Warum die Fastenzeit nach dieser Session ihren Schrecken verliert.
Satirischer WochenrückblickOliver Jott, der Wasserköbes


Ne kölsche Köbes in der Bütt
Copyright: Stefan Lieser
Auch auf die Gefahr hin, dass Sie gleich eine Konfetti-Allergie kriegen, muss ich gestehen: In diesem Jahr fällt es mir besonders schwer, mich aus dem Karneval herauszuschleichen. Normalerweise dauert das ein oder zwei Tage, dann sind die Karnevalskisten im Keller, der Kopf schaltet auf Fastenzeit, und alles ist wie immer.
Woran das liegt, wollen Sie wissen? An Ihnen. Bloß weil ich vor gut einer Woche öffentlich gemacht habe, was ich so alles in all den Jahren in kölsche Liedtexte hineininterpretiert und mir Texte zusammengereimt habe, deren Sinn sich nur mir erschließt. Von Menschen, die in Dachrinnen leben und nicht in den Tag hinein, also „en d’r Daach rin“, und mit dem Mülleimer Böötche ihren Abfall entsorgen.
Was ich nicht erwartet habe, sind die vielen Reaktionen derer, denen es genauso ergangen ist. Per E-Mail, per Anruf, auf dem Flur, von Freunden und Bekannten – ein paar nette Menschen haben mir sogar Briefe geschrieben. Und alle sind voller Freude und Erleichterung, weil sie endlich wissen: Das muss mir nicht mehr peinlich sein. Ich bin nicht allein.
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Keine Sorge. Ich werde das hier nicht fortsetzen mit all den frischen Verhörern. Die schlummern jetzt in einer Datei und werden vielleicht in der nächsten Session zum Leben erweckt. Aber einen speziellen Verhörer muss ich Ihnen doch mit auf den Weg durch die Fastenzeit geben.
Weil darin eine kölsche Figur vorkommt, die ich bisher nicht kannte und die mir zur Seite stehen wird, wenn ich im Brauhaus schwanke, ob ich nicht doch lieber ein Kölsch anstelle eines Mineralwassers bestellen sollte.
Diese Figur ist der Wasserköbes. Den Wasserköbes kannte bisher niemand, nicht einmal die Chefs der 24 Brauereien, die sich 1986 in der Kölsch-Konvention darauf verständigt haben, welches Bier sich Kölsch nennen darf und welche Wettbewerbsregeln für die im Kölner Brauerei-Verband organisierten Kölsch-Brauer gelten.
Der Wasserköbes hat sogar einen Namen. Er heißt Oliver Jott und bringt flugs einen Kranz mit frischem Leitungswasser, wenn man ihn nur laut genug ruft. „Oh, leever Jott, jev uns Wasser. Denn janz Kölle hät Doosch. Oh, leever Jott, jev uns Wasser. Un helf uns en d'r Nut.“
Diese Erkenntnis verdanke ich einer Melanie Müller, deren Freunde aus München ihr die entscheidende Frage stellten, nachdem sie den Klassiker der Bläck Fööss die ganzen Karnevalstage über mitgegrölt hatten: Sag mal, wer ist eigentlich dieser Oliver Jott? So haben sie ihn gerade noch rechtzeitig vor Aschermittwoch zum Leben erweckt.
Ich bin Frau Müller zu großem Dank verpflichtet. Dieses Mal dürfte mir die Fastenzeit besonders leichtfallen.
