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InfrastrukturStreit um Trinkwasserbrunnen und Toiletten in Burscheid geht weiter

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Der Marktplatz in Burscheid

Am ehesten könnte es eine öffentliche Toilette auf dem Marktplatz geben. Die Toilette der Stadtbücherei (rechts) von außen zugänglich zu machen, wäre teuer. Im Rathaus hält man das für keine gute Idee.

Die SPD will beides – und die Stadtverwaltung hält nach Berechnungen beides für zu teuer.

Die SPD-Fraktion hat nicht locker gelassen, und die Stadtverwaltung hat weitere Erkundigungen eingezogen. Die Frage, ob Burscheid öffentliche Toiletten und  Trinkwasserbrunnen braucht, wird aus dem Rathaus klar beantwortet: nein.

Daran ändert auch nichts, dass Trinkwasserbrunnen in ein Städtebau-Förderungsprogramm passen könnten. Daher müsste die Stadt nur einen Teil der Investition selbst tragen. Die taxiert die Stadtverwaltung auf rund 25.000 Euro für einen Brunnen – die SPD will vier davon: drei in der Innenstadt und einen in Hilgen in der Nähe des Raiffeisenplatzes.

Automatische Spülung reicht nicht

In einem zweiten Anlauf hatten die Sozialdemokraten im Juli ihre Forderung präzisiert. Mit Blick auf Wartungs- und Reinigungskosten hieß es, dass eine automatische Spülung den Unterhalt von öffentlichen Toiletten billiger machen kann. Das, so schreibt die Stadtverwaltung, sei zwar grundsätzlich möglich. Aber wenn die automatische Spülung ausfällt, könne „eine Gefährdung der Bürgerinnen und Bürger nicht ausgeschlossen werden“. Nach Ansicht des Gesundheitsamtes müsse die Wasserqualität permanent überprüft werden, um den Anforderungen der Trinkwasserverordnung zu genügen

Die laufenden Ausgaben für Wasserversorgung, Wartung, Reinigung, die regelmäßige Überprüfung der Wasserqualität sowie die saisonalen Auf- und Abbauarbeiten habe der Versorger Belkaw auf 3000 bis 10.000 Euro pro Brunnen und Jahr geschätzt. Die SPD war von 5000 Euro ausgegangen. Schäden durch Vandalismus oder Zweckentfremdung seien da natürlich noch nicht berücksichtigt. Dass sich ein Sponsor oder Pate für die Trinkwasserbrunnen findet, „erscheint darüber hinaus fraglich“, so die Ansage aus dem Rathaus.

Hinzu komme: Als Mitte Dezember mit Burscheiderinnen und Burscheidern über die Umbaupläne für die Altstadt gesprochen wurde, habe niemand von einem Trinkwasserbrunnen gesprochen, bilanziert die Stadtverwaltung. Anders gesagt: Die SPD treffe den Nerv der Bürger nicht.

Zu Toiletten gibt es unterschiedliche Meinungen

Bei der Frage nach einer öffentlichen Toilette sieht das zumindest in der Innenstadt etwas anders aus. Das Thema sei zumindest „benannt“ worden, berichtet die Stadtverwaltung. Allerdings habe es zwei Meinungen gegeben: Manche fänden, dass vor allem die nahe Toilette der Stadtbücherei reicht. Andere könnten sich andere Lösungen vorstellen.

Der Raiffeisenplatz in Hilgen mit der Mobilststation

Der Raiffeisenplatz in Hilgen wäre auch ein guter Platz für eine öffentliche Toilette. Die Stadtverwaltung ist davon nicht überzeugt.

Im Zuge der Diskussion wurden die Toiletten im Rathaus und der Stadtbücherei von außen sichtbar beschildert. Auch die Hinweise an der Balkantrasse wurden ergänzt, so dass auch Ortsfremde wissen, dass es sie gibt. Dazu kommt ein Hinweis auf der Burscheider Internetseite. Im Rathaus hält man das für ausreichend. Montags, dienstags und donnerstags könne man von 8.15 Uhr bis 18 Uhr in der Bücherei und im Rathaus zur Toilette. Mittwochs geht das von 8 .15 bis 16 Uhr, freitags von 8.15 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr – dann in der Stadtbücherei. Das Wochenende ist schon eher ein Problem: Am ersten und dritten Samstag im Monat ist die Toilette von 10 bis 12 Uhr zugänglich. Und sonntags gibt es in der Burscheider Innenstadt keine Möglichkeit.

Umbau in der Stadtbücherei könnte teuer werden

Was den zuletzt diskutierten Umbau der Toilette in der Stadtbücherei angeht, die man theoretisch auch von außen benutzen kann, gibt es nun Zahlen. Die im Rathaus hat man Kosten zwischen 86.000 und 103.000 Euro ermittelt. Für die zusätzliche Reinigung am Wochenende kämen eine Notrufanlage und Versicherungen 6360 Euro im Jahr dazu.

Ein freistehendes, barrierefreies WC wäre für 147.000 bis 207.000 Euro zu haben. Dazu kommen 11.300 Euro im Jahr für Wartung, Reinigung und Verbrauchsmaterialien. In Burscheids Innenstadt käme eine Co-Finanzierung des Landes in Frage, mit maximal 60 Prozent. Für den Bau einer Toilette am Raiffeisenplatz in Hilgen müsste noch ein Fördertopf gefunden werden. Angesichts dieser finanziellen Rahmenbedingungen bleibt man im Rathaus skeptisch. 

Im Stadtentwicklungsausschuss verursachten die ausführlichen Darlegungen am Dienstagabend eine Denkpause. Jörg Berwe (SPD) möchte die Sache noch einmal in der Fraktion beraten. Danach wollen sich die Sozialdemokraten noch einmal sortieren zu der Herzensangelegenheit.


Keine Plastiklösung

Ein Provisorium in Form einer transportablen Chemo-Toilette wird es am Raiffeisenplatz in Hilgen nicht geben. Ein entsprechender Antrag der AfD fand am Dienstagabend keinen Anklang. Fraktionschef Markus Petzold sieht das transportable Klo als Zwischenlösung und fragte angesichts des aus seiner Sicht erkennbaren Mangels am Hilgener Busbahnhof: „Welches Übel ist kleiner?“

Aber weder bei SPD noch bei der CDU gab es Beifall: Sozialdemokrat Jörg Berwe verwies auf die mangelnde Standfestigkeit solcher Toiletten. Und Christdemokrat Hertmut Schepanski fasste zusammen: „Alles spricht gegen die Plastik-Lösung.“ (tk)