 350.000 Euro im Jahr beziffert. Die Benutzungsgebühren für die Vereine wären demnach nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.