Schüler der Otto-Hahn-Realschule sammeln dank EU-Programm Erasmus+ Erfahrungen im Ausland, etwa in Malta oder Finnland.
Erasmus+Raus aus dem Bensberger Klassenzimmer, rein in die weite Welt

Erasmus-Koordinatorin Anke Schweizer besuchte Tristan Irmen, der im Rahmen des EU-Programms bei einer Tauchbasis in Malta arbeitete.
Copyright: Tristan Irmen
Drei Wochen fernab von zu Hause, ein neuer Alltag, eine fremde Sprache und plötzlich viel mehr Selbstständigkeit: Für zehn Schülerinnen und Schüler der Otto-Hahn-Realschule in Bensberg wurde das Betriebspraktikum in diesem Jahr zu einem echten Abenteuer. Erstmals konnten so viele Jugendliche ihr Praktikum im Ausland absolvieren. Möglich gemacht hat dies das EU-Programm Erasmus+.
Ob auf einer Pferdefarm in Island, in einer Jugendherberge in Österreich oder in einem Mediendesign-Büro in Finnland, die Einsatzorte waren so unterschiedlich wie die Erfahrungen, die die Jugendlichen dort gemacht haben. Klar war für alle: Wer ins Ausland wollte, musste Eigeninitiative zeigen, sich selbst einen Praktikumsplatz suchen, eine Unterkunft organisieren und den Schritt ins Ungewisse wagen. Unterstützt haben dabei die beiden Erasmus + Koordinatorinnen Anke Schweizer und Mieke Overhage.
Ich habe gelernt, dass es mehr als nur Schule gibt
Für Felix ging es nach Finnland. Dort arbeitete er drei Wochen lang im Bereich Mediendesign und sammelte Erfahrungen, die ihn nachhaltig geprägt haben. „Ich habe gelernt, dass es mehr als nur Schule gibt“, sagt der Schüler. Besonders gefallen habe ihm, eigenständig an kleinen Projekten zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Er könne sich eine berufliche Zukunft in diese Richtung gut vorstellen.
Ganz anders sah der Alltag für vier Schülerinnen auf einer Pferdefarm in Island aus. Neben der Arbeit im Stall halfen sie auch im Hotelbetrieb mit und bereiteten Mahlzeiten vor. Die körperliche Arbeit sei teilweise anstrengend gewesen, erzählen sie, und auch feste Arbeitszeiten habe es nicht immer gegeben. Trotzdem überwiegt die positive Erfahrung: neue Menschen, beeindruckende Natur und unvergessliche Erlebnisse. Es gab Reitausflüge und eine Fahrt an den Robbenstrand. „Wir sind auf jeden Fall mutiger geworden“, sagen sie rückblickend.
Für zwei Schwestern führte der Weg nach Istanbul
In Österreich unterstützten zwei Schülerinnen ein Team in einer Jugendherberge. Sie betreuten Schulklassen, halfen beim Kochen und bereiteten Zimmer vor. Auch wenn sie sich den Beruf langfristig nicht unbedingt vorstellen können, würden beide das Praktikum jederzeit wieder machen. „Man wird einfach selbstständiger und offener im Umgang mit anderen Menschen“, erzählen sie.

Zehn Schüler der Otto-Hahn-Realschule nahmen an Erasmus+ teil.
Copyright: Laura Hillrichs
Für zwei Schwestern führte der Weg nach Istanbul, wo sie in einem Bauingenieurbüro arbeiteten. Anfangs sei es ungewohnt gewesen, ohne Eltern in so einer großen Stadt zu sein. Doch schnell hätten sie sich eingelebt. Besonders wertvoll war für sie, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und Einblicke in den Berufsalltag zu bekommen.
Das beste Gefühl ist, wenn du von deinen Eltern zum Flughafen gefahren wirst - diese Aufregung und die Vorfreude
Tristan zog es nach Malta in eine Tauchschule, die er bereits aus einem früheren Urlaub kannte. Dort übernahm er vielfältige Aufgaben, von Technik bis Verwaltung. Tauchen konnte er wegen dem Wetter nur einmal, die Natur in Malta beschreibt er als wunderschön. Vor allem ein Gefühl blieb ihm in Erinnerung: „Das beste Gefühl ist, wenn du von deinen Eltern zum Flughafen gefahren wirst - diese Aufregung und die Vorfreude.“ In den drei Wochen habe er enorm an Selbstbewusstsein gewonnen. Irgendwann einmal die Ausbildung zum Tauchlehrer zu machen, könne er sich sehr gut vorstellen.
Begleitet wurden die Jugendlichen von Lehrkräften, die sie vor Ort besuchten und den Kontakt zu den Betrieben pflegten. Ziel ist es, langfristige Partnerschaften aufzubauen und auch künftigen Jahrgängen solche Erfahrungen zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Erlebnisse weitergeben, etwa durch kleine Beiträge oder Videos für die Schulhomepage.
Mit frischen Eindrücken kamen die Schüler zurück nach Bensberg
Dass die Jugendlichen erst zwischen 14 und 16 Jahre alt sind, macht die Erfahrungen umso bemerkenswerter. „Erasmus+ öffnet Türen, erweitert Horizonte und stärkt das Selbstvertrauen unserer Schülerinnen und Schüler“, sagt Schulleiter Felix Bertenrath.
Und genau das spiegelt sich in den Geschichten wider. Alle sind mit neuen Eindrücken zurückgekommen und ein Stück erwachsener als zuvor.
