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VermächtnisDiskussion über die Burscheider Villa Luchtenberg

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Die Villa Luchtenberg

Die Villa Luchtenberg könnte anders genutzt werden. Aber dafür müsste die Stadt sie erst einmal sanieren.

Der bedeutende Bau ist nur zum Teil vermietet und muss restauriert werden.

Die Raumnot und die Bedürfnisse der Volkshochschule in Burscheid haben zu einer Grundsatzdebatte geführt: Wie soll die Stadt ihre Gebäude nutzen? Sie wurde am Dienstagabend im Hauptausschuss fortgesetzt. Dabei stand erneut das Pastor-Löh-Haus im Fokus, aber auch über die Villa Luchtenberg machen sich nicht nur die Politiker Gedanken: Auch Bürgermeister Dirk Runge und der Beigeordnete Marc Baack können sich andere Nutzungen vorstellen.

Das Pastor-Löh-Haus ist nicht nur Hauptquartier der Burscheider Dependance der Volkshochschule Bergisch Land. Dort haben auch die Stadtratsfraktionen ihre Büros. Letzteres könnte sich ändern. Unter den Politikern gibt es eine deutliche Präferenz, den Altbau zu räumen und komplett der VHS zur Verfügung zu stellen. Das Problem: wohin dann mit der Politik?

In dieser Frage richten sich die Blicke auf die Villa Luchtenberg. Sie liegt im Park fast direkt neben dem Rathaus, ist derzeit nur teilweise vermietet „und steht ansonsten leer“, berichtet die Stadtverwaltung in einer Übersicht. Eine Sanierung sei schon länger geplant, sagte Baack im Sitzungssaal des Rathauses. Es zeichnet sich aber ab, dass sehr viel zu tun sei an dem Haus, das im vorigen Juni unter Denkmalschutz gestellt wurde. Deshalb verfolge man den Plan, die Restaurierung der klassizistischen Villa zumindest teilweise aus einem Förderprogramm bezahlen zu lassen, ergänzte Bürgermeister Runge. „Dazu braucht man zunächst ein Konzept für die Nutzung“ – das müsse in eine entsprechende Förderkulisse passen.

Dazu braucht man zunächst ein Konzept für die Nutzung
Bürgermeister Dirk Runge über die Möglichkeit, die Villa mit Landesgeld sanieren zu lassen

Natürlich spreche man darüber mit der Paul-Luchtenberg-Stiftung, ergänzte Baack. Von der gebe es ein Vermächtnis, das zu beachten sei. Ein Verkauf sei jedenfalls ausgeschlossen; „ansonsten sind die Formulierungen etwas vage, legen sie aber nahe, dass mit der Nutzung kulturelle oder soziale Zwecke verfolgt werden sollen“. Ob sich das mit einer Nutzung für die Ratsfraktionen verträgt, müsste man noch klären. Vielleicht wäre die Villa Luchtenberg dann auch besser bei der Volkshochschule aufgehoben, überlegte Ulrike Hanke vom Bündnis für Burscheid. Sabine Wurmbach (Grüne) wollte es gerne etwas konkreter. „Wir sollten ernsthaft prüfen: Wie sind denn die Bedürfnisse der Volkshochschule?“ Das findet auch der Bürgermeister. Dirk Runges Vorschlag: Burscheids VHS-Chef Eric Hausherr in den nächsten Hauptausschuss einladen.

Das ist auf jeden Fall eine konkretere Perspektive als die für die Villa Luchtenberg. Da ist sicher, dass es so schnell nichts werden kann mit einer neuen und dann auch wieder kompletten Nutzung des repräsentativen und für Burscheid so bedeutenden Gebäudes.


Rathaus hat viele Nutzer

Auch über das Rathaus könnte nachgedacht werden. Denn neben der Stadtverwaltung sind dort auch andere Nutzer untergebracht: das Jobcenter, der Bezirksdienst und das Jugendamt des Rheinisch-Bergischen Kreises, eine Anlaufstelle der Belkaw. Im Untergeschoss residiert eine Anwaltskanzlei.

Schilder am Seiteneingang des Burscheider Rathauses

Das Jobcenter, der Bezirksdienst und das Jugendamt des Kreises, die Belkaw und eine Anwaltskanzlei sind Mieter im Burscheider Rathaus.

Aus Sicht der Stadtverwaltung sollte man die institutionellen Untermieter aber nicht vertreiben. Es sei „vorteilhaft, wenn es von diesen Ämtern Zweigstellen in Burscheid gibt“. Wollte man die Anlaufstelle des Energieversorgers Belkaw anders nutzen, müsste dazu „ein hoher finanzieller Aufwand betrieben werden“, steht in einer Übersicht der Verwaltung. Zu den Räumen der Kanzlei heißt es, sie seien „für öffentliche Nutzungen höchstwahrscheinlich zu klein“.

Ob die Verwaltung nicht weniger Büros braucht, wenn sich ihre Bediensteten von eigenen Schreibtischen verabschieden und zu Desk-Sharing übergehen, wurde am Dienstagabend ebenfalls diskutiert. Für noch mehr Home-Office und wechselnde Arbeitsplätze „brauchen Sie einen gewissen Grad der Digitalisierung“, wandte Beigeordneter Marc Baack ein. Der sei in der Stadtverwaltung noch nicht erreicht.