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AusstellungKünstlerische Blicke auf Burscheid

Fotografen der Folkwang-Universität der Künste haben sich der Stadt genähert. Die Ergebnisse sind erstaunlich und ab Samstag, 7. November, im Kulturforum zu sehen.

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Joanna Kischka mit Fotos von Dorian Beck

Joanna Kischka, Leiterin des Kulturforums Burscheid, vor der Landwirtschaftsserie von Dorian Beck

„Was sehen wir, wenn wir auf einen Ort schauen, den wir zu kennen glauben?“ Die Frage steht über der Schau „Burscheid. Vor Ort“, die am Samstag, 7. November, zwischen 16 und 20 Uhr eröffnet wird. Was im Kulturforum zu sehen sein wird, erstaunt. Und fasziniert. Und zeigt, was ein frischer, unvoreingenommener künstlerischer Blick in Burscheid entdeckt. 14 Studierende der Folkwang-Universität der Künste in Essen haben sich gründlich in der Stadt umgesehen.

Für Joanna Kischka, die Leiterin des Kulturforums an der Höhestraße, ist das Format Ausstellung eine Premiere in dem Neubau neben dem Rathaus. Erstmals kommen die Stellwände zum Einsatz, die wie so viele Teile der städtischen Infrastruktur aus einem Fonds bezahlt wurden. Absolut notwendig waren sie: „Wir dürfen nichts einfach an die Wände hängen“, sagt Kischka. Ganz abgesehen davon, dass die luftige Architektur des Hauses gar nicht viele Wände zur Verfügung stellt.

Kleinere Formate konnten dennoch an den Wänden platziert werden. Zum Beispiel die Schwarzweiß-Fotos, die Juri Ewel rund um das Götzewerk gemacht hat. Die Serie beginnt mit wildem Grün an den Firmenparkplätzen, der Künstler nähert sich dem Werk aus verschiedenen Perspektiven, zeigt zum Beispiel eine umwucherte Garage, Felder, schließlich Vorgärten. Manches wirkt auf den ersten Blick trist, aber auch durchaus geheimnis- und reizvoll.

Fotos von Juri Ewel

Juri Ewel hat das Umfeld des Götzewerks, heute Tenneco, fotografisch erforscht.

Dorian Beck hat das Thema Landwirtschaft bearbeitet. Er zeigt großformatig bäuerliches Gerät und zwei Personen. Das sieht alltäglich aus – ist es auch, und trotzdem fasziniert die Darstellung. Nike van Son hat etwas Erstaunliches geschafft in diesem Hitzesommer: Sie hat Burscheid im Platzregen fotografiert. Die Anregung dazu sei von Sabine Wurmbach gekommen, die ja nicht nur bei den Grünen ist, sondern auch sehr aktiv im Burscheider Geschichtsverein, berichtet Kischka. Denn Burscheid sei eine Stadt mit überdurchschnittlichem Niederschlag. Auch die Managerin des Kulturforums ist fasziniert. Die Fotografin „muss ständig den Regenradar im Auge gehabt haben“.

Quang Duc Tran hat Halteverbotsschilder zu seinem Thema gemacht. Gegenstände also, die man oft nicht wahrnimmt – es sei denn, man sucht gerade einen Parkplatz. Manche Stellen, an denen die Schilder stehen, kennt man. Anderswo reizt das Rätselraten.

Szenen aus dem Burscheider Rathaus

Bekanntes und Unbekanntes hat auch Urs Meyer abgebildet, der das Burscheider Rathaus zu seinem Objekt gemacht hat. Der Sitzungssaal im Obergeschoss, das Besprechungszimmer des Bürgermeisters und ein Büro der Bauverwaltung mit seinen sehr aufgeräumten Regalen bieten Motive für großformatige, technisch beeindruckende Fotos. Kaum ein Besucher aber wird je den Keller gesehen haben, in dem ein Gemälde provisorisch abgestellt ist.

Einen völlig anderen Eindruck als die scharfen und klaren Bilder von Urs Meyer rufen die Fotos von Flora Rüegg hervor. Sie hat sich den Burscheider Sagenweg vorgenommen: Dunkle, manchmal verwischte Motive erzeugen eine geheimnisvolle Stimmung.

Blockseminar in der „Schützenburg“

Begonnen hat das Fotoprojekt im März, als sich Studierende von Professorin Elisabeth Neudörfl erstmals in Burscheid umschauten, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Richtig los ging es während eines Block-Wochenendes im Mai, als die Foto-Künstlerinnen und ‑Künstler in der „Schützenburg“ einquartiert wurden. Immer wieder hätten sie sich danach in der Stadt umgesehen, berichtet Joanna Kischka.

Das Besondere an „Burscheid. Vor Ort.“ ist natürlich der künstlerische Gegenstand: In der Regel widmen sich Fotografen dem platten Land oder der Großstadt. „Eine Kleinstadt ist kaum einmal Thema“, weiß Kischka. Dabei zeigt die Ausstellung eindrücklich, wie viel so ein Ort zu bieten hat. Unbedingt anschauen.


Samstags und sonntags geöffnet

Die Ausstellung „Burscheid. Vor Ort.“ wird am Samstag, 7. November, um 16 Uhr eröffnet. Die Veranstaltung endet um 20 Uhr.

Eine Woche später, am Samstag, 14. November, beginnt um 15 Uhr eine Führung mit Kuratorin Juliane Herrmann.

Am Sonntag, 22. November, moderiert Professorin Elisabeth Neudörfl von der Folkwang-Universität der Künste ein Gespräch mit den Fotografinnen und Fotografen. Die Finissage läuft von 12 bis 18 Uhr.

Die Schau im Kulturforum Burscheid, Höhestraße 5, ist jeweils samstags und sonntags zwischen 12 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.