Der neue Ortskern von Hilgen ist vermutlich das derzeit am heißesten diskutierte Thema in der Burscheider Politik.
Vor StadtentwicklungsausschussKritik an Lidl-Plänen für Hilgen verstummt nicht

So soll der Neubau von der Kölner Straße aus wirken.
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Der neue Ortskern von Hilgen ist vermutlich das derzeit am heißesten diskutierte Thema in der Burscheider Politik. Am Donnerstag, 3. September, berät der Stadtentwicklungsausschuss erneut über das Vorhaben. Auf der Tagesordnung stehen die Änderung des Flächennutzungsplans für den „Zentralen Versorgungsbereich Hilgen“ und der vorhabenbezogene Bebauungsplan „Kölner Straße/Witzheldener Straße“. Die Ausschussmitglieder sollen den Vorschlägen der Verwaltung folgen, die sie nach öffentlicher Beteiligung erarbeitet hat.
Das Projekt in Kürze: Lidl will im Zentrum von Hilgen einen neuen Discounter bauen, im Obergeschoss sollen Seniorenwohnungen entstehen. Der Komplex soll auf einen Sockel gebaut werden. Daraus würde sozusagen eine neue Ortsmitte entstehen, inklusive Platz mit Brunnen. An der stark befahrenen Kreuzung Kölner Straße/Witzheldener Straße soll ein Kreisverkehr gebaut werden. Die Details dieser Planungen hatten in Teilen der Bevölkerung und der Politik Kritik hervorgerufen. Zu einer Bürgerversammlung im Juli waren etwa 100 Interessierte gekommen.

Rund 100 Interessierte kamen im Juli in die Turnhalle der EMA-Schule. Es gab viel zu besprechen.
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Besorgnis hatten Anwohnerinnen und Anwohner des ehemaligen Thiel-Geländes geäußert. Denn der neue Sockel soll sich recht weit in das Areal schieben. Zuletzt wurde zudem eine Petition ins Leben gerufen, die sich nicht gegen den Lidl an sich, wohl aber gegen städtebauliche Folgen für die Menschen vor Ort richtet: Nachbarinnen und Nachbarn der Rosendelle fürchten zu viel Verkehr, denn die neue Tiefgarage des Sockels soll über die Straße erschlossen werden.
Aus der Bevölkerung kamen während der öffentlichen Auslegung zahlreiche Bedenken. Sie betrafen unter anderem die Einhaltung von Abstandsflächen, den Schutz der Privatsphäre, mögliche Wertverluste von Grundstücken sowie Lärm-, Abgas- und Lichtimmissionen. Kritisiert wurden außerdem der Wegfall des nordöstlichen Weges und der bereits erwähnte zusätzliche Verkehr durch die Tiefgarage im Wohngebiet, geht aus der Vorlage hervor.
Die Stadt schreibt: „Auf Grundlage der Stellungnahmen wurden alternative Planungsmöglichkeiten geprüft und die Planung in Abstimmung mit dem Investor weiterentwickelt.“ Das Parkdeck inklusive der Tiefgarage sei von angrenzenden Grundstücken und von der Straße „An der Rosendelle“ abgerückt, man habe Dach- und Fassadenbegrünung sowie Pflanzungen einbezogen, auf der Tiefgarage sollen Sichtschutzelemente errichtet werden. Zudem habe man Gutachten für Kaltluft, Artenschutz, Landschaftspflege, Lärm und Entwässerung erstellt. Das hatte man den Bürgerinnen und Bürgern in einer Informationsveranstaltung in der Ernst-Moritz-Arndt-Schule am 17. Juli vorgestellt.
Kritik von den Burscheider Grünen
Sollte der Ausschuss der Beschlussempfehlung folgen, sollen die überarbeiteten Unterlagen im Herbst nochmals ausgelegt werden. „Im Rahmen der Veröffentlichung wird den Behörden und Trägern öffentlicher Belange sowie der Öffentlichkeit erneut die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben.“
Schon vor der Sitzung positionieren sich die Grünen. Fraktionsmitglied Ute Hentschel sagt: „Für uns geht es nicht um das Ob eines Lidl-Marktes, sondern um das Wie. Eine neue Mitte sollte nicht von großen Parkplatzflächen geprägt sein, sondern von Aufenthaltsqualität, Grün und sicheren Wegen.“ Ein Problem haben die Grünen mit den 85 geplanten oberirdischen Supermarktparkplätzen an der Witzheldener Straße. Stellplätze sollen flächensparend untergebracht werden, das dadurch gewonnene Areal könne begrünt werden. Ohnehin sehe man beim Klimaschutz noch Verbesserungsbedarf – trotz Dach- und Fassadenbegrünung.
In eine ähnliche Richtung zielt der Appell von Manfred Lindau vom BUND, den er an die CDU gerichtet hat: „Es mag Lidl-Standard sein, jegliches Bestandsgrün zu beseitigen, einen kaum beschatteten Parkplatz, Heizfläche und Hitzespeicher, als ‘Ortsmitte‘ anzulegen, die Umwelt- und Lebensqualität der Nachbarschaft zu belasten – aber das kann kein Burscheider Standard sein.“ So dürfte der Lidl nicht gebaut werden.
