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172 Millionen EuroStadt Köln kommt mit Planungen für zwei neue Rheinbrücken voran

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So soll die neue Brücke zwischen den Poller Wiesen und dem Ubierring aussehen.

So soll die neue Brücke zwischen den Poller Wiesen und dem Ubierring aussehen.

Das Bauwerk im Norden soll zwischen der Bastei und dem Rheinpark entstehen, das im Süden zwischen dem Ubierring und den Poller Wiesen.

Seit die Zoobrücke im November 1966 eröffnet wurde, gibt es in Köln sieben Brücken, die über den Rhein führen. Eine weitere Verbindung zwischen dem Links- und dem Rechtsrheinischen ist in den vergangenen 60 Jahren nicht entstanden – und das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Gleich zwei neue Rheinbrücken für Fußgänger und Fahrradfahrer will die Stadt Köln bauen lassen: Eine im Norden zwischen der Bastei und dem Rheinpark und eine weitere im Süden zwischen dem Ubierring und den Poller Wiesen. Mit den beiden Projekten geht es nun offensichtlich voran: Die Vorplanungen sind abgeschlossen.

Kölner Stadtrat soll bald entscheiden

In dieser Phase ging es vor allem darum, ein Planungskonzept zu erstellen, eine erste detaillierte Kostenschätzung vorzunehmen und einen groben Terminplan aufzustellen. Auf dieser Grundlage bereitet die Stadtverwaltung jetzt einen Planungsbeschluss vor, über den die Politik im Herbst dieses Jahres entscheiden soll. Danach folgt eine vertiefte Planung, und erst im Anschluss daran kann der Stadtrat einen Baubeschluss fassen. Bis die Bauarbeiten für die beiden Brücken beginnen können, wird also noch einige Zeit vergehen.

Ein entscheidendes Thema wird es sein, was die Brücken für Radfahrer und Fußgänger am Ende kosten sollen. Die Stadt geht bislang von Gesamtkosten in Höhe von 172 Millionen Euro aus. Diese Zahl basiert allerdings auf einer ersten, sehr groben Schätzung. Es steht also zu erwarten, dass sich die Summe im Verlauf der weiteren Planungen bis zum Baubeschluss noch verändern wird. Allein die Planung der beiden Bauwerke kostet zusammen 25 Millionen Euro. Die Stadt Köln hofft darauf, dass das Land Nordrhein-Westfalen den Brückenbau finanziell unterstützen wird. Es könnte bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten übernehmen. Angesichts der schwierigen Haushaltslage wäre es zurzeit wohl kaum vorstellbar, dass die Stadt Köln das Projekt vollständig aus eigener Kraft stemmen kann.

Die Brücke im Norden verbindet die Bastei mit dem Rheinpark.

Die Brücke im Norden verbindet die Bastei mit dem Rheinpark.

Die Pläne für die beiden neuen Rheinbrücken existieren bereits seit langer Zeit. Im 2009 veröffentlichten städtebaulichen Masterplan für die Innenstadt des Planungsbüros Albert Speer waren die beiden Verbindungen bereits vorgesehen. Sie sind ebenfalls ein Bestandteil des Radverkehrskonzepts für die Innenstadt. Der Stadtrat hatte die Stadtverwaltung im Dezember 2017 mit einer Machbarkeitsstudie für die beiden Bauwerke beauftragt. Im September 2020 beauftragte der Rat schließlich einen Realisierungswettbewerb.

Brücke mit zwei stählernen Bogen

Das Büro Schleich Bergermann Partner (SBP) aus Stuttgart setzte sich mit seinem Entwurf im Wettbewerb um die Brücke im Norden durch. Das Konzept sieht eine sogenannte Netzwerkbogenbrücke vor, die aus zwei stählernen Bögen besteht, einem größeren und einem kleineren. Die Radfahrer sollen vom Theodor-Heuss-Ring, der Sedanstraße und der Straße An der Münze aus auf die Brücke gelangen. Auf der anderen Rheinseite gelangen sie über einem weiten Bogen fahrend in den Rheinpark. Auf der Brücke soll es Bereiche geben, um sich hinzusetzen und auf Köln blicken zu können.

Der Entwurf für die Brücke im Süden stammt vom Düsseldorfer Büro Grassl  und sieht eine stählerne Schrägseilbrücke vor mit einem Pylon in der Mitte vor. Die Form erinnert an den Buchstaben „A“. Am Ubierring soll eine schlanke Rampe entstehen, die parallel zur bestehenden Baumallee verlaufen wird. Die Rampen sollen auf schlanken Stützen stehen, um die Sicht im Park am Ubierring und auf den Rhein so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Auf der rechten Rheinseite wird die Brücke stützenfrei über die geschützten Poller Wiesen verlaufen und vor der dortigen Baumallee enden. Auch auf dieser Brücke soll es Sitzgelegenheiten geben.

Die beiden neuen Brücken wären vor allem für das Kölner Radwegenetz von großer Bedeutung, denn auf den bestehenden Rheinbrücken gibt es bislang keine moderne Infrastruktur. Hinzu kommt, dass die beiden Brücken die Ringe jeweils über den Rhein verlängern würden. Das mehrfach ausgezeichnete Projekt „Ring frei“ ließe sich somit auch im Rechtsrheinischen fortsetzen. In diesem Rahmen hatte die Stadt Köln eine Autospur auf den Ringen vollständig in einen Radweg umgewandelt. Die Zahl der Radfahrer hat dort seitdem immens zugenommen, gleichzeitig ist die Zahl der Unfälle deutlich zurückgegangen, weil Tempo 30 eingeführt wurde.

Die neue Rheinbrücke im Süden würde jenseits des Radverkehrs dafür sorgen, das neue Wohn- und Büroviertel im Deutzer Hafen an die Südstadt heranzurücken. Das würde die Atrraktivität deutlich erhöhen. Und im Norden könnte die Brücke an der Bastei eine Erleichterung für diejenigen werden, die bislang die Hohenzollernbrücke nutzen und sich dort entweder durch die Fußgänger auf der Südseite quetschen oder auf der Nordseite linksrheinisch ihr Fahrrad eine Treppe herunterschleppen müssen. Die Stadt Köln hatte die ursprünglich geplante Erweiterung der Hohenzollernbrücke vorerst zurückgestellt – um die Kosten zu sparen. Diese Bedenken gelten bei den beiden neuen Rheinbrücken zumindest bislang nicht.