Michael Trippels Stimme ist untrennbar mit dem FC verbunden. Seit 1999 ist er Stadionsprecher, sein Lieblingsveedel ist die ganze Stadt.
„Der FC ist Köln, und beides ist meine Heimat“Michael Trippel ist seit 26 Jahren Stadionsprecher des 1. FC Köln

Michael Trippels Arbeitsplatz ist das Rhein-Energie-Stadion, hier sitzt er in seiner Sprecherkabine mit Stoppuhr und Mikrofon.
Copyright: Inge Swolek
„Willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands“ – diesen Satz sagte Michael Trippel zum ersten Mal im Jahr 1999. „Bis dahin herrschte unter den 22.000 Zuschauern im Stadion Unruhe. Und dann plötzlich zehn Sekunden absolute Ruhe – mucksmäuschenstill.“ erinnert sich der Mann, dessen Stimme seit über 26 Jahren mit dem FC verbunden ist.
Trippel liebt den kleinen Platz vor St. Ursula nahe des Kölner Eigelsteinviertels und die Schreckenskammer gleich nebenan
Bei dem Veedelsspaziergang mit Michael Trippel wird schnell klar: Der Mann denkt nicht in kleinen Grenzen - sein Veedel ist ganz Köln und sein Lieblingslied „In unserem Veedel“ von den Bläck Fööss. „In dieser Stadt wird oft nur darüber gesprochen, was alles schlecht läuft. Aber Köln hat unglaublich viele schöne Ecken: den Dom, das Stadion mit seinen Emotionen, den Karneval oder den Gürzenich innen und außen,“ schwärmt Trippel.
Sein Veedel Köln zeigt der 72-Jährige regelmäßig bei Stadtführungen mit dem Original-FC-Bus und dem FC-Busfahrer. Die Touren starten an der Zeughausstraße. Vorher besucht Trippel gerne den kleinen Platz vor St. Ursula. „Dieser Ort fasziniert mich immer wieder. Völlig ruhig, kein Großstadtlärm – obwohl man mitten in der Stadt ist, und nach Feierabend lohnt sich ein Kölsch in der Schreckenskammer “, sagt er.

Die Trippel Tour durch das Rhein-Energie-Stadion ist sehr beliebt.
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Seine FC-Stadttour führt über den Ring Richtung Zoo. „Wir besuchen Hennes IX. Das ist Pflicht, schließlich hat der Bock im Zoo über 40 Nachkommen gezeugt. Sollte er das Zeitliche segnen, folgt ihm sein Ältester nach, es ist wie in der königlichen Familie“, erzählt Trippel lachend.
Vorbei geht es dann am DEVK-Gebäude, denn die Versicherung ist Ärmelsponsor des FC und für Trippel ebenfalls Teil der kölschen Fußballidentität. „Bei der Fahrt über die Zoobrücke freue ich mich jedes Mal, wenn gerade die FC-Gondel über den Rhein schwebt. Der FC ist Köln – und beides ist meine Heimat.“

In der Caesastraße in Bayenthal ist Trippel aufgewachsen. Er wohnte dort bis 1977.
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Aufgewachsen ist Michael Trippel in Bayenthal, in der Caesarstraße. Dort besuchte er den katholischen Kindergarten und später die Volksschule. In St. Matthias war er als Kind Messdiener – allerdings nicht nur aus religiöser Überzeugung - die katholische Jugend hatte eine Fußballmannschaft.
Trippels Clique traf sich im Park, mit Mofas und Mädchen
„Zur Irmgardis-Schule sind wir früher oft gegangen, um die Mädchen abzufangen. Mein erstes Rendezvous hatte ich mit zehn Jahren – mit einem Mädchen aus der Klopstockstraße. Nach der Schule traf sich unsere Clique häufig mit den Mofas im evangelischen Park, an der Goethestraße um abzuhängen, heute sagt man Chillen.“
Obwohl er Bayenthal 1977, als 23-Jähriger verlassen hat, zog es ihn immer wieder zurück – sei es für Besuche bei seinen Eltern oder für einen Abend im französischen Restaurant „L’Imprimerie“, das bis heute unverändert in einem Hinterhof existiert. Aus Bayenthal ging es für Trippel in die Südstadt, dann nach Hochkirchen und Neuehrenfeld. Aus Liebe zog er schließlich 1988 nach Brauweiler, das zu Pulheim gehört, gründete dort eine Familie und blieb.

