Der kommunale Friedhof am Kellerhansberg ist Leichlingens größter Ort der Totenruhe. Wer ihn betritt, fühlt sich geborgen.
FriedhöfeLeichlingens Kellerhansberg strahlt tiefe Geborgenheit aus

Die Septembersonne taucht den Friedhof in warmes Licht.
Copyright: Peter Seidel
Schon der Weg zu Leichlingens Friedhof ist etwas Besonderes. Von der Unterschmitte in Richtung Friedhof abgebogen, findet sich der Besucher nach 200 Metern rechts wie links zwischen hohen Böschungen wieder. Eichen und Buchen wachsen etwas schräg aus den Hängen und bilden ein grünes Blätterdach über dem Weg. Sie bieten dem Besucher Schutz vor zuviel Sonne, vor Regen – Geborgenheit.
Kellerhansberg – wer den Friedhof nicht kennt und den Namen liest, denkt an eine Erhebung, einen Hügel. Der Friedhof jedoch ist von fast allen Seiten umgeben von höher liegendem Gelände. Und das wiederum hat mit der Geschichte des Ortsteils von Leichlingen zu tun. Der Name Kellerhansberg bezeichnete eine Erhebung in den Leichlinger Sandbergen, die nördlich des Friedhofs noch erhalten sind. Der Kellerhansberg selbst aber wurde bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts abgetragen. Ob er genau dort war, wo sich heute Friedhof auf knapp 4,5 Hektar erstreckt, ist unklar. Der Friedhof jedenfalls liegt in einer Mulde.

Der Ökumenische Hospizdienst wirbt auf der Tafel für sein Friedhofsprojekt.
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Der Weg vom Parkplatz führt durch ein schmiedeeisernes Törchen etwas abschüssig auf den Friedhof, links die Trauerhalle, gleich rechts vorne an stehen mehrere Kolumbariensäulen. Nahe dem Eingang wirbt der Ökumenische Hospizdienst Leichlingen für sein Friedhofsprojekt. Er will auf allen Friedhöfen der Stadt, den beiden kommunalen wie den drei kirchlichen, Orte der Begegnung für Angehörige schaffen. Auf dem katholischen Friedhof Johannisberg und dem evangelischen Friedhof an der Uferstraße sind dazu vor gut zwei Jahren schon Bänke und eine Mauer mit Sitzgelegenheiten und Weiteres entstanden.

Ein Gedenkstein am Rand eines Grabfeldes
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Auf dem Friedhof Kellerhansberg sind Ergebnisse des Projektes, dessen allmähliche Ausweitung auf alle Friedhöfe von Spenden abhängt, noch nicht zu sehen. Möglichkeiten zum Verweilen, Innehalten, zum Sich-Erinnern an einen Angehörigen oder Freund bietet der städtische Totenacker gleichwohl. Am Rand eines freien Grabfeldes, das für anonyme Urnen- und Sargbestattungen reserviert ist, steht eine Bank, daneben ein von Efeu umrankter Stein: „Was man tief im Herzen trägt, kann man nicht durch den Tod verlieren“, steht darauf kunstvoll kreisförmig eingemeißelt. Auch der Gang über die Wege, die in diesen Septembertagen in warmes Licht getaucht sind, zwischen hohen Kiefern, Fichten, Ahornen, Robinien, Birken, Eichen und Lebensbäumen lädt ein, die Gedanken schweifen zu lassen. Am südlichen Ende sind eine Reihe von Grabfeldern nicht belegt. Der Flächenbedarf auf Friedhöfen ist geringer geworden, seit mehr und mehr Menschen Urnengräber bevorzugen.
Wirklich still ist es hier wie auf den meisten Friedhöfen der Region freilich nicht. Eine breite Bundesstraße, eine Autobahn, die das Rauschen und die Hektik unseres Lebens auch in die Friedhofsruhe hineintragen, findet sich immer – am Kellerhansberg ist es die Autobahn 3, die nur wenige 100 Meter weiter westlich verläuft.
Der Friedhof hat an manchen Stellen etwas naturbelassen-gepflegtes. Einen alten Grabstein eines aufgelassenen Familiengrabes mit beeindruckender Schmiedebildkunst zum Beispiel hat die Friedhofsverwaltung einfach stehen gelassen. In der Nische eines anderen, zum Teil zugewachsenen Grabsteins wacht die Figur einer Katze über die Totenruhe der Familie.

