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RockkarriereWaldbröler war mit Fleetwoot Mac und Supertramp auf US-Tour

4 min
Das Foro zeigt den Musiker Dick Frangenberg

Der Musiker Dick Frangenberg

Werner "Dick" Frangenberg war in den 1970ern mit Fleetwood Mac und Supertramp auf US-Tour. Der Wahl-Waldbröler lässt es heute lieber ruhig angehen.

Plateaustiefel, Kunstpelzjacke – und diese Matte auf dem Kopf! Ganz klar, ein typisches Bühnenoutfit der glamourösen Seventies. „Das war ein Toupet“, gesteht Werner „Dick“ Frangenberg und grinst. „Ich hatte damals schon wenig Haare, und ein Rockmusiker ohne Haare, das ging gar nicht!“

Es ist die erste Überraschung im Gespräch mit dem heute 76-jährigen Vollblutmusiker. Er erzählt von einem halben Jahrhundert voller Musik und steht dabei inmitten von Erinnerungsstücken: Fotos und Plakate, Instrumente, von Fans gebastelte Collagen und eine Sammlung von schwarzen Melonen, die lange Zeit sein Markenzeichen waren. Beiläufig fallen große Namen: Anfang der 70er ist er mit der Band Triumvirat als Vorgruppe von Supertramp durch Amerika gezogen, 1974 war er dann unterwegs mit Fleetwood Mac.

Eine schwarze Melone war sein Markenzeichen

Wie beginnt so eine Karriere? „Ein Freund nahm mich so um 1968 mal mit in einen Probenraum. Der Bassist der Band war in jedem Song viel früher fertig als die anderen, da sollte ich es mal versuchen und schaffte es, mit allen gleichzeitig fertig zu werden. Damit war ich in der Band.“

Da ahnte er noch nicht, dass es das Aus sein sollte für seinen Plan, Studienrat für Mathematik zu werden. Die Bekanntschaft mit den frühen Bläck Fööss führte dann aber zum ersten Schallplattenvertrag für die von ihm mitbegründete Progressive-Rock-Band Triumvirat bei Emi Elektrola, und bald fand sich der Student mit der Gruppe in Amerika. „Durch Glück, Zufall und wohl auch Talent, als Ersatz für Emerson, Lake and Palmer, bei denen es kriselte“, erinnert er sich im Rückblick.

Amerika  war der Hammer! Wir kriegten den Mund vor Staunen nicht mehr zu!
Werner "Dick" Frangenberg

Amerika! Die große Chance im Mekka der Rockmusik. „Es war der Hammer! Wir kriegten den Mund vor Staunen nicht mehr zu!“ Stretchlimousine mit Chauffeur, im Radio lief ihre Musik und sie wurden vom Moderator begrüßt. Geprobt wurde in einem eigens gemieteten Kinosaal. Der Manager, der ihre Termine bestimmte, vertrat auch Pink Floyd.

„Wir schwebten über dem Boden. Diese Dimensionen! Aber wir hatten gar keine Erfahrung im Musikgeschäft. Wir waren dem Drumherum nicht gewachsen, waren dem Moloch rettungslos ausgeliefert. Sicher wurden wir auch über den Tisch gezogen. Vom Geld blieb nie was übrig.“ Ernüchterung.

Goldene Schallplatten

Ob Werner Frangenberg in Amerika zum „Dick“ wurde? „Oh nein! Das war viel früher. Ich war als Kind dick und musste beim Fußball immer im Tor stehen“, erzählt der Musiker und lacht. Die Schallplatten von Triumvirat verkauften sich gut, auch international. Vor allem „Old Loves Die Hard“, sagt Frangenberg. „Da haben wir echte goldene Schallplatten bekommen.

Die Verkaufszahlen in Brasilien, Portugal, Mexiko gingen durch die Decke“, erinnert er sich. „Aber wir haben es finanziell nicht auf die Reihe gekriegt. Krachend brach die Band auseinander.“

Vom Rock zur Countrymusik

Zusammen mit Exfrau Jane Palmer schwamm er eine Zeit lang auf der Neuen Deutschen Welle, ehe er den Musikverlag Rockmac Music gründete und 1982 als Bandleader der Nashville Music Company wieder eine ganz neue Musikrichtung einschlug.

20 Jahre lang absolvierte er als Countrymusiker Auftritte in amerikanischen Kasernen („Die waren ungeheuer kritisch“), auf Festivals und bei Stadtfesten, manchmal drei an einem Tag, 180 im Jahr. „In manchen Clubs spielst du vor 1500 Leuten, aber die Hotelübernachtung wird nicht bezahlt. Da haben wir dann auch mal auf Billardtischen geschlafen.“

Solange Du Geld hast, kannst Du dir alles erlauben. Wenn Du keins hast, sieht es schlimmaus
Werner „Dick“ Frangenberg über das US-Musikgeschäft

Die Härte des Musikgeschäfts – „da macht mir keiner mehr was vor“, resümiert Frangenberg. Und der Traum von Amerika? „So lange du Geld hast, kannst Du dir alles erlauben. Wenn du keins hast, sieht es schlimm aus.“

Die aktuelle Situation in den USA hat ihn noch mehr entfremdet. „Das ist abartig und hat faschistoide Züge. Ich wäre da Ausländer – wer weiß, wie es mir jetzt ergehen würde.“ Dann lieber Ziegenhardt!

Seit 1982 gehört ihm die ehemalige Volksschule, seit 2008 wohnt er hier dauerhaft, engagiert sich zusammen mit seiner Frau im Waldbröler Wanderverein und im Partnerschaftsverein. „Heute nutze ich häufiger wieder meinen Vornamen Werner statt Dick, das passt hier besser“, sagt Frangenberg und lacht.

Auftritte als Musiker macht er nicht mehr. Nur manchmal, da geht er in sein Studio, und streichelt eine alte Gitarre oder den Balalaika-Bass und schwelgt in Erinnerungen an wildere Zeiten. Monika Siegfried-Hagenow