Wenn soziale Kontakte fehlen, sollen Ärztinnen und Ärzte betroffene ältere Menschen gezielt ins Quartiersbüro weitervermitteln.
Leichlingen startet neues Projekt„Herz-Rezept“ verbindet Hausarztpraxen und Quartiersarbeit

„Die große Herausforderung dabei ist es, die Menschen zu erreichen“, sagt Bürgermeister Maurice Winter, hier zu sehen mit Aleksandra Petz.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
„Manchmal gehen Leute zum Arzt, die eigentlich gar nichts haben – aber einsam sind.“ Für Seniorenberaterin Aleksandra Petz gehört diese Beobachtung zum Alltag im Quartiersbüro der Stadt Leichlingen. Dort startet nun ein neues Projekt zur besseren Unterstützung von Menschen, die von sozialer Isolation betroffen sind. Unter dem Titel „Herz-Rezept“ arbeiten mehrere Hausarztpraxen und das städtische Quartiersbüro enger zusammen. Ziel ist es, Betroffene frühzeitig zu erreichen und ihnen den Zugang zu bestehenden sozialen Angeboten zu erleichtern.
Mit dabei sind zunächst die Stadtparkpraxis, die Hausarztpraxis Gartenstraße sowie die Wupperpraxis. Wenn Ärztinnen und Ärzte Hinweise auf soziale Isolation feststellen, können sie Betroffene an das Quartiersbüro weitervermitteln. Dort führt das Team ein persönliches Gespräch und schaut gemeinsam, welche Angebote passen. Etwa Gruppen, Kurse oder offene Treffpunkte im Stadtteil. Das Projekt beginnt im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“.
Zusammenarbeit mit Hausarztpraxen
Vom 22. bis 28. Juni 2026 beteiligt sich die Stadt Leichlingen mit verschiedenen Aktionen, die Begegnungen fördern und über Unterstützungsangebote gegen Einsamkeit informieren. Ziel der Woche ist es, das soziale Miteinander zu stärken und Menschen für das Thema Einsamkeit zu sensibilisieren, da diese viele Ursachen haben und jeden treffen kann.
Neben offenen Angeboten wie Tagen der offenen Tür im Quartiersbüro und im Kinder- und Jugendzentrum werden auch zahlreiche lokale Hilfs- und Begegnungsmöglichkeiten vorgestellt – darunter Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Vereinsangebote und das Projekt „Herz-Rezept“, das Menschen gezielt dabei unterstützt, passende soziale Kontakte und Unterstützungsangebote zu finden.
Orientierung am britischen Modell
Das „Herz-Rezept“ orientiert sich am sogenannten „Social Prescribing“, das in Großbritannien bereits seit mehreren Jahren eingesetzt wird. Dabei wird soziale Teilhabe als ergänzender Bestandteil gesundheitlicher Versorgung verstanden. Neben medizinischer Behandlung können Hausärzte auch den Zugang zu sozialen Angeboten anstoßen. „Die große Herausforderung dabei ist es, die Menschen zu erreichen“, sagt Bürgermeister Maurice Winter. Viele Betroffene würden sich nicht selbst melden, obwohl sie Unterstützung gut gebrauchen könnten. Genau hier setzt das Projekt an.

Das „Herz-Rezept“ orientiert sich am sogenannten „Social Prescribing“, das in Großbritannien bereits seit mehreren Jahren eingesetzt wird.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Einsamkeit entsteht häufig über längere Zeit. Kontakte werden weniger, und der Schritt in neue Gruppen fällt zunehmend schwerer. Das Projekt soll helfen, diesen Prozess früher zu unterbrechen. Wie das funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus dem Alltag: Ein 90-jähriger Leichlinger ohne familiäre Angehörige fand über einen Hinweis von Bürgermeister Maurice Winter den Weg ins Quartiersbüro. „Er kommt inzwischen regelmäßig und hat dort neue Kontakte geknüpft“, sagt Aleksandra Petz.
Im Quartiersbüro gibt es inzwischen verschiedene regelmäßig stattfindende Angebote, darunter ein Strick- und Nähcafé sowie eine Handyschulung, die stark nachgefragt ist. Besonders das Gedächtnistraining ist so beliebt, dass dafür inzwischen eine Warteliste geführt wird. Eine Wunschbox im Quartiersbüro sammelt Vorschläge der Besucherinnen und Besucher. Sie stand in diesem Jahr ebenso wie bereits im vergangenen Jahr beim Tag der offenen Tür auch draußen. Als nächstes neues Angebot ist ein Sitztanz geplant.
