Die Gruppe „Aufbruch“ der evangelischen Kirchengemeinde Witzhelden organisiert einmal im Monat besondere Gottesdienste. Mit modernen Formaten will sie auch Menschen erreichen, die sonst nicht in die Kirche gehen.
WitzheldenGottesdienst unter freiem Himmel mit Bratwurst

Die moderne christliche Band „Con Dias“ und ein Projektchor führten durch den Gottesdienst der evangelischen Gemeinde Witzhelden.
Copyright: Lotta Hosenfeld
Unter dem Motto „Wunder – Zweifeln oder Glauben?“ stand die Witzheldener Sommernacht der evangelischen Kirchengemeinde am Freitagabend. Die Andacht fand unter freiem Himmel hinter dem neuen Gemeindehaus statt. Anschließend wurde gemeinsam gegrillt. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von der christlichen Band „Con Dias“, die sich vor 25 Jahren in Leichlingen gegründet hat. In Liedern und Wortbeiträgen ging es darum, Wunder auch in kleinen, alltäglichen Dingen zu erkennen. Zweifel, so die Botschaft, sollten nicht zu Frust führen, sondern als Chance für neue Entdeckungen verstanden werden.
„Wir merken, dass es gut ankommt“
Entstanden ist die Gruppe „Aufbruch“ vor rund zweieinhalb Jahren, nachdem Pfarrer Schneider die Gemeinde verlassen hatte. Gemeindemitglieder überlegten, wie Gottesdienste wieder attraktiver für ein breiteres Publikum gestaltet werden könnten. Seit Sommer 2024 organisiert die Gruppe deshalb jeden Monat einen besonderen Gottesdienst. Auf dem Programm standen unter anderem ein Waldgottesdienst, eine Andacht auf der Reisbreikirmes und ein Karnevalsgottesdienst.
„Unser Ziel ist es, den Gottesdienst modern zu gestalten und so Menschen anzuziehen, die sonst nicht unbedingt die Kirche besuchen würden. Und wir merken, dass es gut ankommt“, erzählt Michael Wenk, Mitglied der Gruppe „Aufbruch“ und Bandmitglied von „Con Dias“. Am Reformationstag veranstaltete die Gruppe außerdem ein Krimidinner in der Kirche. Die Veranstaltung stieß auf großen Anklang und soll in diesem Jahr wiederholt werden.
Neuer Pfarrer begeistert von der Sommernacht
Seit Februar hat die Gemeinde einen neuen Pfarrer: Ulrich Görn. Der gebürtige Klever vom Niederrhein war begeistert, als er im vergangenen Jahr an der ersten Witzheldener Sommernacht teilnahm. „Für mich war diese Sommernacht ein Grund, warum ich mich dazu entschied, das Amt als Pfarrer der Witzheldener Gemeinde anzunehmen“, erzählt Ulrich Görn, der zuvor als Pfarrer in der Gemeinde Leichlingen tätig war. Besonders gefiel ihm die ungezwungene Atmosphäre. „Die Stimmung war super und vor allem sehr bodenständig und alltagsnah mit der Bratwurst hinterher. Das hat mir gut gefallen“, sagt er.
Kirche soll Gemeinschaft erlebbar machen
Dass immer weniger Menschen an Gottesdiensten teilnehmen, führt Ulrich Görn unter anderem auf die Missbrauchsskandale und ein Überangebot an Antworten in den sozialen Netzwerken zurück. Auch die ältere Sprache und die traditionellen Formen klassischer Sonntagsgottesdienste könnten Menschen abschrecken. Gleichzeitig haben Onlinegottesdienste seit der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen.
Ulrich Görn sieht darin zwar eine nachvollziehbare Entwicklung, betont aber den Wert der persönlichen Begegnung: „Ich verstehe das und finde trotzdem, dass man die körperliche Gemeinschaft und die persönliche Anwesenheit bei einem Gottesdienst durch nichts ersetzen kann.“ Die Atmosphäre sei eine andere, wenn man nicht nur Rezipient sei, sondern auch mitsingen, klatschen und miteinander ins Gespräch kommen könne. Bei den Besuchern kommen die besonderen Formate offenbar gut an. „Mir gefällt die Abwechslung der Gottesdienste. Sie sind interessant und modern, wodurch sie mehr Leute anziehen, die neugierig werden“, sagt Andrea Piotrschke, die die Sommernacht besucht hat.