Michael Trippel steht zu Hause in seinem Gäste-WC. An den Wänden hängen seine persönlichen FC-Memorabilia.
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„Da wollte ich eigentlich nie hin, aber die Grundstücke im Speckgürtel waren damals noch bezahlbar. Unsere drei Kinder sind hier behütet aufgewachsen, ein guter Italiener ist fußläufig erreichbar, und ich darf sogar meine FC-Trophäen in unserem Gäste-WC ausstellen.“ sagt er schmunzelnd.
Michael Trippel hat ein Büro im Geißbockheim in Köln-Lindenthal
Aber so ganz loslassen kann er Köln ohnehin nicht: „So lange ich einen FC-Dienstwagen mit Kölner Kennzeichen fahre, bleibt Brauweiler für mich einfach das westlichste Veedel von Köln. Die Abtei ist über 1000 Jahre alt, die Menschen sind offen und herzlich – und mein Herzensveedel ist trotzdem nur 15 Minuten entfernt.“
Und damit meint er vor allem das Stadion in Müngersdorf, egal ob das ganz alte oder das heutige Rhein-Energie-Stadion, und natürlich auch das Geißbockheim, wo er ein Büro hat. „Ich lebe seit 62 Jahren für den FC. Mein erstes Spiel habe ich 1964 im ganz alten Müngersdorfer Stadion gesehen. Gegner damals: der Hamburger SV um Fußballlegende Uwe Seeler. Beim FC standen Spieler wie Heinz Hornig, Hans Schäfer und Fritz Ewert auf dem Platz. Der FC hat 3:0 gewonnen.“
Michael Trippel wurde 1984 der erste Fanbeauftragte in der Bundesliga - später führte der DFB diese verpflichtend ein
47.000 Zuschauer waren damals im Stadion – und der zehnjährige Michael mittendrin. „Ich war live dabei. Und das hieß tatsächlich: alles in Farbe. Der grüne Rasen, die bunten Trikots, diese riesige Kulisse. Dieser Anblick hat mich damals so gepackt, dass ich bis heute dabeigeblieben bin.“
1984 wurde der inzwischen 30-jährige Fanbeauftragter des 1. FC Köln – eine Funktion, die es in der Bundesliga damals praktisch noch nicht gab. „Im Stadion tobten die Hooligans, die Zuschauer blieben aus, die Stimmung war trostlos. Da kam mir die Idee, sich wirklich um die Fans und auch um die Hooligans zu kümmern, statt sie einfach nur auszuschließen.“

Großvater Bernd und sein Enkel Justus freuen sich über das Autogramm des FC-Stadionsprechers Michael Trippel.
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Die Einführung des Fanbeauftragten beim FC galt damals als Vorreitermodell im deutschen Fußball. Ab 1989 verpflichtete der DFB schließlich alle Profiklubs dazu, eigene Fanbeauftragte einzusetzen. Neben seinen FC Bustouren durch Köln führt der charismatische Stadionsprecher auch regelmäßig Fans durch das Rhein-Energie-Stadion. Spätestens in den Katakomben hängen die Besucher an seinen Lippen. Ob Mannschaftskabine, Logen oder Ersatzbank – Trippel ist Entertainer, Geschichtenerzähler und FC-Botschafter zugleich.
Highlight jeder Trippel-Tour ist die Sprecherkabine mit Buzzer
Das Highlight jeder „Trippel-Tour“ ist die Sprecherkabine. Dort stehen ein Mikrofon, eine Stoppuhr und der berühmte Buzzer, mit dem die Pylonen zum Leuchten gebracht werden wenn der FC ein Tor schießt. „Das ist mein Arbeitsplatz. Mein Veedel. Vor dem Anpfiff läuft die FC-Hymne, dann kommt der erste Pfiff. Das ist mein Kölle. Dass er so ein guter Performer ist, hat der Bayenthaler seine Schauspielausbildung am Theater „Der Keller“ in der Südstadt zu verdanken.

Der Raum der Pressekonferenz des 1. FC Köln gehört auch zu den Touren, der Fans anbietet, seinen „Trippel-Touren“.
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„Ich musste mich irgendwann entscheiden: Kunst oder Geld. Ich hatte keine Lust, mit 65 irgendwo in Buxtehude zum 600. Mal den Butler zu spielen. Deshalb habe ich mich für die andere Bühne entschieden – und das war genau richtig.“ Zum Abschluss des Spaziergangs verrät er, dass auch die KVB auf seine Stimme setzt. Immer wenn eine Straßenbahn am Spieltag am Stadion hält, ertönt aus dem Lautsprecher die Stimme, die in Köln jeder kennt: „Rhein-Energie-Stadion – herzlich willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands.“
Michael Trippels Tipps
1) Das Piazza Maggiore, in Brauweiler, Guideplatz 6, hier isst er am liebsten Fisch mit Kartoffelstampf oder ein Steak im Clubhaus am Geißbockheim
2) Ein Kölsch im Gaffel am Dom
3) Ein Besuch von Hennes IX im Kölner Zoo
4) Ein Besuch im Stadion egal ob zur Trippel-Tour (www.ticket-onlineshop.com/ols/fckoeln/de/events/channel/shop/index)
oder zum FC-Spiel,
5) Die tolle Aussicht aus dem Biergarten des Club Astoria, wo er seinen 70. Geburtstag gefeiert hat