Die „Musikstadt Burscheid“ bleibt bis auf Weiteres nur eine Idee – und ein Antrag ohne den notwendigen politischen Rückhalt. Dieses überraschende Ergebnis erbrachte die Sitzung des Stadtrats am Donnerstagabend. Denn außer drei Gegenstimmen gab es auch noch diverse Enthaltungen. Am Ende stimmten nur 31 Ratsmitglieder für den Antrag. Das war zwar eine Mehrheit, aber sie war bei Weitem nicht groß genug: Wenn eine Stadt einen Namenszusatz führen will, müssen sich drei Viertel des Stadtrats dafür aussprechen. So steht es in der Gemeindeordnung, und dieses Quorum hätte am Donnerstag bei 34 Stimmen gelegen. Es waren aber nur 31.
Im Hauptausschuss am Dienstag hatte das Stimmungsbild noch anders ausgesehen: Es gab zwar auch zwei Enthaltungen, aber keine Gegenstimme. Nichts deutete also darauf hin, dass im Rat nicht die Dreiviertel-Mehrheit zusammenkommen würde.
Das Problem: Burscheids Ortsschilder
Die Initiative war ursprünglich vom Bündnis für Burscheid ausgegangen und schon Jahre alt. Dass der Zusatz „Musikstadt“ hervorragend zu Burscheid passt und Werbepotenzial hat, ist unbestritten. Allerdings hatte man im Rathaus darauf hingewiesen, dass es ein Umsetzungsproblem gibt, jedenfalls bei der Kenntlichmachung für Besucher: Die Stadt müsste sämtliche Ortsschilder austauschen, und das ist mit erheblichem organisatorischem, vor allem aber auch finanziellem Aufwand verbunden. Dafür sei weder Geld in diesem Haushalt eingestellt, noch plant Kämmerer Marc Baack, 2027 die notwendige Summe einzuplanen. Es geht um 22.000 Euro, die die Stadt tragen müsste. Außerdem müssten Straßen NRW und der Kreis mitmachen, wegen ihrer Hoheit über viele Straßen in Burscheid.
Abseits dessen findet man die Idee im Rathaus ausgesprochen gut. Denn Burscheid setzt stark auf die kulturelle Karte, auch wenn die mit den beiden großen Sportvereinen in Hilgen und Burscheid auch auf diesem Gebiet viel zu bieten hat. Es liegt auf der Hand, dass sich die Heimstatt des ältesten Laienorchesters Deutschlands – und das ist die Musicalische Academie von 1812 – mit Fug und Recht Musikstadt nennen kann. Hinzu kommen die vor 184 Jahren gegründete Chorgemeinschaft und der überaus erfolgreiche Orchesterverein Hilgen, der zudem auch schon 114 Jahre alt ist.
Argumente, die sich aber im Abstimmungsverhalten jetzt nicht widerspiegelten. Der schon 2022 gestellte Antrag dürfte aber bald wieder Thema werden.

