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AfD-VeranstaltungWenn in Leverkusen „Remigration“ skandiert wird

Die Parteiprominenz spult das erwartete Programm ab. Die Besucher sind begeistert und fühlen sich verfolgt.

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Demonstranten versuchten, die Zufahrt zum Forum zu blockieren. Zu dieser Zeit war der Zugang zur Veranstaltung aber schon wegen Überfüllung geschlossen worden.

Demonstranten versuchten, die Zufahrt zum Forum zu blockieren. Zu dieser Zeit war der Zugang zur Veranstaltung aber schon wegen Überfüllung geschlossen worden.

Spätestens, als sich zum zweiten Mal knapp 1000 Menschen im Forum erhoben und immer wieder skandierten „Remigration, Remigration“ war es für die AfD ein gelungener Abend. Vordergründig ging es am Dienstag um Europa, denn organisiert hatte die Großveranstaltung die Gruppierung ESN, was für „Europa Souveräner Nationen“ steht. Somit arbeiteten sich ESN-Geburtshelfer Alexander Sell, Fraktionschef René Aust und die Abgeordnete Irmhild Boßdorf ausgiebig an der Europa-Bürokratie in der Sache und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Person ab.

Bei der AfD geschieht das in der Regel nicht durch fundierte Kritik, sondern durch allgemeine Hetze und persönliche Angriffe. Da machte die Veranstaltung im Forum keine Ausnahme. Und das wurde offenkundig auch so erwartet, wie die Reaktionen der Zuhörer zeigten.

20 Minuten Weidel

Die meisten waren natürlich wegen Alice Weidel gekommen, deren gerade mal 20-minütige Rede die Veranstaltung beschloss, bevor natürlich das Deutschlandlied gesungen wurde. Die Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag reagierte auch auf die Proteste vor der Tür. Solche Demonstranten würde man unter einer AfD-Regierung „packen und einsperren“, was wiederum mit Jubel quittiert wurde und den zweiten „Remigration, Remigration“-Chor auslöste. Obwohl unter den Protestierenden erkennbar wenige Menschen waren, die man irgendwohin zurückschicken konnte.

Während der langen Wartezeit auf der Treppe, die von der Tiefgarage zum Eingang des Forums führt, gab es für die AfD-Freunde genug Gelegenheit, sich über den Widerstand zu erregen. Und darüber, dass man fotografiert wurde: „Das ist schlimmer als damals in der DDR“, fand eine Frau, die nach eigenen Angaben 1989 in Karl-Marx-Stadt auf die Straße gegangen war. Sodann hieß es, dass die Protestler gekauft seien für Geld. „Stand auf Facebook“, lautete die Quellenangabe.

AfD-Anhänger auf der Treppe am Forum

Es dauerte, bis sich die Besucher der AfD-Veranstaltung ins Forum vorarbeiten konnten. Das lag unter anderem an den Personenkontrollen.

Es waren aber nicht nur Anhänger der in Teilen gesichert rechtsextremen Partei, die die großen Matadore mal live erleben wollten. Eine „Oma gegen Rechts“ schmuggelte sich auch rein. Die Frau aus der Eifel entpuppte sich als erfahrene Kämpferin gegen die AfD. Auf einer Veranstaltung mit Beatrix von Storch habe sie immerfort applaudiert, und das habe die Veranstaltung doch empfindlich gestört, erinnerte sie sich.

Im Forum war allerdings nicht viel auszurichten. Die Übermacht der Fans war zu groß; der große Andrang erklärte sich auch dadurch, dass aus der gesamten Region Freunde der AfD nach Leverkusen gereist waren. Schließlich war nicht nur Weidel aufgeboten, sondern auch Ulrich Siegmund: Seit dem großen Erfolg in Sachsen-Anhalt ist er eher so eine Art Posterboy der AfD. Und ein Hoffnungsträger, so er denn tatsächlich zum Ministerpräsidenten gewählt werden kann. Als Interviewpartner und Autogrammgeber war Siegmund sehr gefragt. Und nach seiner Rede kaum weniger umjubelt als Alice Weidel.

