Die Baumpflege ist in der Region an vielen Orten vonnöten, der „Leverkusener Anzeiger“ hat die Experten bei einem Einsatz begleitet.
Helden des AlltagsLeichlinger Baumpfleger werden nur im äußersten Fall zu Baumfällern

Bei der Firma „Baumwerk“ aus Leichlingen wird mit schwerem Gerät gearbeitet.
Copyright: Jessy Schmidt
Das Wetter kann ungemütlicher kaum sein an diesem frühen Morgen um 7 Uhr in Leichlingen. Es nieselt unaufhörlich, während sich auf dem Gelände der Firma „Baumwerk-Leichlingen“ die fünf anwesenden Mitarbeiter von Gerrit Hochmuth in einem Container auf ihre Schicht vorbereiten.
Während der eine noch ein schnelles Frühstück verzehrt, prüfen die anderen bereits die Motorsägen und das weitere Material, das im Laufe des Tages zum Einsatz kommen wird. Das Licht des Containers ist die einzige Lichtquelle.
Los geht es für die Mitarbeitenden schon am frühen Morgen
Im Winter ist es um diese Zeit noch stockdunkel. Hochmuth erklärt seinem Team, welche Einsätze heute auf dem Plan stehen. Die Stimmung ist gelassen, die Gespräche freundschaftlich. Zwei Tannen auf einem Privatgrundstück sind zu hoch gewachsen und sollen gefällt werden, bevor sie Schaden anrichten können. „Wir werden an den unterschiedlichsten Orten aktiv“, erklärt Vorarbeiter Michel Frenzel. „Wir pflegen und beschneiden unter anderem die Bäume an der Autobahn und in Wäldern, entfernen Totholz aus den Kronen oder fällen Bäume, die durch ihre Größe oder durch eine Krankheit ihre Stabilität verloren haben.“ Täglich finden sich die Baumpfleger in mehreren Metern Höhe wieder, für sie der übliche Arbeitsplatz.
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Diese Pflege wird jedoch manchmal auch missverstanden. Das Team erzählt von Beschimpfungen, während sie die Baumkrone an einem Haus stutzten oder an der Autobahn die Grünstreifen pflegten. Die hauptsächliche Arbeit ist die Pflege und der Erhalt der Bäume.

Baumfäller aus Leichlingen bei der Arbeit
Copyright: Jessy Schmidt
Gefällt wird nur, wenn es nicht anders geht. Die Morgendämmerung ist bereits gut fortgeschritten, als das Team schließlich zum Einsatzort aufbricht. Die Männer werden bereits von ihren Auftraggebern erwartet. Hilfsbereit bietet die Dame des Hauses Kaffee und Kekse an, das Team nimmt dankend an.
Die Bäume sind hoch und die Wurzeln haben sich bereits ihren Weg unter die Bodenplatten gebahnt. Sie stehen schräg. Das benötigte Werkzeug wird in den Garten geschafft, die nächsten Schritte besprochen. Dass es weiter nieselt, stört niemanden. Letztlich legt Frenzel einen Klettergurt an und beginnt, den ersten Baum zu erklimmen. Mit einer Säge befreit er nach und nach die Stämme von den Ästen. Schritt für Schritt arbeitet er sich nach oben. Die Arbeit mit der Säge im Baum bedarf eines besonderen Motorsägenlehrgangs. Während die Äste zu Boden fallen, räumen die Kollegen diese dicht vor die Hecke des Gartens. Das reine Fällen der beiden Bäume dauert knapp eine Stunde. Was dann richtig viel Zeit kostet, ist die Nacharbeit. Die Baumstümpfe werden abgefräst, das erfordert Geduld. Mit der Hilfe eines Kranwagens, der auf der anderen Seite der Hecke parkt, wird eine Fräse in den Garten gehoben. Das Gerät fährt motorbetrieben und zerlegt den Stumpf Schicht für Schicht in Holzspäne. Bedient wird das Gerät von einem der Baumpfleger, der die Position regelmäßig anpasst.
Technisches Verständnis, Interesse an der Natur, speziell an den Bäumen, Schwindelfreiheit und Wetterunempfindlichkeit erforderlich, das wäre gut.
Einige Teammitglieder transportieren die abgeschnittenen Äste mit Hilfe des Kranwagens vom Grundstück ab, indem sie diese einfach über die Hecke heben und auf dem Kranwagen zerhäckseln. Sie schneiden die Stämme in handliche Stücke und schichten diese ordentlich auf. Alle Bewegungen sind bedächtig und ohne Hast. Die Männer arbeiten Hand in Hand, ihnen ist die Eingespieltheit anzumerken und sie achten aufeinander. Teamwork ist nur eine der persönlichen Fähigkeiten, die ein Baumpfleger haben sollte. „Man sollte körperlich fit sein“, erklärt Gerrit Hochmuth. „Weiter sind technisches Verständnis, Interesse an der Natur, speziell an den Bäumen, Schwindelfreiheit und Wetterunempfindlichkeit erforderlich, das wäre gut.“
Regen und Kälte allein sind kein Grund, nicht in die Bäume zu steigen. Der Weg zu diesem Beruf ist eher ungewöhnlich. „Für diesen gibt es in Deutschland noch keine Berufsausbildung“, erzählt Hochmuth. Der klassische Weg führt über einen anderen grünen Beruf wie den des Gärtners oder Forstwirts. Zusätzlich folgen dann die Seilklettertechnik-Kurse (SKT): A und B und Kurse für den Umgang mit der Motorsäge im Baum. Weiter gibt es nationale und internationale Zertifizierungen, die erlangt werden können, wie den European Tree Worker (ETW) und die weiterführende Stufe, den European Tree Technician (ETT).
Zurück im Garten. Die Äste sind inzwischen abtransportiert. Im letzten Arbeitsschritt wird der Rasen noch einmal mit einem Rechen bearbeitet. Am Ende geht noch ein Baumpfleger mit einem Gebläse über die Wiese und befreit sie so von den kleinsten Überbleibseln der Baumfällung. Die Stelle unter den Bäumen, die von den Tannennadeln der vergangenen Jahre bedeckt ist, wird geebnet, die Nadelschichten werden abgetragen und in Säcke gefüllt. Am Arm des Kranwagens befestigt, hebt das schwere Gerät die Säcke über die Hecke. Dass hier zuvor zwei große Bäume standen, ist da schon kaum noch zu sehen. Ein Hinweis ist zu dem Zeitpunkt nur noch die Wurzel, die die Bodenplatte hochdrückte, aber auch das Problem beseitigen die Männer mit Ruhe und Bedacht.
Der Abschied ist herzlich. Es nieselt immer noch, als das Team auf das Firmengelände zurückkehrt. Die Geräte werden aus den Autos genommen und wieder auf ihre Plätze gelegt. Während das Arbeitsmaterial verräumt wird, überlegen die Baumpfleger, was sie zu Mittag essen wollen – denn der Tag ist da noch längst nicht vorüber, der nächste Einsatz steht schon bevor.

