200 Menschen zogen am Donnerstag (19. Februar) in Kerpen-Horrem zur Sportsbar. Sie protestierten gegen einen Stammtisch der AfD in deren Räumen.
Am Tag des Hanau-GedenkensKerpener demonstrieren gegen AfD-Stammtisch

Die Demonstration verlief über die Bahnhofstraße in Kerpen-Horrem zur Sportsbar auf der Hauptstraße.
Copyright: Bernd Woidtke
25 Teilnehmende hatte das Kerpener Bündnis für Toleranz und Demokratie als Veranstalter bei der Polizei angemeldet, es kamen mehr als 200. Der lautstarke Demonstrationszug startete am Donnerstagabend (19. Februar) am Bahnhof in Kerpen-Horrem und hatte die Hauptstraße 175 als Ziel. Dort befindet sich die Sportsbar, ehemals EQ-Bar. Die AfD hatte dorthin erstmalig zu einem Stammtisch eingeladen. Rund 20 sollen sich eingefunden haben. Nach Angaben einer Polizeisprecherin habe es keine Zwischenfälle gegeben. Der Stammtisch soll künftig jeden Donnerstag abgehalten werden.
Ein zweiter Anlass für die Demonstration: Am 19. Februar jährten sich zum sechsten Mal die grauenhaften rassistischen Morde in Hanau: Ein Mann hatte neun Bürger mit Migrationsgeschichte ermordet, anschließend seine Mutter und sich selbst. Der AfD-Kreisvorsitzende Jeremy Jason versicherte, das Auftaktdatum für den Stammtisch habe damit nichts zu tun, das sei reiner Zufall. Ebenso zufällig wie der Parteitag der Thüringer AfD auf den 3. und 4. Juli 2026 in Erfurt gelegt worden sei, genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Parteitag in Weimar.
Wenn es keinen Stress gibt, können sie sich von mir aus weiterhin hier treffen
Die Demonstrierenden sahen das anders. Gemeinsam mit der Gruppe Antifa Rhein-Erft protestierten sie gegen den AfD-Stammtisch. „Kein Kölsch für Nazis!“ war eine der Parolen, die die Teilnehmenden in Richtung der Sportsbar skandierten. Oder: „Stammtischparolen: Nein danke! Demokratie hilft!“ Der Betreiber der Sportsbar, Mustafa Balo, sah vor der Veranstaltung das Thema entspannt: „Außer, dass ich mit Jeremy Jason befreundet bin und ihm unser Lokal aus dieser Verbundenheit heraus angeboten habe, habe ich mit der AfD nichts zu tun. Wenn es keinen Stress gibt, können sie sich von mir aus weiterhin hier treffen.“
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Unbestätigten Informationen zufolge soll Balo, der vor einigen Jahren mit seiner Familie aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet war, Stunden später gesagt haben, er werde der AfD seine Räume nicht mehr zur Verfügung stellen. Für ihn sei das geschäftsschädigend, und das könne er sich nicht leisten. Jason dürfe gern zum Biertrinken mit Freunden kommen, aber nicht mehr zu einem offiziellen Stammtisch.

Gegenüber der Sportsbar erinnerten die Teilnehmenden mit einer Schweigeminute an die Opfer des Hanauer Mordanschlags vor sechs Jahren.
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Ein Sprecher der Antifa Rhein-Erft erinnerte in seiner Rede an die neun Mordopfer von Hanau. Nach einer Schweigeminute verlas er ihre Namen. Er kritisierte auch die Hanauer Polizei, die seiner Ansicht nach nicht angemessen auf die Bedrohungslage reagiert habe. In dieser Hinsicht gab es offensichtlichen Dissens mit dem Kerpener Bündnis: Man bemühte sich, der Kerpener Polizei zu danken, die die Sicherheit der Demonstration gewährleistet habe und mit der man gut zusammenarbeite.
Das Kerpener Bündnis für Toleranz und Demokratie war am 6. Februar 2024 gegründet worden. Hier trafen sich Vertreter verschiedener Vereine, christlicher Kirchen, Moschee-Gemeinden und demokratischer Parteien. Zu den Vereinen gehören hab8acht, Vielfalt der Kulturen, Kerpener Beethoven Verein, der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club, das Netzwerk 55plus und der Schützenverein. Man sieht sich „vereint in der Sorge, dass antidemokratische Parteien Hass und Hetze verbreiten und eine repressive Politik gegen Minderheiten und Andersdenkende durchsetzen könnten.“
Teilnehmende stimmten „In unserm Veedel“ an
Der Verein ist insbesondere besorgt über die zunehmende Akzeptanz der AfD in der Bevölkerung, im Kerpener Rathaus stellt sie nach CDU und SPD die drittstärkste Fraktion. Bei der Kommunalwahl im September 2025 hatte die AfD 15,7 Prozent der Stimmen geholt. Bei der Demonstration wurde auch die Forderung nach einem AfD-Verbot laut. Laut, aber musikalisch endete die Veranstaltung: Gemeinsam sangen die Teilnehmenden den Song „In unserm Veedel“ von den Bläck Fööss: „Wat och passeht, Dat eine is doch klar, Dat schönste wat m'r hann, Schon all die Lange Johr, Is unser Veedel, Denn he hällt m'r zesamme, Ejaal wat och passet, In uns'rem Veedel.“
