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HilgenBurscheids nächster großer Lidl wird heiß diskutiert

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Bürgermeister Dirk Runge, Stadtplanerin Diana Papierz, Nadine Flüchter, Planer Hubertus Zimmermann und Jörg Beensen von Lidl mit dem Moderator Michael Lobeck

Bürgermeister Dirk Runge, Stadtplanerin Diana Papierz, Nadine Flüchter, Planer Hubertus Zimmermann und Jörg Beensen von Lidl erklärten, moderiert von Michael Lobeck, das Projekt in der Hilgener Ortsmitte.

Der Bau soll Hilgen eine neue Ortsmitte geben. Von der Nachbarschaft gibt es sehr viel Kritik auf der Bürgerinformationsveranstaltung.

Die Fronten sind ziemlich verhärtet, aber man spricht miteinander. Seit Monaten wird über den künftigen Lidl in Hilgen diskutiert, teils mit harten Bandagen gearbeitet: Bürgermeister Dirk Runge hat das Projekt schon eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingebracht, die allerdings keinen Erfolg hatte. Es geht um die verschiedenen Stufen bei der Erarbeitung eines Bebauungsplans, auf denen die Betroffenen Stellung nehmen können.

Thomas Pallus, der in der Siedlung auf dem früheren Thielgelände wohnt, sieht sich mit seinen Einwendungen ignoriert. In der Stadtverwaltung räumt man ein, dass es Probleme bei der Zuordnung seiner Stellungnahme gegeben habe, aber das Missverständnis sei ausgeräumt.

Rund 100 interessieren sich

Der Freitagabend signalisierte indes Bereitschaft zum Gespräch: Die Stadtverwaltung hatte zu einer Bürgerinformation eingeladen. Und das Wort führte vor rund 100 Besuchern in der Sporthalle der EMA-Schule weniger Bürgermeister Dirk Runge und auch nicht seine Stadtplanerin Diana Papierz. Die größte Redezeit fiel auf Jörg Beensen und Nadine Flüchter. Beide kommen von Lidl und repräsentieren das Großprojekt in Hilgen.

Eine Bürgerinformation, das erklärte Moderator Michael Lobeck, ist nicht zwingender Bestandteil eines Bebauungsplanverfahrens. „Die Stadt kann das jederzeit machen.“ So eine Veranstaltung sei ein Gesprächsangebot und diene dem Ziel, die Interessen zusammenzuführen.

Perspektive auf die Rückseite des Lidl mit dem Sockel an der Rosendelle

Diese Ansicht zeigt, wie der Komplex an die Siedlung auf dem Thielgelände und die Rosendelle grenzt.

Diese Interessen – das hat sich erwiesen, seit die ersten Entwürfe für den Neubau auf dem Tisch liegen – divergieren sehr. Das liegt vor allem an der Topografie in der Hilgener Ortsmitte und wie die Lidl-Planer sie sich zunutze machen wollen: In das hängige Gelände soll ein Sockel gestellt werden, in dessen rückwärtigen Teil eine Tiefgarage Platz findet. Hauptproblem aus Sicht der Nachbarn, die auf dem früheren Thielgelände wohnen: Das Tor zur Tiefgarage soll auf die Rosendelle münden.

Es wird alles in die Rosendelle gedrückt.
Stefanie Noß, Anwohnerin

Wer diese Tiefgarage nutzt und welche Verkehrsbelastung das mit sich bringt, ist strittig. Und es wirkte nicht gerade beruhigend, als Jörg Beensen von Lidl am Freitagabend enthüllte, dass die Garage auch für die Besucher des Restaurants Blechritter geöffnet werden soll. Der Gastrobetrieb steht an der Kölner Straße; ein Teil seiner heutigen Parkplätze wird wegfallen und von Lidl kompensiert. Die Folge: weiterer Autoverkehr auf der Rosendelle, und das beunruhigt viele in der Siedlung. Denn auf dem früheren Thielgelände wohnen hauptsächlich junge Familien mit Kindern. „Es wird alles in die Rosendelle gedrückt“, fasste Stefanie Noß den Plan zusammen. Das sei gefährlich, denn bisher spielten die Kinder dort einfach auf der Straße.

Tempo 30 oder Spielstraße?

