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StadtentwicklungNeuer Lidl in Burscheid besorgt die Nachbarn

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Planskizze des neuen Lidl in Burscheid-Hilgen

Das ist der erste Entwurf des neuen Lidl im Zentrum von Hilgen. Der Discounter plant neben dem eigentlichen Laden eine Bäckerei mit Außengastronomie und Wohnungen. Außerdem soll ein Kreisverkehr mit Dorfplatz entstehen.

Der geplante neue Dorfplatz von Hilgen tangiert die Anrainer auf dem Thiel-Gelände. Der Kontakt zu den Vertretern des Discounters ist abgerissen.

Die Planung schreitet offenbar voran für den neuen Mittelpunkt von Hilgen. Und die Anwohner des künftigen Lidl werden langsam unruhig. Am 26. September, also vor fast einem halben Jahr, habe es ein Treffen mit Nadine Flüchter gegeben, berichtet Stefanie Noß. Auch sie wohnt auf dem früheren Thiel-Gelände und ist von dem geplanten Supermarktkomplex betroffen. Danach sei der Kontakt zu Lidl-Projektentwicklerin Flüchter allerdings abgebrochen. Nur ein Anwohner habe wohl noch einen Draht zu Lidl, berichtete Noß am Freitag.

Was man höre: Lidl plane wohl Änderungen an dem massiven Komplex, der auf einem rund vier Meter hohen Sockel stehen soll. Der wiederum ragt in das deutlich tiefer gelegene Thiel-Gelände hinein. Und das ist für die Nachbarn ein ziemliches Problem. Im ersten Entwurf, den die Anwohner mit einigem Schrecken zur Kenntnis genommen haben, war zudem ein Fußweg verschwunden, der ursprünglich neben dem Komplex zum neuen Dorfplatz führen sollte.

Streitfall Fußweg

Das ist nicht nur ungünstig für Nachbarn, die beim Einkauf auf das Auto verzichten wollen. Es sorgt auch dafür, dass die Gärten der direkten Anrainer nicht mehr an einen Weg mit Bepflanzung grenzen, sondern an einen Betonklotz: Das ist der Sockel für den Supermarkt und den großzügigen Parkplatz. In dem vier Meter hohen Baukörper soll die Tiefgarage untergebracht werden.

Die Nachbarn des künftigen Lidl in Hilgen

So hoch wie die Straßenlaterne soll der Sockel werden, auf dem der Lidl-Supermarkt errichtet wird. Im Untergeschoss soll die Tiefgarage unterkommen, mit Ein- und Ausfahrt auf die Spielstraße. Die Anwohner finden das nicht gut.

Die ist das nächste Problem: Denn die Zufahrt soll über die Rosendelle erfolgen, und die ist ein verkehrsberuhigter Bereich. Welche Änderungen den Lidl-Planern vorschweben, weiß Stefanie Noß nicht. „Details kennen wir nicht“, sagt sie mit Bedauern. Sie habe lediglich gehört, dass der neue Plan bald im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt werden soll. Auch da wären die Betroffenen nur Zaungäste. Allenfalls könnten sie die übliche Fragestunde vor Beginn der Sitzung nutzen.

Es wäre wichtig, dass sich der gesamte Ausschuss hier mal ein Bild macht
Stefanie Noß, Nachbarin des geplanten Lidl

Noß und ihre Nachbarn finden das unglücklich. Wichtig wäre, „dass sich der gesamte Ausschuss hier mal ein Bild macht“, sagt sie. Allein auf der Grundlage von Papieren weitreichende Entscheidungen zu fällen, hält sie in diesem Fall für ganz besonders problematisch.

Und dann sei da ja noch das von Bürgermeister Dirk Runge in Aussicht gestellte Treffen aller Beteiligten. „Wir fragen uns, wann das kommt“, so Noß: Hoffentlich nicht erst dann, wenn die wesentlichen Entscheidungen schon gefallen sind. Aus dem politischen Raum hätten sich bisher einzig die Grünen alarmiert gezeigt, berichtet die Hilgenerin.

Tatsächlich gab es im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss eine Nachfrage von Ute Hentschel zum zentralen Bauprojekt in Hilgen. Dort unterstrich der Bürgermeister seine Neutralität in der Sache: „Ich vertrete nicht die Interessen von Lidl“, so Dirk Runge. Peter Röttger, der den Ausschuss leitet, gab sich ebenfalls neutral: „Wir sind gespannt auf die neuen Pläne von Lidl.“ Da hat der Christdemokrat etwas gemeinsam mit den Betroffenen auf dem Thiel-Gelände.