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Vortrag auf Schloss HomburgWie Oberberg zum Heimatmuseum kam

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Eine Ansicht der Schlossanlage.

Die oberbergische Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins beschloss 1925, Räumlichkeiten auf Schloss Homburg zu pachten und dort ein Museum zu gründen.

Auf Schloss Homburg in Nümbrecht sprach der Leipziger Museumswissenschaftler Markus Walz über die Geschichte des Hauses.

„Das ist ein schönes Geburtstagsgeschenk“, freute sich Steffen Müller, Museumschef und Kulturamtsleiter des Oberbergischen Kreises, am Donnerstagabend in der Orangerie auf Schloss Homburg. Die oberbergische Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins hatte dem Museum zu dessen 100. Geburtstag den Vortrag des Museumswissenschaftlers Professor Markus Walz aus Leipzig über die Geschichte des Museums geschenkt. Müller kündigte in seiner Begrüßung der rund 50 Gäste an, dass in der im Sommer startenden Jubiläumsausstellung auch eine Rekonstruktion des ersten Museumsraums von 1926 zu sehen sein wird.

„Das Kind des bergischen Geschichtsvereins“

„Die Hauptarbeit des Geschichtsvereins ist das Museum auf Schloss Homburg“, zitierte Vorsitzender Marcus Dräger einen seiner Vorgänger. Vor zwei Jahren habe der Verein selbst seinen 100. Geburtstag auf Schloss Homburg gefeiert und an der Beziehung zu dem historischen Gemäuer habe sich nichts geändert: „Das Schloss ist das Kind des bergischen Geschichtsvereins.“

Markus Walz beschrieb in seinem Vortrag nicht nur die Geschichte des Nümbrechter Museums, sondern blickte auf die museale Entwicklung ab dem 19. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen zurück, das nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Rheinprovinz, der Provinz Westfalen und dem Land Lippe hervorgegangen ist. Damals habe es – abgesehen von den Großstädten – praktisch noch keine Museen gegeben. Vereinzelt seien einige nach dem ersten Weltkrieg – darunter auch Schloss Homburg – entstanden, die meisten jedoch erst nach 1945 und besonders ab den 60er Jahren.

Nümbrechter Volksschullehrer legte den Grundstein

Als bemerkenswerten „Museums-Vorboten“ bezeichnete der Professor den Nümbrechter Volksschullehrer Hermann Conrad (1889-1959). Dieser hatte ein individuelles Konzept für den Heimatunterricht für seine 40 Jahre währende Tätigkeit in der Volksschule Driesch (heute Bierenbachtal) entwickelt. Er zitierte: „Die Schulkinder lernen das Alte ehren und liebgewinnen, sie sollen aber auch erkennen, dass es keinen Stillstand gibt, damit sie sich nicht starrköpfig gegen das Neue wehren.“ Bei seinem „imaginativen Anschauungsunterricht“ ließ er anhand historischer Stücke in der Fantasie der Kinder die frühere Welt im Bergischen wiederauferstehen. Er motivierte sie, zu sammeln und herbeizuschleppen, was an Büchern und altem Hausrat auf Speichern und in Rumpelkammern liegt.“ Dieses Material wurde in einem leerstehenden Raum der Schule zusammengestellt und bildete die Grundlage für das Heimatmuseum: „Das ist eine Arbeit nicht nur für das heutige Geschlecht, das kommende wird uns noch dankbarer sein.“

Professor Markus Walz sprach im Schloss.

Professor Markus Walz sprach im Schloss.

Auf Grundlage dieser Sammlung und einer weiteren des Apothekers Gissinger aus Ründeroth beschloss die oberbergische Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins 1925, Räumlichkeiten auf Schloss Homburg zu pachten und dort ein Museum zu gründen. Dabei gab es einen weiteren Sammlungsaufruf an die Bevölkerung, allerdings nicht für beliebige Stücke. „So etwas habe ich sonst noch nirgendwo gesehen“, zeigte sich der Experte verwundert. Denn Sachverständige sollten die gemeldeten Exponate an Ort und Stelle besichtigen und dann die Auswahl treffen: „Das ist klassifikatorisches Sammeln anstelle eines Sammelsuriums.“

In der Nazi-Zeit prägte auch völkisches Gedankengut die Ausstellung

Markus Walz lobte die ganzheitliche Methode, „lebenswahre Räume“ zu schaffen und beschrieb die Übernahme des Heimatmuseums 1935 durch den Oberbergischen Kreis. Zudem vermittelte er, wie in der Nazi-Zeit auch völkisches Gedankengut die Ausstellung prägte. Nach einer Schließung während des Krieges wurde das Museum an Ostern 1946 wiedereröffnet und bot ab da ein breiteres Programm mit kulturellen Veranstaltungen.

Am Ende lud Steffen Müller zum Besuch der Jubiläumsausstellung ab dem 17. Juni ein. Der 100. Geburtstag des Museums wird am 13. September gefeiert.