Burscheider Jugendlichen bekamen am Dienstagabend die Chance, Kommunalpolitikern Fragen zu stellen.
Polit-DinnerIn Burscheid werden Schultoiletten bei Lasagne diskutiert

Bei einem Stück Lasagne konnten Schüler sich mit Kommunalpolitikern austauschen.
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Beim sechsten „PolitDinner“ im Jugendzentrum Megafon trafen sich Jugendliche und Kommunalpolitiker, um sich in einem entspannten Rahmen über aktuelle Themen und Sorgen – sowohl auf Burscheid, als auch auf das Weltgeschehen bezogen – auszutauschen. „Uns ist wichtig, dass die Jugendlichen eine Idee davon bekommen, was Politik ist, und auch ein Verständnis für die Komplexität der Themen erlangen können. Es ist nun mal so, dass es für die meisten Probleme keine einfachen Lösungen gibt“, sagt Einrichtungsleitung des Jugendzentrums, Marc Munz.
Vertreter von CDU, BfB, SPD, Grüne, AfD und FDP, also den sechs Parteien, die im letzten Jahr bei den Kommunalwahlen in den Stadtrat gewählt wurden, kamen am Dienstagabend ins Jugendzentrum, um mit den Schülern zu diskutieren und ihre Fragen zu beantworten. An großen Tischen sollten sich immer einige Politiker verschiedener Parteien zusammen mit mehreren Schülern zusammensetzen.
Dystopisches Gedankenspiel
Außerdem nahmen zwei Lehrer der Johannes-Löh-Gesamtschule sowie drei Mitarbeiterinnen von Pro Familia am „Polit-Dinner“ teil. „Wir laden zu den Polit-Dinnern auch immer eine Organisation ein, die wir für gesellschaftlich relevant halten“, erklärt Marc Munz. Das Team des Jugendzentrums servierte vegane und klassische Lasagne und Getränke. Zum Nachtisch gab es verschiedene Formen von Tiramisu.
Welt mit nur einer Partei
Zum Einstieg lasen vier Schülerinnen eine fiktive Geschichte vor, die im Jahr 2427 spielte. In diesem Szenario lebten die Menschen in einer Welt, in der jeder Bürger nur von der Partei regiert wurde, die er selbst gewählt hat. Gerichtliche Entscheidungen traf die Künstliche Intelligenz. Dieses Gedankenexperiment der Zukunft sollte als Gesprächsstarter die Teilnehmenden dazu bringen, sich über ihre Vorstellungen einer funktionierenden Demokratie und einer wünschenswerten Zukunft auszutauschen.

In einem Sitzkreis kamen alle Teilnehmer zusammen, um darüber zu sprechen, was sich seit den Kommunalwahlen verändert hat.
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„Ich wünsche mir von der Politik, dass sie mehr Aufwand betreiben, uns Jugendliche einzubeziehen. Ich habe das Gefühl, dass die Welt zum Chaos wird. Wir sind die nächste Generation und wir möchten nicht die Splitter der Generation vor uns aufheben“, sagt Oumnia, eine Schülerin der Johannes-Löh-Gesamtschule. Sie hat nun schon zum dritten Mal bei den Vorbereitungen im Jugendzentrum mitgeholfen und sich die verschiedenen Parteiprogramme angeschaut, um passende Fragen stellen zu können.
Offene Gesprächsrunde im Sitzkreis
Die 18-jährige Maria ist Schülersprecherin der Johannes-Löh-Gesamtschule und nimmt zum ersten Mal beim „Polit-Dinner“ teil. „Ich finde es sehr interessant, Politik mal näher kennenzulernen. Ein Thema, das mir am Herzen liegt ist, dass Kinder von Akademikerkindern es leichter haben während der Schulzeit, aber auch mit Bewerbungen nach der Schule, da sie mehr Unterstützung erhalten. Meine Eltern können mir weniger helfen, bei diesen Themen, da sie selbst aus Russland und Kasachstan kommen und kein Abitur haben. Das finde ich nicht fair und wünsche mir deshalb ein besseres Unterstützungsangebot für Jugendliche wie mich“, sagt sie.
Im Anschluss an die Diskussion über das hypothetische Zukunftszenario folgte ein großer Sitzkreis, bei dem alle Teilnehmenden zusammenkamen, um darüber zu sprechen, was sich seit den Kommunalwahlen vor einem Jahr in Burscheid verändert hat. Dafür sollten alle Parteivertreter erst einmal vorstellen, was ihre priorisierten Ziele im Wahlkampf waren und wie weit sie mit der Durchsetzung gekommen sind. Auf einen gemeinsamen Erfolg konnten die Parteien sich einigen: Sie passten die bestehenden Ganztagsstrukturen an Burscheids Grundschulen an den bundesweit seit 2026 schrittweise geltenden gesetzlichen Rechtsanspruch an. Ansonsten sprachen die Parteivertreter eher von Zielen und Hindernissen als von Erfolgen.
Schülersprecherin der Johannes-Löh-Gesamtschule, Maria, fragte die Politiker nach einer Modernisierung ihrer Schule. Aktuell wird an der Johannes-Löh-Gesamtschule ein Teil des Schulhofbodens neu versiegelt. Da momentan nicht genug Geld da ist, um Spielgeräte einzubauen, wünschen die Schüler sich, dass zumindest schon einmal die nötigen Vorrichtungen in den Boden eingelassen werden, sodass bei neuen finanziellen Mitteln leicht Geräte eingebaut werden können.
Diskussion über Schultoiletten
Über das Thema Schultoiletten entbrannte eine Diskussion. Auf den Vorwurf, dass die verdreckten, beschädigten und häufig überschwemmten Toiletten dringend saniert werden müssten, erwiderte Bürgermeister Dirk Runge, dass die Schülerschaft daran auch Mitschuld trage, da die Toiletten mehrmals modernisiert wurden und kurze Zeit später wieder wie zuvor aussahen. Da mischte sich Inka Wiesen-Schumacher, Lehrerin der Gesamtschule, ein, die sagte, dass in den elf Jahren, in denen sie an der Schule unterrichtete, die Toiletten nie so weit erneuert wurden, dass sie in einem angemessenen Zustand waren. Auch die Mutter einer Schülerin meldete sich zu Wort und sagte, dass ihr Kind teilweise den ganzen Schultag nicht auf Toilette geht, um diese nicht benutzen zu müssen.
Neben lokalen Themen teilen die Schüler auch Sorgen über das Weltgeschehen und fragen die Politiker nach ihrer Meinung zu Themen außerhalb der kommunalen Ebene. So fragt die 15-jährige Sarah, wieso Deutschland an die Ukraine Waffen liefere, wenn man doch eigentlich nichts mit dem Krieg zu tun haben möchte. Maria teilt als Deutsche mit russischen Wurzeln ihre Erfahrungen, wie sie sich teilweise für den Krieg mitverantwortlich gemacht fühlt, obwohl sie doch nichts damit zu tun hat. „Manchmal fand ich, haben die Politiker an unseren Fragen vorbeigeredet, aber es waren auch gute Antworten dabei. Ich freue mich, dass alle so zahlreich erschienen sind und offen waren, unsere kritischen Fragen zu beantworten und ins Gespräch zu kommen“, sagt Sarah.

