Auf 50 Quadratmetern schafft Jaqueline Blum in Rheindorf eine erstaunliche Vielfalt. Ihr Garten hat ihr den Weg in den Klimaaktivismus gewiesen.
50 Quadratmeter für die ArtenvielfaltLeverkusenerin verwandelt ihren Garten in ein Naturparadies

Jaqueline Blum in ihrem Naturgarten in Rheindorf. Die Trauben erntet sie zusammen mit ihrem Kind.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Jaqueline Blum weiß beruflich, wie man Ordnung schafft. Die gelernte Bürokauffrau arbeitet heute selbstständig als Beraterin und Ordnungscoach. In ihrem eigenen Garten allerdings muss nicht alles gerade und aufgeräumt sein. Geschwungene Formen führen den Blick durch die Fläche. Kleine Unebenheiten bleiben im Boden. Wo andere eine möglichst ebene Rasenfläche anlegen würden, lässt Jaqueline Blum bewusst Vertiefungen stehen. Wenn es regnet, kann sich dort Wasser sammeln, statt sofort abzufließen. „Ich finde, der Garten wirkt größer durch die Blickpunkte“, sagt sie. Dabei geht es ihr nicht nur um die Optik. Ihr Garten in Rheindorf umfasst gerade einmal 50 Quadratmeter. „Mein Ziel ist es, viele unterschiedliche Lebensräume zu schaffen.“

„Mein Ziel ist es, viele unterschiedliche Lebensräume zu schaffen“, sagt Jaqueline Blum.
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Ein zu Hause für Käfer, Bienen und Co
In einem winzigen Teich leben Molche. Ein Totholzstapel bietet Tieren Unterschlupf, und auch den Staudenschnitt räumt Jaqueline Blum nicht einfach weg. Er darf liegen bleiben und wird so selbst zum Teil des Gartens. Bienen, Spinnen, Mäuse und viele andere Tiere finden hier Nahrung und Verstecke. Pflanzen stehen in sonnigen und schattigen Bereichen. Durch die unterschiedlichen Schattenverhältnisse entstehen auch verschiedene Feuchtigkeitsbedingungen. Jaqueline Blum fragt sich deshalb bei der Gestaltung nicht, welche Pflanzen ihr gefallen. Sie schaut auf den Boden, die Sonne und die Feuchtigkeit: Was ist bereits da? Was passt an diesen Standort? Welche Lebensräume fehlen noch? „Ich wollte nicht gegen die Natur arbeiten, sondern mit ihr.“

Der Teich lockt Libellen und Molche an.
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Die Natur möglichst in Ruhe lassen
Besonders bei Hitze zeigt sich, ob diese Philosophie funktioniert. Jaqueline Blum beobachtet ihre Pflanzen genau und gießt nicht einfach nach Kalender. Sie achtet darauf, ob die Pflanzen Stressreaktionen zeigen, und geht auf ihre Bedürfnisse ein.
In Hitzeperioden wässert Jaqueline Blum den Garten etwa einmal pro Woche gründlich. Sie lässt das Wasser langsam und über längere Zeit an einer Stelle in den Boden sickern. Die Pflanzen sollen tief im Boden nach Wasser suchen. „Wenn man jeden Tag ein bisschen gießt, bekommen die Pflanzen nicht den Anreiz, in die Tiefe zu wurzeln“, sagt sie. Viele Stauden lässt sie dagegen weitgehend in Ruhe. Sie seien robust. Und wenn eine Pflanze einmal nicht wiederkommt, versucht Jaqueline Blum nicht zwangsläufig, sie künstlich am Leben zu erhalten. „Die kriegen das hin in der Natur.“