Wegen Problemen mit dem Projektentwickler, die seit Jahren auch vor Gericht ausgefochten werden, sind die Straßen in der Siedlung noch nicht endgültig fertiggestellt. Das eröffnet jetzt die Möglichkeit, noch einmal grundsätzlich nachzudenken. Die Stadtverwaltung will die Anwohner darüber abstimmen lassen, ob es eine Tempo-30-Zone geben soll oder ob die Rosendelle und alle weiteren Verkehrswege zu Spielstraßen werden. Die Spielstraße verlangsamt zwar den Verkehr, „kostet aber auch Parkplätze“, so der Hinweis von Diana Papierz. Das Meinungsbild in der Siedlung scheint aber eindeutig: Noß legte dem Bürgermeister Papiere mit rund 200 Unterschriften auf den Tisch. Praktisch alle wollen, dass es durch den Lidl-Neubau keinen neuen Autoverkehr in der Siedlung gibt.

Übersicht: Lidl in Hilgen

Diese Übersicht zeigt, wie der Komplex an der Ecke Kölner/Witzheldener Straße platziert werden soll. Ein Kreisverkehr wird gebaut. Rechts davon und oberhalb die Siedlung auf dem früheren Thielgelände, von deren Bewohnern es besonders viel Kritik gibt.

Was Lidl in Hilgen plant, soll mehr sein als ein weiterer Discount-Markt. Der Komplex soll dem Ort eine neue Mitte bescheren: einen Platz mit Brunnen, auf dem man sich gern aufhält. Gleichzeitig soll ein Verkehrsproblem in Hilgen gelöst werden. Die überlastete und laute Kreuzung der Kölner mit der Witzheldener Straße wird durch einen Kreisverkehr ersetzt. Das hat zwei Effekte: Der Supermarkt, an den eine Bäckerei mit Café angeschlossen wird und der überdies ein Obergeschoss mit Platz für Seniorenwohnungen bekommt, schiebt sich weit in die Siedlung auf dem Thielgelände hinein. Und: Der Platz wird nur zum Teil von dem Neubau gefasst. An der Witzheldener Straße liegen die oberirdischen Supermarkt-Parkplätze.

85 Stellplätze seien vorgesehen, berichtete Projektleiterin Nadine Flüchter. Es wäre Platz für mehr, wenn nicht eine Ausfahrt zur Witzheldener Straße geplant wäre. Die sei „sinnvoll“, um den Kreisel zu entlasten, erklärte Diana Papierz. Im Publikum gab es eine andere Idee, was man mit diesem Platz anstellen könnte: eine Rampe zur Tiefgarage bauen und so die Erschließung an der Rosendelle vermeiden. „Das funktioniert technisch leider nicht“, lautete die Antwort von Jörg Beensen, der bei Lidl von Leverkusen aus die Expansion im südlichen Rheinland steuert.

Blick in die Sporthalle der Ernst-Moritz-Arndt-Schule bei der Bürgerversammlung zu Lidl in Hilgen

Rund 100 Interessierte kamen am Freitagabend in die Turnhalle der EMA-Schule. Es gab viel zu besprechen.

Aus Sicht des Unternehmens wurde schon erfolgreich an Details des Entwurfs gefeilt. Der bis zu drei Meter hohe Sockel, von dem nur ein Teil für die Tiefgarage genutzt wird, soll „so grün wie möglich“ werden, so Nadine Flüchter. Über die Vor- und Nachteile eines Lärmschutzzauns wird debattiert. Er erhöht das massive Sockelgebilde optisch um weitere zwei Meter. Auch über einen Weg, der seitlich an dem Komplex vorbeiführen soll, wurde und wird debattiert: wie breit, wie viele Büsche? „Da sind wir offen“, so Lidl-Mann Beensen. Drei Meter stehen zur Verfügung.

In der Siedlung auf dem früheren Thielgelände ist man allerdings weniger zufrieden mit den Veränderungen. Die entscheidenden Probleme seien bisher nicht gelöst, wurde in der knapp zweieinhalbstündigen Veranstaltung deutlich. Diana Papierz betonte indes, dass im Planverfahren gerade die „Phase der Überarbeitung“ angelaufen sei. Einwände würden gegeneinander abgewogen – und es gebe ja eine zweite Möglichkeit, sich zu dem Projekt zu äußern: Am 2. September, das ist ein Mittwoch, tagen im Rathaus die Ausschüsse für Stadtentwicklung und Umwelt gemeinsam, um die Offenlage des Bebauungsplans zu beschließen. Danach haben noch einmal alle Betroffenen das Wort. Im Frühjahr 2027 könnte dann ein Satzungsbeschluss vom Stadtrat gemacht werden.

Auf der politischen Ebene wäre das Thema dann zunächst abgeschlossen. „Natürlich bleibt dann noch der Rechtsweg“, so der Hinweis von Moderator Michael Lobeck.