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Trauerfeier in LeichlingenEine Stadt verneigt sich vor Karl Reul

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In einem bewegenden Gottesdienst nahmen Angehörige und Leichlinger Bürger Abschied von Karl Reul.

Leichlingen – Auf dem großen Foto in schwarz-weiß – neben dem Altar in St. Johannes Baptist – sah Karl Reul so aus wie immer: Ein wacher Blick hinter den Brillengläsern und verschmitzt lächelnd. In der in Kerzenlicht getauchten und mit zwei herbstlichen Blumensträußen geschmückten Kirche schien er jeden einzelnen der vielen hundert Besucher persönlich zu begrüßen – auch seine Nachfolger im Bürgermeisteramt, Ernst Müller und Frank Steffes.

Zeit seines Lebens liebte es der Träger des Bundesverdienstkreuzes und CDU-Ehrenvorsitzende, wenn viele Menschen beisammen waren. Da lief er mit seiner offenherzigen und einnehmenden Persönlichkeit, seiner Kämpfernatur und Streitlust zu Hochform auf.

Mit Tränen in den Augen

Zahlreiche Bürger aus Gesellschaft, Kultur, Politik, Verwaltung und Vereinswelt mussten das Gedenken stehend verfolgen, so viele waren gekommen, um Abschied zu nehmen. Sogar noch vor dem Kirchenportal trauerten Menschen, die keinen Einlass mehr gefunden hatten. Die Kirchenbänke waren voll besetzt.

Die ersten vier Bankreihen waren den Hinterbliebenen gewidmet: Dazu zählte die Witwe Emilie, die Kinder, Schwiegertöchter und -söhne sowie die zehn Enkelkinder. Flankiert von ihren Kindern Herbert und Barbara ist nun die Ehefrau nach dem Tod des Familienoberhauptes der Kopf der Großfamilie. Der Verlust von Karl Reul ist nicht nur für die Angehörigen ein schwerer Schicksalsschlag. Manche der Weggefährten hatten Tränen in den Augen. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass ein Mensch mit bald 93 Jahren – am 6. November hätte er Geburtstag gefeiert – plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen wird. Denn Karl Reul war bis zu seinem Ableben allgegenwärtig im Bild der Stadt: Aktiv, leidenschaftlich und voller Ideen. „Mich plagen nur hin und wieder mal altersbedingte Zipperlein“, verriet der rüstige „homo politicus“ noch vor wenigen Wochen bei einem Gläschen Wein.

Den Trauergottesdienst zelebrierte auf Wunsch der Familie Reul – sie hatte den gesamten Trauergottesdienst detailliert geplant –, der seit 15 Jahren pensionierte Pfarrer Reiner Stein aus Solingen. Unterstützt wurde er von seinem Amtsbruder und Dechanten, Bruno Kurth, von St. Laurentius in Elberfeld. Beide sind eng mit der Familie Reul befreundet.

In einem sehr persönlichen Diskurs erinnerte Pfarrer Stein an seine Leichlinger Zeit als Kaplan an St. Johannes Baptist von 1958 bis 1963. Zugleich wirkte er in jenen Jahren auch als Lehrer in der Kirchstraße – der Grundstein für die Freundschaft mit der Familie Reul war gelegt. Mit „Dass Gott uns einen solchen Menschen geschenkt hat“ sprach Pfarrer Stein den Trauernden aus dem Herzen.

Bewegende Worte

Zu seinen bewegenden Worten gesellten sich aber auch launige Histörchen. So als Karl Reul im Sommer 1951 seine Hochzeitsreise – er war just mit Emilie vermählt – mit einer Klassenfahrt für rund 40 Schüler in den Schwarzwald verknüpfte: „Das ist ein Unikat.“ Wenig später bat der Geistliche die Trauergäste die Hand zu heben, die in Leichlingen vom Lehrer und Rektor Reul unterrichtet worden waren. Etliche Hände reckten sich ins Kirchengewölbe.

Der außergewöhnliche Mensch verabschiedete sich völlig unprätentiös: Im Verlauf eines alltäglichen Saunabesuchs in seinem Haus war er friedlich eingeschlafen. Der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der CDU des Rheinisch-Bergischen Kreises, Rainer Deppe, würdigte Karl Reul als einen „Glücksfall“ für die Familie, die Menschen, die Stadt, die Schule und den Kreis: „Danke Karl Reul, dass Du ein Stück unseres Lebensweges mit uns gegangen bist.“

Eindrucksvoll war der musikalische Rahmen mit dem Chor aus verschiedenen Gesangsvereinen unter der Leitung von Heinrich Witprächtiger gewählt. Pia Gensler an der Orgel und Charlotte Krause präsentierten einfühlsam den „Abendsegen“ aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Nach dem Gottesdienst erwiesen viele Hundert Trauergäste dem Verstorbenen auf dem Friedhof am Johannesberg die letzte Ehre.