Die AfD schreibt über die Veranstaltung, 1400 Zuschauer hätten den „europapolitischen Abend“ im Forum verfolgt. Allerdings wird die Kapazität des großen Saals auf der Webseite des Forums mit 963 Plätzen Festbestuhlung und 4 Rollstuhlplätzen angegeben.

Stress an der Absperrung

Während die Veranstaltung lief, versuchte eine Gruppe, die Zufahrt zu dem Leverkusener Veranstaltungs- und Kulturzentrum zu blockieren. Sie setzten sich in die Zufahrt. Meist waren das junge Leute, nicht die „Omas gegen Rechts“, die den Protest auf der Ypsilonbrücke angemeldet hatten. Bei der Räumung soll es zu rauen Szenen gekommen sein. Die Polizei teilte am Mittwoch mit, dass „unter zehn Anzeigen“ vorlägen – die seien von beiden Seiten gestellt worden.

Das Forum füllte sich komplett – die Veranstalter betonten das immer wieder. Und, dass längst nicht jeder hereingekommen sei.

Das Forum füllte sich komplett – die Veranstalter betonten das immer wieder. Und, dass längst nicht jeder hereingekommen sei.

Zur Feststellung der Personalien zog die Polizei gegen 19.30 Uhr eine Person aus der Gruppe der Protestierenden. Eine Person sei vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Mehrere 100 Polizisten seien in Leverkusen eingesetzt gewesen, sagte der Sprecher. Die genaue Zahl nennt die Polizei nicht.

Zur hohen Zahl der Gegendemonstranten sagte der Sprecher: Überraschend seien in Leverkusen die zuvor angemeldeten Zahlen  deutlich überschritten worden. Und: Es habe Provokationen gegeben. Von Randale, wie man sie von anderen Demonstrationen kenne, könne aber keine Rede sein. Tatsächlich kam es zu ein paar Rangeleien an den Gittern, mit denen der Vorplatz des Forums abgeriegelt worden war. Dort standen zum Schluss die meisten Demonstranten. Ein paar AfD-Anhänger wollten aber von dort zur Veranstaltung und mussten dafür die Gitter überwinden. Daran wurden sie kurz gehindert, bis Polizisten eingriffen.

Die AfD hingegen schreibt in einer Pressemitteilung von „linksextremer Gewalt“. Die rechtspopulistische Partei fordert eine Entschuldigung von den „Linksparteien“ und kündigt an, das sei nicht die letzte Großveranstaltung mit prominenten AfD-Politikern in Leverkusen gewesen.

Wegen Überfüllung geschlossen: Die AfD schreibt, dass 1400 Personen ins Forum gekommen seien. Der große Saal hat eine Kapazität von 967 Personen.

Wegen Überfüllung geschlossen: Die AfD schreibt, dass 1400 Personen ins Forum gekommen seien. Der große Saal hat eine Kapazität von 967 Personen.

Der von einem breiten Leverkusener Bündnis getragene Demonstrationszug vom Rathaus über den Busbahnhof war gegen 17 Uhr mit dem Protest der „Omas gegen Rechts“ auf der Ypsilonbrücke und vor dem Forum verschmolzen. In Absprache mit der Polizei löste Versammlungsleiterin Andrea Fuchs von Volt/Bürgerliste die Bündnis-Demonstration schließlich am Forum auf. Sie sagte, das sei eine Familiendemo gewesen.

Als die Sitzblockade mit nach Aussage mehrerer Augenzeugen beidseitigen Provokationen begann, gingen viele wieder auf den Rathausvorplatz zurück. Versprochen waren schließlich noch ein paar Lieder von den angereisten Bläck-Fööss-Musikern, darunter der aus Leverkusen stammende Pit Hupperten. Unter anderem spielten sie „Drink doch eine met“.

Als die AfD-Veranstaltung gegen 21.30 Uhr zu Ende war, ließ die Polizei weiterhin Vorsicht walten: Niemand durfte vorne raus Richtung Bahnhof. Die Besucher wurden weiträumig umgeleitet.