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Liebesbrief an verstorbene ElternBjörn Heuser feiert das Leben mit neuem Album

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Björn Heuser feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bühnenjubiläum.

Björn Heuser feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bühnenjubiläum.

Da er schon als 14-Jähriger erstmals öffentlich Musik machte, feiert Björn Heuser dieses Jahr bereits 30-jähriges Bühnenjubiläum. Dazu gibt es ein neues Album.

Mal nicht an Musik denken, freitags kein Mitsingkonzert im Gaffel am Dom geben, oder  gar eine Schaffenspause einlegen – all das ist für Björn Heuser schwer vorstellbar. „Ich ben immer leever losjefahre als ahnjekumme“, singt der Liedermacher passend im ersten Song. Lebenshungrig, authentisch und nahbar: Das Lied „Der Mann met däm Hoot“ ist nicht nur ein Liebesbrief an seine verstorbenen Eltern, sondern sinnbildlich für Heusers neues Album. „Levve“ heißt das Werk, das am Freitag (6. März) veröffentlicht wird. Darin blickt der Musiker auf sein 30-jähriges Liedermacher- und Bühnenjubiläum zurück. Wer ihm zuhört, begibt sich mit ihm auf eine Reise durch die verschiedenen Stationen des Lebens. „Ahnjekumme“ ist man nach elf Songs mit der Erkenntnis, dass Zuversicht stärker als Zweifel ist.

Björn Heuser: Neues Album und Tour

„Et Levve es schön“ lautet nicht nur ein gefühlvoller Walzer mit wunderschönen Streichern, sondern ist zugleich Leitmotiv des Albums. Aufbruch, Abschied, Lachen, Innehalten – es sind die Themen, die nicht nur einen 44-Jährigen umtreiben. Auch deshalb erreicht der Sänger schon seit Jahren stets mehrere Generationen mit seiner Musik.

Dass der Tod zum Leben gehört, wird nicht verschwiegen. „Nur vier Wööd“ hat Heuser für seine Mutter geschrieben. Sie lauten „Danke“ und „Ich liebe dich“. „Das ist zweifellos der persönlichste Song des Albums. Wenn man seine Eltern verliert, und dann noch relativ kurz hintereinander, dann macht das natürlich etwas mit einem“, sagt Heuser. Es habe lange gedauert, das Lied nun singen zu können, ohne direkt loszuheulen. Anfängliche Zweifel, ob der Text nicht zu persönlich sei, legte Heuser ad acta: „Ich erinnerte mich, welche Songs mir in schwierigen Lebensphasen geholfen haben. Es waren immer die Lieder, die etwas tiefer gehen als die anderen.“

Dazu zählt auch „Jeneratione“, das erste Duett mit Heusers Sohn Benjamin, neun Jahre alt. „Der hat ein enormes Talent, der ist ein unfassbar kreativer Mensch, der hat seine ersten Lieder nicht wie ich mit 14, sondern schon mit vier oder fünf geschrieben“, sagt der stolze Vater.

Björn Heuser: Studio-Produktion mit viel Liebe zum Detail

Wie viel Gefühl ein Musiker in eine Albumproduktion legen kann, lässt sich erahnen, wenn Heuser von der Produktion in der „Tonbauhütte“ in Holweide bei Simon Kurtenbach und Manuel Sauer berichtet. So wählte Heuser für die Aufnahmen ein altes Klavier statt eines Konzertflügels. Darin sei einfach mehr Leben gewesen. „Das hört kein Mensch, aber man fühlt es, wenn man es spielt“, sagt Heuser. Gleiches gelte für das Mikrofon, in das schon die Bläck Fööss „En unserem Veedel“ gesungen haben. Die zweite Hälfte der Songs entstand bei Ralph Hahn im „Strings’n‘Sound“-Studio in Bergisch Gladbach. „Mit ihm arbeite ich seit mehr als zehn Jahren zusammen. Der weiß ganz genau, wie meine Songs klingen sollen.“

So viel Liebe zum Detail hatte schon immer ihren Preis, doch früher wurden die Studiokosten durch Albumverkäufe mindestens wieder wettgemacht. „Wirtschaftlich gesehen ist das heute ein Desaster. 20.000 Euro an Produktionskosten sind viel Geld, ein Spotify-Stream bringt mir 0,0003 Cent. Da kann man sich ja ausrechnen, wie oft man das Album hören muss, damit zumindest ein Bruchteil der Kosten hereinkommt. Das wird sich niemals refinanzieren, das ist absolute Liebhaberei.“

Anfangs bei Kollegen nicht unumstritten, da er deren Hits bei Mitsingkonzerten spielte, hat es Heuser geschafft, auch immer mehr Fans für seine eigenen Kompositionen zu gewinnen. Dass er „Jedäuf met 4711“ nicht selbst gesungen, sondern für die Klüngelköpp geschrieben hat, bereut der Sänger kein bisschen: „Erst die Klüngelköpp haben den Song zum Hit gemacht“, sagt Heuser. Für einen Hit brauche es mehr als nur den Song. Beispiel „Karnevalsmaus“: „Im Grunde war schon letztes Jahr im Sommer klar, dass das Ding durch die Decke geht“, meint Heuser und nennt gezielte Marketing-Maßnahmen und andere Aufwände im Vorfeld. „Das kostet verdammt viel Energie, und nach einem Hit muss man nachliefern. Ich möchte meine Karriere auf andere Art gestalten. Ich möchte das erzählen, was ich zu sagen habe.“

Dies wird Heuser auf seiner Jubiläumstournee nicht allein machen: Mit dem Kölner Gitarristen Dennis Kleimann, unter anderem bekannt von der Zeltinger-Band, verstand er sich so gut, dass er so etwas wie ein Bruder – nur von einer anderen Mutter – sei. Der Tourauftakt im Gloria ist bereits ausverkauft, wie auch andere Auftritte in Eschweiler, Hennef oder Wiehl. Der Mann hat allen Grund, mit seinem Publikum zu feiern: „Dass das jetzt 30 Jahre funktioniert und ich meinen Lebensunterhalt damit bestreiten kann, ist für mich wirklich jeden Tag das größte Glück.“


Noch nicht ausverkauft: 11. März: Solingen, Cobra/17. März: Linz, Stadthalle/22. März: Wesseling, Rheinforum/24. März: Andernach, Mittelrheinhalle/25. März: Bad Neuenahr, Augustinum/29. März: Bonn, Pantheon-Theater/30. März: Euskirchen, Casino/31. März: Düren, Haus der Stadt