Bildhauerische Kunst am Stein eines aufgelassenen Grabes
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Ein paar Schritte weiter fällt ein großer rechteckiger Grabstein auf, daneben eine Bank. Der Stein hat über die Jahrzehnte von Moosen und Flechten eine grünlich-graue Farbe bekommen. Drei Namen sind auf ihm vermerkt und ein gemeinsames Todesdatum: 8. März 1970. Die drei hier Bestatteten, zwei Männer und eine Frau, waren bei ihrem Tod alle noch recht jung: 24, 32 und 34 Jahre alt. Sie starben beim Absturz eines Propellerflugzeugs auf dem Feld in Oberleichlingen zwischen Katzensterz, Grünscheid und Neuwinkel vor 56 Jahren. Wann genau sie auf dem Friedhof in Leichlingen beerdigt wurden, ist unklar. Der Grabstein jedenfalls erinnert an das Unglück.
Das rot-weiße Sportflugzeug, eine Robin DR 253 Regent, war an dem Tag auf dem Flughafen Köln/Bonn abgeflogen. Ziel war der Flughafen in Düsseldorf‑Lohhausen. Doch es schneite und es war neblig. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ damals berichtete, erhielt der Pilot vom Tower in Lohausen die Anweisung, wegen der schlechten Sicht und des Schneetreibens nach Wahn zurückzukehren. Über Leichlingen soll er versucht haben, eine Wende zu fliegen. Der Motor setzte laut Zeugen, darunter der damalige Feuerwehrchef Herbert Wieden, aus. Die Maschine stürzte ab und explodierte am Boden.

Dieser Grabstein steht am Grab der drei Opfer des Flugzeugabsturzes in Grünscheid 1970.
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Wann genau die drei Opfer des Absturzes in Leichlingen beerdigt wurden, ist unklar. Der Grabstein, der inzwischen halb versteckt unter großen Rhododendren liegt, entspricht in seiner wuchtigen Nüchternheit in gewisser Weise dem gewaltsamen Tod derjenigen, für die er errichtet wurde. Kein Zeichen des Trostes ist auf ihm zu finden, aber auch keine Trauerfigur. Kein Verweis auf einen Glauben, auf ein Leben nach dem Tod, gar auf Wiederauferstehung. Nicht mal ein Kreuzsymbol ist eingemeißelt. Stattdessen ist dem Todesdatum die unter Esoterikern seit Anfang des 20. Jahrhunderts so bezeichnete „Todesrune“, ein aus dem altnordischen Alphabet entlehntes und umgedeutetes Schriftzeichen, vorangestellt. Die „Lebensrune“ ist entsprechend vor den Geburtsdaten der drei Toten in den Stein gehauen.
Links neben der Begräbnisstätte, die offenbar als Familiengrab diente oder dient, denn im Laufe der Jahre sind weitere Grabsteine hinzugekommen, steht eine Bank, zu der ein schmaler Pfad führt. Wer dort sitzt, im Schatten der großen Rhododendren, ist vor den Blicken Vorübergehender geschützt, geborgen.
Errichtet in den 1950er-Jahren
Der kommunale Friedhof Kellerhansberg besteht seit den 1950er-Jahren. Die ersten eingetragenen Bestattungen datieren auf das Jahr 1956. Er ist damit etwa zur gleichen Zeit entstanden wie der evangelische Waldfriedhof St. Herbert und mit diesem der jüngste Friedhof in der Stadt. Von den 4,46 Hektar Fläche wird ein Hektar für Bestattungen genutzt. Die Stadt bietet auf dem Kellerhansberg für Urnen, Urnenwahl- oder Urnenrasenreihengräber sowie Nischen im Kolumbarium an. Für Särge gibt es Erdwahl- und Erdrasenreihengräber. Zudem werden auf dem Kellerhansberg auch Särge oder Urnen anonym bestattet. Auf beiden kommunalen Friedhöfen, also dem am Kellerhansberg und dem in Witzhelden, werden jährlich insgesamt etwa 160 Personen bestattet. Zumeist sind es Urnenbestattungen. (ps)
