Kiosk, Büdchen oder sogar Trinkhalle? Der „Leverkusener Anzeiger“ stellt Treffpunkte ums Eck vor. Das Büdchen in Witzhelden ist eine echte Institution.
„Mein Büdchen“Witzheldener Büdchen ist Infobörse und Kontaktadresse zugleich

Petra Skalacki und ein Büdchenkunde im Gespräch vor dem Büdchen quer
Copyright: Jessy Schmidt
Es liegt in der Mitte von Witzhelden, gleich gegenüber vom Edeka und der Bushaltestelle Solinger Straße. Eingerahmt von einem Wohnhaus und der Eisdiele, ist das Büdchen im Laufe der Jahrzehnte zu einer eigenen kleinen Institution im Ort geworden. Wie lange genau es bereits existiert, weiß auch die aktuelle Betreiberin nicht.
„Ich selbst mache das jetzt schon zehn Jahre“, sagt die aktuelle Betreiberin Petra Skalacki. „Und meine Vorgängerin war hier 17 Jahre drin. Also 30 Jahre mindestens“, schätzt sie. Während sie sich noch erinnert, kommt ein Herr und kauft ein Wasser. Er ist ein Stammgast, der sich oft mit Kumpels auf der Holzbank neben dem Büdchen trifft. Das rustikale Sitzensemble bestehend aus der großen Bank und einem Tisch lädt zum Verweilen ein, eine Überdachung macht das ganze wetterfest.
Skalacki verkauft in ihrem Büdchen Zeitschriften, Getränke und Süßigkeiten. Und sie verkauft sie gerne. Das Büdchen ist für sie eine Herzenssache. Ein Schild, das an der Hauswand hängt, wirbt mit belegten Brötchen und Kaffee am Morgen. Inzwischen ist es allerdings nur noch ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. „Brötchen mache ich nicht mehr“, erklärt die Inhaberin. Das hat sich am Ende nicht mehr gelohnt.
Das Büdchen gehört mit zum Zentrum des Dorfes und ist Anlaufstelle aus den unterschiedlichsten Gründen.
Die Zeiten haben sich geändert. Angebote kommen und gehen, da sich die Bedürfnisse der Menschen ändern. Inzwischen kommt die nächste Kundin. Marion Hillecke ist alteingesessene Witzheldenerin, die ihren Heimatort liebt. „Das Büdchen gehört mit zum Zentrum des Dorfes und ist Anlaufstelle aus den unterschiedlichsten Gründen“, erzählt sie. „Es ist ebenso Infobörse wie ein Treffpunkt zum Quatschen. Diese Büdchenkultur hat Charme. Wir brauchen unser Büdchen“. Und wenn die Getränke sonntags ausgegangen sind, findet man dort eine zuverlässige Quelle für den ersehnten Nachschub.
Zwar bekommen die Witzheldener an ihrem Büdchen kein Frühstück mehr. Dafür ist hier inzwischen die Post angesiedelt. Als die alte Post schloss, hat Skalacki diesen Dienst übernommen. Ohne das Büdchen hätten die Witzheldener keinen direkten Zugang zum Angebot der Post mehr. „Manchen Menschen ist nicht bewusst, dass die Post und das Büdchen unterschiedliche Öffnungszeiten haben“, erzählt die Inhaberin: Während der Kiosks montags bis freitags von 6 bis 12 und von 13.30 bis 20 Uhr geöffnet ist, hat die Poststelle von 8 bis 12 und von 13.30 bis 19 Uhr offen. Sonntags ist die Post geschlossen, während das Büdchen geöffnet hat.
Was den Charme der Büdchenkultur angeht, hat einer der Stammgäste, der ebenfalls auf der Holzbank sitzt, eine klare Meinung. Die Inhaberin mache das Büdchen aus. „Ich kenne den schon seit seiner Babyzeit“, sagt Skalacki und lächelt. Man ist verbunden in Witzhelden. Der Zusammenhalt ist groß.
Der Postservice ist nicht der einzige Dienst, den die Menschen am Büdchen genießen. Die alte Kneipentradition des Sparkästchen-Clubs lebt dort ebenfalls weiter. „Die Kästchen werden einmal im Monat geleert“, erzählt die engagierte Inhaberin. „Und einmal im Jahr wird die Summe ausgezahlt.“ Traditionsgemäß findet dies im September im Gasthof „Waldhaus“ statt. Wieder ein Stück Beständigkeit in einer sich schnell verändernden Welt. Und genau das macht das Büdchen für die Menschen so wichtig.
„Mein Büdchen“
Ob man sie nun Büdchen, Kiosk, Trinkhalle oder wie auch immer nennt – auch in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid gibt es beliebte Treffpunkt um die Ecke, an denen die Menschen gern ein Bier trinken, miteinander quatschen oder einfach nur dringende Einkäufe erledigen, wenn die Discounter schon geschlossen haben. Wir stellen einzelne von ihnen in loser Folge vor. Allerdings ohne Anspruch auch Vollständigkeit, daher: Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein Lieblingsbüdchen haben oder nette Geschichten und Erinnerungen diesbezüglich mit uns teilen wollen, dann melden Sie sich bei uns per E-Mail. ksta-leverkusen@kstamedien.de (nip)

