Claudia Hirschfeld hatte sich zum Neujahrskonzert den Tenor Oscar Marin eingeladen.
Von Bonhoeffer bis „Bläck Fööss“Organistin zeigt in Leichlingen die Vielfalt ihres Instruments

Claudia Hirschfeld (an der Orgel) hatte sich zum Neujahrskonzert den Tenor Oscar Marin eingeladen.
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Der Raum der Christuskirche im Pilgerheim Weltersbach ist gut gefüllt am Samstagnachmittag. In der Mitte des Raumes steht eine weiße Orgel, während in der linken Ecke der Weihnachtsbaum mit seinen Lichtern die Szenerie erhellt. Das Raumlicht ist ausgeschaltet. Neben dem Baum leuchtet der Stern an der Decke. Über der Organistin Claudia Hirschfeld ist ein Scheinwerfer angebracht, der die Instrumentalistin für das Publikum bei Bedarf ins rechte Licht rückt. Über der Orgel hängt eine große Leinwand.
Hirschfelds Konzert in Leichlingen, das Ulli Pfennigsdorf, der Vorsitzende des Fanklubs der Musikerin, organisiert, ist inzwischen Tradition. Claudia Hirschfeld ist in Werl aufgewachsen, hat aber in der Blütenstadt eine große Fangemeinde. Dementsprechend begeistert empfingen die Zuschauerinnen und Zuschauer die Organistin.
Gemeinsam mit dem Startenor Oscar Marin, der von Montserrat Caballé entdeckt worden war und an ihrer Seite in Berlin beim Classic-Open-Air-Festival debütiert hatte, holte sie Weltmusik, die normalerweise von Orchestern gespielt wird, in die kleine Kirche nach Leichlingen. Aber auch das Lokalkolorit durfte nicht fehlen.
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Leichlingen: Musikerin hat Fanklub
Auf kraftvolle Stücke folgten ruhigere Klänge. Das Publikum konnte auf dem Bildschirm verfolgen, wie ihre Hände bei einer schnellen Polka von Strauß nur so über die Tasten flogen. Die Kameraeinstellung war dafür genau auf die Tastatur der elektronischen Orgel gerichtet. Die Klänge, die ihr entsprangen, waren jedoch keine klassischen Orgeltöne. Nein, es erklangen Streicher und Bläser, ein Dudelsack, eine klassische Gitarre oder gar ein ganzer Opernchor. Die Orgel reproduziert jedes nur benötigte Instrument.
Aber nicht nur die Orgel hatte es in sich. Die Organistin spielte jeden Part, jedes Instrument und jede Passage komplett ohne Noten. Einer temporeichen Komposition folgte eine ruhige Interpretation des Liedes „Von guten Mächten treu und still umgeben“, das auf einem Gedicht von NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer beruht. Bonhoeffer hatte den Text Ende 1944 in Gestapo-Haft, wenige Monate vor seiner Hinrichtung durch die Nazis, geschrieben.
„Seine Textzeile ›So will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr‹ macht es für mich zu einem Lied, das sehr gut in ein Neujahrskonzert passt“, sagte Hirschfeld in der Anmoderation, die sie, in sehr herzlicher Art und Weise, für das komplette Konzert selbst übernahm. Weitere Stücke des Nachmittags waren der Gefangenenchor aus der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi, das klassische Tenorstück „Granada“ des mexikanischen Komponisten Agustín Lara, das schon Größen wie Plácido Domingo, die drei Tenöre oder auch Fritz Wunderlich interpretiert haben. An diesem Nachmittag sang es Oscar Marin.
Aber auch „Du bes die Stadt“ von den Bläck Fööss, „Es wird ein Wein sein“ von Ludwig Gruber und Josef Hornig und „Wien, du Stadt meiner Träume“ von Rudolf Sieczyński waren dabei. Die Lokalklassiker sind längst über die Grenzen ihrer Städte hinaus und zu Evergreens geworden. Rund 18 Titel füllten die Kirche anderthalb Stunden lang mit Musik, Freude und Erinnerungen. Als dann die letzten Töne des Abschlussstückes „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss verklungen waren, wurde schnell der Ruf nach einer Zugabe laut. Den Wunsch erfüllten Tenor und Organistin gerne. Ebenso den Wunsch nach Autogrammen nach dem Konzert.
Zuhörerin Gabriele Meuser war begeistert. „Das Konzert hatte ein hohes Niveau und eine hohe Kunstfertigkeit. Wir hörten einen strahlenden Tenor. Die Liederauswahl war perfekt für Senioren, dass wir die alle kennen. Die Organistin könnte jede Kirchenorgel spielen, so gut ist die. Sie ist sympathisch und zugewandt.“

