Die zugepflasterte StadtMehr als ein Drittel des Stadtgebietes Leverkusen ist bebaut

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Eines der neueren Baugebiete Leverkusens ist der Leimbacher Berg. Diese Treppe führt zur August-Macke-Straße.

Eines der neueren Baugebiete Leverkusens ist der Leimbacher Berg. Diese Treppe führt zur August-Macke-Straße.

Leverkusen – Nehmen wir mal an, alles geht so weiter, wie bisher und denken wir mal in Epochen. Dann wird es nicht mehr lange dauern, bis der letzte Quadratmeter Leverkusens unter Asphalt, Beton oder einem Gebäude verschwinden wird. Denn Boden ist eine begrenzte Ressource, an der besonders anschaulich wird, dass es auf ewig nicht so weitergehen kann, wie bisher.

Wenn wir mit dem Zupflastern, Bebauen, Verdichten und Verseuchen des Leverkusener Bodens so weitermachen, wie in den vergangenen Jahren, dann würde – rein rechnerisch – dieser letzte Quadratmeter des Leverkusener Stadtgebiets zwischen den Jahren 2340 und 2680 versiegelt.

Das hört sich an, als sei das noch lange hin, aber es ist nur achtmal die menschliche Lebenserwartung. Die große Ungenauigkeit bei der Berechnung kommt daher, dass die Kalkulation ein mehr oder weniger genaues Spiel mit Zahlen ist. Da fließen aktuelle und ältere Werten ein.

Zwei Arten der Versiegelung

In Wahrheit kann es natürlich nicht zur kompletten Versiegelung kommen, denn schon in einer zu fast 100 Prozent versiegelten Welt kann und will sicher niemand leben, geschweige denn, dass sich eine Gesellschaft noch ernähren könnte. Dieser ungefähren Berechnung liegen allerdings ein paar sehr genaue Zahlen zugrunde, die uns die Technischen Betriebe Leverkusen (TBL) auf Anfrage zur Verfügung gestellt haben.

Die Verwaltung kennt grundsätzlich zwei Arten versiegelter Fläche: Die, von der das Regenwasser ins Kanalnetz läuft, und die, deren Niederschlagswasser im Boden versickern kann. Zur zweiten Sorte kann ein Gartenweg gehören oder auch eine kleine Straße ohne Gullys, von der das Wasser links und rechts abläuft. Ebenso sind verdichtete Schotterplätze, wie die Bierbörsenwiese oder die verschlossene Bayer-Altlast versiegelte Flächen ohne Anschlüsse ans Kanalnetz.

Auch Dächer oder Supermarktparkplätze, deren Regenabflüsse in Verrieselungsgruben enden, gehören in diese Kategorie. Obwohl beide Flächenarten gleichermaßen versiegelte Erde sind, liegen genaue Zahlen nur über die Gelände und Dächer mit Kanalanschlüssen vor. Denn nur die kosten Gebühren, derzeit 1,08 Euro je Quadratmeter, die anderen sind nach wie vor gebührenfrei versiegelt.

Unter Beton und Asphalt

Sehr viel größer als die gebührenrelevante ist aber die tatsächlich versiegelte Fläche. Sie ist sicher mehr als doppelt so groß. Nur ein einziges Mal in der Geschichte der Stadt maßen die TBL die tatsächliche versiegelte Oberfläche: 2009 ließ man sehr exakte Luftbilder anfertigen.

Die Analyse ergab: Im Stadtgebiet (gesamt 78,87 Millionen Quadratmeter) waren 27,08 Millionen Quadratmeter versiegelt; die Autobahnen (720000 Quadratmeter) inklusive. Mehr als ein Drittel des Stadtgebiets lagen damals also schon unter Bauten, Beton, Straßen und Pflaster.

Etwas weniger als die Hälfte von diesem Drittel Stadtfläche entwässert ins Kanalnetz: 2009 ungefähr zwölf Millionen Quadratmeter – geschätzt, denn erst seit 2011 gibt es genaue Zahlen über diese abwasser-relevante Versiegelung.

Die Zahlen sind aufschlussreich: Bis 2017 verschwanden in Leverkusen in nur sechs Jahren 64 Fußballfelder Boden unter Beton, Häusern und Asphalt.

Wohlgemerkt: Das sind nur Flächen, für die Abwassergebühren zu zahlen sind. Da inzwischen wegen der Gebühren sogar Supermarktparkplätze das Regenwasser in Sickergruben verrieseln lassen, liegt die tatsächlich versiegelte Fläche sehr weit darüber. Die weit überwiegende Fläche ließen übrigens Privatleute oder Firmen versiegeln. Straßenbau und öffentliche Gebäude fielen nicht so sehr ins Gewicht.

Landesweit sieht es nicht viel anders aus. Laut NRW-Umweltministerium nahm die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Nordrhein-Westfalen in den Jahren von 1996 bis 2016 um 1256 Quadratkilometer ab. Da würde die Stadt Leverkusen von Hitdorf bis Gronenborn, von Bergisch Neukirchen bis zum Kurtekotten 16 Mal hineinpassen.

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