Die Politiker in Bergisch Gladbach müssen neu über die Weißflächen im Flächennutzungsplan von 2019 beraten.
PlanungBergisch Gladbach und die weißen Flecken

Bergisch Gladbach ist eine Stadt mit vielen unterschiedlichen Planungsbereichen.
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Noch vor 150 oder 200 Jahren gab es die Entdecker und Abenteurer, die die weißen Flecken überall auf dem Globus erforschten. Sie zogen los in die entferntesten Winkel des Erdballs, meist mit Schiffen, trotzten Hitze und Stürmen, kämpften gegen die wildesten Tiere. Nicht alle Abenteurer kehrten lebend zurück. Der legendäre Wettlauf zum Südpol zwischen Amundsen und Scott ist in die Geschichtsbücher eingegangen. Das war im Dezember 1911.
Auch in Bergisch Gladbach gibt es weiße Flächen im Stadtgebiet. Gibt es in der Kreisstadt tatsächlich noch unerforschte Flecken? Im Königsforst oder an der Saaler Mühle? Nein, das nicht. Abenteurer haben in Bergisch Gladbach keine Chance mehr, das Stadtgebiet ist bis in den letzten Winkel erforscht. Auch Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) muss mit seinem Ersten Beigeordneten Ragnar Migenda (Grüne) zu keiner Expedition ins Ungewisse aufbrechen.
Zehn Flächen
Es geht in der Kreisstadt um weiße Flächen der anderen Art, um solche, die mit dem Flächennutzungsplan zusammenhängen. Zehn Flächen in diesem Plan sind weiß geblieben, und weiß bedeutet in der Sprache der Planer: „ungelöst“
Als nach heftigsten politischen Debatten der Stadtrat im Jahr Herbst 2019 mehrheitlich dem Planwerk zustimmte, blieben acht dieser Flächen wegen Verstößen gegen Ziele der „Raumplanung“ außen vor, zwei wegen Konflikten mit dem Naturschutz. Raumplanung: Es geht dabei um Bereiche außerhalb der Siedlungen, die auch für Wohnbebauung genutzt werden sollten.
Die Bezirksregierung bremste diese Pläne aus. Im umfänglichen Flächennutzungsplan blieben diese Flächen weiß – sie sind weder Baugebiet noch Gewerbegebiet oder Wald. Planerisch handelt es sich um nicht genehmigte Flächen.
Beschlüsse in 2021 und 2022
In den Jahren 2021 und 2022 folgten in Gladbacher Politik politische Beschlüsse zum übergeordneten Regionalplan: Die Weißflächen sollten nicht als Wohn- oder Gewerbeflächen weiterverfolgt werden. Im Flächennutzungsplan blieb die Farbe weiß erhalten. Diese weißen Flecken kommen jetzt wieder auf die politische Agenda. Die Bezirksregierung hat der Kommune den Auftrag gegeben, sieben Jahre nach Inkrafttreten des Flächennutzungsplans für Klarheit zu sorgen: Die weißen Flächen dürfen nicht weiß bleiben.
Die Stadt, und damit die Politiker, muss entscheiden, ob Wald, Wiese oder Weide passend sind. Für jede Parzelle liegen mittlerweile umfangreiche Ausarbeitungen vor, die Angaben orientieren sich an den Entscheidungen zum Regionalrat. Ist dort eine Fläche für die Landwirtschaft zu finden, könnte diese auch an der entsprechenden weiße Stelle Bedeutung bekommen.
Nächste Debatten
Einen Wiedereinstieg in den Wohnungsbau regt die Verwaltung jedenfalls nicht an. Was nicht heißt, dass Teile der Politik nicht doch in diese Richtung marschieren möchten. Die Wohnungsnot hat seit 2019 nämlich deutlich zugenommen. Eigentlich hatte der Planungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit den Beratungen starten wollen, den Betrachter sah schon die nächsten Debatten um die Zukunft der Stadt vor seinem geistigen Auge.
Kurz vor knapp meldete der Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtrat, Dr. Michael Metten, noch Klärungsbedarf interner Art an. Statt einer Debatte gab es eine Vertagung, das ist politischer Konsens, wenn dies eine Fraktion beantragt. Der Prozess könnte jetzt im kommenden Sitzungsturnus starten, noch vor den Sommerferien im Juli jedenfalls.
Es herrscht Funkstille
Ob sich die Parteien dann auf eine gemeinsame Linie einigen werden, ist angesichts der aktuellen Gemengelage und der strittigen Abstimmung zum 2026er-Haushalt unklar. Hier hatten sich CDU mit SPD und Grünen angenähert. Kurz vor einer Vereinbarung scheiterten die Gespräche dann doch, die CDU setzte sich später mit ihren Einsparideen im Stadtrat knapp durch (mit Bürgerpartei, AfD und einem Einzelratsmitglied). Seitdem scheint Funkstille zwischen den großen Parteien zu herrschen.
In den Debatten zur Aufstellung des aktuellen Flächennutzungsplan schenkten sich Befürworter und Gegner nichts. Es ging im Kern um Wohnbauflächen in den Außenbezirken, in Nußbaum oder in Hebborn beispielsweise. Das Gebiet an der Peterskaule in Nußbaum oder mögliche Bauflächen auf der grünen Wiese am Ortsausgang in Hebborn oder der Blick nach Köln durch das„Kölner Fenster“: Das waren Aufregerthemen in der Vergangenheit zwischen Politik und Bürgerinitiativen.
Mit der Freien Wählergemeinschaft entstand aus der Diskussion heraus ein Verein, der bei der Kommunalwahl 2020 erstmals antrat und in den Stadtrat einziehen konnte (und 2025 erneut). Das große Ganze steht erstmal nicht an zur neuen Debatte. Der aktuelle Flächennutzungsplan recht noch bis ins Jahr 2035. Nach der nächsten Kommunalwahl im Herbst 2030 könnte das Thema heißer werden,