Im Totholz können viele Tiere Schutz suchen.
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Schatten schafft Lebensräume
Auch bei der Hitzevorsorge denkt Jaqueline Blum in Lebensräumen. Bäume und Sträucher schaffen Schatteninseln. Wo weniger Sonne auf den Boden trifft, bleibt die Feuchtigkeit länger erhalten. Gleichzeitig entstehen Bereiche mit anderen Bedingungen für Pflanzen und Tiere. Ihr eigener Garten ist nach Osten ausgerichtet. Bei einer starken Süd- oder Südwestlage könne man andere Strategien brauchen. Ihre Empfehlung lautet deshalb: „Pflanzt Bäume, pflanzt Sträucher.“
Dass ihr Garten etwas Besonderes ist, hat Jaqueline Blum schon vor einigen Jahren erfahren. Für eine Naturgarten-Zertifizierung wurde die Fläche inspiziert. Bewertet werden unter anderem unterschiedliche Strukturen, Totholz, Teich, heimische Pflanzen und Begrünungen. Auch invasive Arten sind ein Thema. Schon eine invasive Pflanze kann dafür sorgen, dass das Zertifikat nicht vergeben wird.
Für Gold reichte es bei Jaqueline Blum damals noch nicht. Die Fassadenbegrünung fehlte zu diesem Zeitpunkt. Und bei der Dachbegrünung hatte sie ein ziemlich grundlegendes Problem: „Ich habe ja gar kein Dach.“ Dafür gab es null Punkte. Trotzdem hat sie sich sehr über die Auszeichnung gefreut. „Es ist einfach schön, wenn man was tut, ist so etwas eine Form von Wertschätzung und Anerkennung.“
Die Zertifizierung war für sie zugleich ein Ansporn, sich noch intensiver mit dem Thema Naturgarten auseinanderzusetzen. Seitdem hat sich die Fläche weiterentwickelt. Die Sträucher sind größer geworden, die Fassadenbegrünung gewachsen und ein Schattenbereich ist hinzugekommen.

Die Zertifizierung war für Jaqueline Blum zugleich ein Ansporn, sich noch intensiver mit dem Thema Naturgarten auseinanderzusetzen.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Vom Garten zum Klimaaktivismus
Auch der NABU wurde auf den Garten aufmerksam. Jaqueline Blum bewarb sich als schmetterlingsfreundlicher Garten, beschrieb die vorhandenen Raupenfutterpflanzen und anderen Schmetterlingspflanzen und schickte Fotos mit. Gerade die kleine Fläche fanden die Naturschützer spannend. Um 2022 herum wurde ihr Garten sogar Station einer NABU-Fahrradtour. Bei Jaqueline Blum zeigte eine Mitarbeiterin des Programms, was auf kleiner Fläche für die Natur möglich ist.
Die Beschäftigung mit ihrem eigenen Garten hat Jaqueline Blum schließlich über die Gartenpforte hinausgeführt. Sie setzte sich intensiver mit Artenvielfalt, Hitze und Wasser auseinander und kam so zum Klimaaktivismus. Heute ist sie Mitglied beim NABU und engagiert sich bei „Parents for Future“.

„Ich wünsche mir einen Ort, an dem ich einfach sein kann“, sagt Jaqueline Blum über ihren Garten.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Nicht jedes Label stimmt
Diesen Blick möchte Blum auch anderen Gartenbesitzern vermitteln. Ihr Tipp: Nicht einfach auf die Produkte vertrauen, die im Baumarkt oder Gartencenter als „naturfreundlich“ beworben werden. Sie recherchiert bei Pflanzen genau und schaut auch nach den lateinischen Namen. Dabei nutzt sie unter anderem die App NaturaDB. Entscheidend sei nicht das Etikett, sondern welche Pflanze tatsächlich zum Standort passt und welchen ökologischen Nutzen sie hat.
Bei all den Überlegungen zu Artenvielfalt, Wasser und Klima ist der Garten für Jaqueline Blum aber vor allem ein persönlicher Rückzugsort. „Ich wünsche mir einen Ort, an dem ich einfach sein kann.“ Dafür braucht es keine große Fläche. Entscheidend ist, was man daraus macht. Und eine Lieblingspflanze hat Blum natürlich auch: den Faulbaum. „Den finde ich richtig toll.“
