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Bergisch GladbachWelche Folgen der Gerichtsbeschluss für die Fahrradstraßen hat

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Rechts und links der Straße stehen Verkehrsschilder.

Die Stadt kündigt an, die Verkehrsschilder, die den Hasenweg in Frankenforst als Fahhradstraße ausweisen, abzuhängen. 

Im Hasenweg in Bergisch Gladbach darf wieder geparkt werden. Der Gerichtsbeschluss hebt die Umwindmung zur Fahrradstraße ab sofort auf. Verwaltung kündigt an, nachzusteuern. 

Fahrradstraßen sind in Bergisch Gladbach bisher kein Erfolgsprojekt. Sinnbild für die Schwierigkeiten einer Umwidmung ist die Laurentiusstraße. Nachdem das Verwaltungsgericht Köln am Dienstag in einem Eil-Beschluss die Fahrradstraße im Hasenweg im Stadtteil Frankenforst gekippt hat, muss die Stadt nun die bereits vorhandenen Verkehrsschilder wieder entfernen.

Das Verwaltungsgericht Köln hat die Umwidmung der Straße, wie berichtet, als rechtswidrig eingestuft. Im August 2025 hatte die Stadt den Hasenweg als eine Fahrradstraße ausgewiesen, ein Anwohner einen Eilantrag dagegen gestellt.

Im Hasenweg darf wieder geparkt werden

„Das ist keine erfreuliche Nachricht“, informiert der Erste Beigeordnete Ragnar Migenda die Politik im Mobilitätsausschuss, „dies bedeutet einen Rückschlag der Bemühungen der Stadt, die Fahrradmobilität auszubauen.“

Der Beschluss gilt ab sofort. Im Hasenweg darf also vorerst auch wieder geparkt werden. „Die Verkehrszeichen werden wir vermutlich zuhängen, die Kennzeichnung auf der Straße verpixeln“, sagt Migenda im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts steht der Stadt eine Beschwerde zu, über die das Oberverwaltungsgericht Münster entscheiden würde. Die Frist beträgt 14 Tage. „Wir werden die Begründung genau prüfen, um das zu entscheiden.“ Er gehe aber davon aus, dass es sich bei der Beanstandung nicht um eine kleine Formalie handele: „Dann müssen wir nachsteuern.“

Anwohner kündigt weitere Klage an

Das Verwaltungsgericht moniert in ihrer kurzgefassten Begründung per Pressemitteilung, dass die Stadt nur unzureichend Daten erfasst habe. Eine einmalige Verkehrszählung des fließenden Verkehrs erlaube keine belastbare Prognoseentscheidung, ob und wie sich die Verkehrsströme änderten.

„Dazu müssen wir den Großraum genau betrachten, wenn wir Fahrradstraßen wollen und uns dafür gegebenenfalls Unterstützung von einem Fachbüro holen“, erläutert Migenda. Im Raum steht zudem die Befürchtung, dass die Einzelfall-Entscheidung zum Hasenweg Auswirkungen auf die anderen Straßen hat, die Bestandteil der Radroute F2 von Bensberg nach Refrath sind.

Bereits am Mittwoch kündigt ein Bergisch Gladbacher an, gegen die verkehrsrechtliche Anordnung der Fahrradstraße in der benachbarten Nachtigallenstraße zu klagen. Wenn  beim Hasenweg gerichtlich erhebliche Mängel festgestellt wurden, dürfe die Nachtigallenstraße nicht einfach weiterbehandelt werden, als sei nichts geschehen, lautet die Begründung in seiner E-Mail, die die Redaktion erreicht.

Wenn es sein muss, müssen wir zurückrudern
Ragnar Migenda, Erster

Auch in der Siegenstraße, ebenfalls Teil der F2-Route, hatte sich eine Initiative massiv gegen den Ausbau zur Fahrradstraße gewehrt. Dabei sind die Anwohner dort wie auch im Hasenweg nicht grundsätzlich gegen diese Projekte. Ihnen leuchtet aber der Sinn nicht ein, weil das Nebeneinander zwischen Fußgängern, Autofahrern und Radlern auch so gut funktioniere, wie sie sagen. Nicht akzeptiert wird von den Gegnern, das Halteverbot für Pflegedienste, Handwerker und andere Dienstleister.

„Wenn es sein muss, müssen wir dort auch zurückrudern“, zeigt sich Migenda pragmatisch. Wenn der Gesetzgeber die Latte so hoch hänge, dann sei das eben so. „Wir stellen uns der Herausforderung“, betont der Erste Beigeordnete.

Die Stadt beabsichtigt insgesamt 18 Strecken, die primär über Nebenstraßen verlaufen, in Fahrradstraßen umbauen: Zwar nicht als reine Fahrradstraßen, wo Autos nicht erlaubt sind, sondern als Tempo 30 Zonen, in denen Radfahrer Vorrang haben und die gesamte Fahrbahn zum Radweg wird. Ziel ist es, mehr Komfort und Sicherheit durch ein lückenloses Radwegenetz für Bergisch Gladbach zu erreichen.

Hierbei handele es sich nicht um einen Glaubenskrieg Auto gegen Fahrrad, betont Migenda. Es gehe darum, dass sich Radfahrer sicher bewegen könnten. Aber auch darum, die Ziele der Klimaneutralität zu erreichen, indem der Verkehr auf umweltfreundliche Verkehrsmittel verlagert werde. „Damit hätten wir wie die Stadt Köln schon viel früher anfangen müssen“, meint Migenda.