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Wenn der Garten „zum Fernseher“ wirdLeverkusener Ehepaar schafft einen Lebensraum für Tiere

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„Unser Garten sieht nicht immer so ordentlich aus, wie man das so kennt“, sagt Angela Zerfaß über ihren Naturgarten in Opladen.

„Unser Garten sieht nicht immer so ordentlich aus, wie man das so kennt“, sagt Angela Zerfaß über ihren Naturgarten in Opladen.

Ein Garten kann nicht nur schön aussehen, sondern ein echtes Zuhause sein. Angela Zerfaß und Markus Evers haben ihr 1200 Quadratmeter großes Grundstück in Leverkusen über Jahre zu einem Rückzugsort für Honigbienen, Wildbienen, Vögel und Fledermäuse gestaltet.

Ein Rascheln im Gras, eine Libelle im Teich oder eine Raupe, die langsam ihren Weg über einen Stängel sucht: Für Angela Zerfaß sind solche Begegnungen keine Nebensache. Sie sind der Grund, warum sie ihren Garten liebt. „Es ist wie Fernsehen gucken, entspannend und aufregend zugleich“, sagt die 52-Jährige. Gemeinsam mit ihrem Mann Markus Evers, 53 Jahre alt, hat sie in Leverkusen einen Garten geschaffen, in dem Natur sich entfalten kann.

Hier summen Honig- und Wildbienen, Hummeln suchen Nektar, Vögel finden Nahrung und abends ziehen Fledermäuse durch die Dämmerung. Seit acht Jahren lebt das Paar hier mit seinem Hund Tilda. Was heute wie ein Stück gewachsene Natur wirkt, ist über die Jahre mit viel Beobachtung, Geduld und der Bereitschaft entstanden, sich mit den Bedürfnissen der Pflanzen und Tiere auseinanderzusetzen. Für dieses Engagement wurde Angela Zerfaß im vergangenen Jahr mit dem beebetter-Award des Burda-Verlags für vorbildlichen Insekten- und Bienenschutz ausgezeichnet.

Auf rund 1200 Quadratmetern wächst kein klassischer Ziergarten mit akkurat geschnittenen Beeten, sondern ein vielfältiger Lebensraum.

Auf rund 1200 Quadratmetern wächst kein klassischer Ziergarten mit akkurat geschnittenen Beeten, sondern ein vielfältiger Lebensraum.

Anfang mit Bienen

Aus der Begeisterung für Honigbienen entwickelte sich nach und nach der Naturgarten. Seit elf Jahren beschäftigt sich Angela Zerfaß mit dem Imkern und hat naturnahes Imkern gelernt. Heute gehören mehrere Bienenvölker zum Garten. Wer sich intensiv mit Honigbienen beschäftige, beginne automatisch, die Zusammenhänge in der Natur zu verstehen, erklärt sie: Welche Pflanzen blühen wann? Welche Tiere brauchen welche Lebensräume? Nach und nach wurde der Garten um verschiedene Elemente erweitert: ein Sandarium für Wildbienen, eine Trockenmauer für Frösche und Salamander, ein Teich und zahlreiche heimische Wildstauden. Dabei ging es nicht darum, möglichst viele besondere Gartenobjekte aufzustellen. Entscheidend war die Frage: Welches Tier braucht welchen Platz? „Wir setzen die Module nicht einfach        irgendwohin, wo sie schön aussehen, sondern schauen, wo der Standort passt“, erklärt Angela Zerfaß.

Der trockenste Bereich des Gartens wurde zum Standort für das Sandarium. Dort finden Wildbienen offene, lockere Sandflächen, in denen sie ihre Brutröhren anlegen können. Der feuchtere Bereich bietet Platz für den Teich. Die Trockenmauer wiederum schafft unterschiedliche Bedingungen: sonnige Stellen für wärmeliebende Arten und schattigere Bereiche als Rückzugsorte.

Der trockenste Bereich des Gartens wurde zum Standort für das Sandarium.

Der trockenste Bereich des Gartens wurde zum Standort für das Sandarium.

Wildbienen brauchen mehr als Insektenhotels

Besonders am Herzen liegen Angela Zerfaß die Wildbienen. Viele Menschen denken bei Insektenhilfe zuerst an ein aufgehängtes Insektenhotel. Doch viele Wildbienenarten leben im Boden und benötigen offene Sandflächen für ihre Nester. Das Sandarium erfüllt genau diese Aufgabe. Ebenso wichtig sind die passenden Pflanzen. Heimische Wildstauden liefern Nahrung und sind auf die Bedürfnisse der heimischen Tierwelt abgestimmt.

„Tier und Pflanze sind wie füreinander geschaffen“, beschreibt Angela Zerfaß das Zusammenspiel in ihrem Garten.
Angela Zerfaß, Gartenbesitzerin

Nicht jede schön blühende Pflanze hilft automatisch den Tieren vor Ort. „Es ist ein Schlüssel-Schloss-Prinzip“, sagt Angela Zerfaß. Pflanze und Tier müssen zusammenpassen. Eine Pflanze muss genau dann blühen, wenn die jeweilige Bienenart ihre Nahrung benötigt. „Tier und Pflanze sind wie füreinander geschaffen“, beschreibt sie dieses Zusammenspiel.

„Der Garten lehrt Geduld“, sagt Angela Zerfaß.

„Der Garten lehrt Geduld“, sagt Angela Zerfaß.

Weniger Ordnung, mehr Leben

Der Garten folgt bewusst nicht den Regeln eines perfekt gepflegten Ziergartens. Verblühte Pflanzen bleiben stehen, nur das Gemüse wird zusätzlich gegossen. Eine Lieblingspflanze von Angela Zerfaß ist der Große Schuppenkopf. Die bis zu zwei Meter hohe Staude wird im Sommer von zahlreichen Hummeln besucht. Im Winter verwandeln sich die Samenstände in ein Buffet für Vögel. „Wenn wir die Stauden im Herbst abschneiden würden, hätten wir dieses Schauspiel nicht“, sagt sie. Auch Blattläuse oder Raupen werden nicht automatisch als Problem gesehen. Häufig stellt sich mit der Zeit ein natürliches Gleichgewicht ein: Andere Tiere finden Nahrung und regulieren die Bestände. „Der Garten lehrt Geduld“, sagt Angela Zerfaß. Manche Pflanzen brauchen Jahre, bis sie sich zeigen.

Fische leben nicht im Teich, da sie die anderen Bewohner fressen würden.

Fische leben nicht im Teich, da sie die anderen Bewohner fressen würden.

Ein Netzwerk vor der Haustür

Pflanzen bieten Futter  für Insekten, Insekten wiederum sind die Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse. So zeigt der Garten, wie eng alles miteinander verbunden ist. Angela Zerfaß engagiert sich zusätzlich im Fledermausschutz in Leverkusen.

Wasser wird im Naturgarten so sparsam wie möglich eingesetzt.

Wasser wird im Naturgarten so sparsam wie möglich eingesetzt.

Ihr Garten ist für sie längst mehr als ein Hobby. Als Kunst- und Kulturvermittlerin beschäftigt sie sich auch beruflich mit Naturthemen, unter anderem mit Nature Journaling und Pflanzenfarben. Dabei möchte sie niemanden belehren. „Wir wollen zeigen, dass es Alternativen zum klassischen Rasen gibt“, sagt sie. Nicht jeder brauche 1200 Quadratmeter, um etwas für die Natur zu tun. Schon eine Wildstaude auf dem Balkon oder eine zusätzliche Wasserstelle für Tiere könne helfen. Ihr Appell an Gartenbesitzer: „Pflanzt Bäume!“


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