Die Filiale im Rathaus soll in der Niederlassung Wermelskirchen aufgehen. Bürgermeister und Politiker halten das für eine schlechte Idee.
StandortentscheidungBurscheid soll sein Jobcenter verlieren

Bald nicht mehr Mieter: Das Jobcenter will den Standort im Burscheider Rathaus aufgeben.
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Die Überraschung ist Sebastian Geiger offenkundig gelungen. Aber es ist keine positive für Burscheid. Der Geschäftsführer des Jobcenter Rhein-Berg hat Bürgermeister Dirk Runge nämlich mitgeteilt, dass der Standort im Erdgeschoss des Rathauses aufgegeben werden soll. Ende des Jahres soll die Niederlassung in der Filiale in Wermelskirchen aufgehen. Dort sei Platz, weil die Arbeitsagentur aussieht, berichtete Runge am Dienstagabend im Sozialausschuss. Auch dort hielt man das für eine ausgesprochen schlechte Nachricht und pflichtete dem Urteil des Bürgermeisters bei: „Das hat natürlich erhebliche Nachteile für unsere Bürgerinnen und Bürger.“
Noch vor kurzem, so Runge weiter, sei er im Austausch mit dem Geschäftsführer des Jobcenters gewesen, und es sollte tatsächlich um Standortfragen gehen. Am Montag habe ihm Geiger allerdings eröffnet, dass der Beirat die Frage schon entschieden habe: Das Jobcenter soll sich aus Burscheid zurückziehen.
Sieben Standorte bleiben übrig
Mit Blick auf das dichte Netz im Kreis erscheint die Entscheidung auffällig; Derzeit gibt es Jobcenter in Bergisch Gladbach, Kürten, Leichlingen, Odenthal, Overath, Rösrath und eben Wermelskirchen. In der Nachbarstadt sollten die bisherigen Burscheider Bediensteten zusammengezogen werden, fasste Runge Geigers Auskünfte zusammen. Das habe logistische Vorteile. Personelle Ausfälle im Jobcenter könnten in einer größeren Einheit wesentlich leichter ausgeglichen werden, habe es geheißen.
Sonderlich transparent ist die Entscheidung nicht. Auch Landrat Arne von Bötticher sei „überrascht“ gewesen, berichtete Bürgermeister Runge. Er stehe in der Sache mit dem Sozialdezernenten des Kreises, Jürgen Langenbucher, in Kontakt.
Dass ausgerechnet Menschen, die schon länger ohne Arbeit sind, Reisen nach Wermelskirchen auferlegt werden sollen, halten die Mitglieder des Sozialausschusses für ausgesprochen schlecht. Freidemokrat Lennart Hein brachte am Donnerstagabend im Megafon, wo der Ausschuss tagte, eine Resolution ins Spiel. Außerdem hält er es für gut, wenn Jobcenter-Geschäftsführer Geiger die Entscheidung vor den Politikern vertritt. Auch der Bürgermeister hält das für sinnvoll. Dirk Runge wird Sebastian Geiger in die nächste Sitzung des Stadtrats einladen.
Ein weiterer Nachteil des angekündigten Wegzugs trifft die Stadt: Ihr entgingen, so berichtete Runge auf Nachfrage, rund 28.000 Euro Miete im Jahr.
