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Avea-MüllverbrennungKletterer überprüfen in 90 Metern Höhe Leverkusener Schornsteine

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Ein Kletterer steht auf einer Plattform zwischen zwei sehr hohen Industrieschornsteinen und blickt herab.

Um oben anzukommen, sollte man schwindelfrei sein. 

Der bekannteste Leverkusener Schornstein dürfte inzwischen jener der Sondermüllverbrennungsanlage in Bürrig sein. Dort arbeitet man fieberhaft an der Wiederinbetriebnahme und daran, dass er wieder raucht. Aber auch der Schornstein der etwas unspektakuläreren Müllverbrennung der Avea, die ohne das „Sonder“ im Namen auskommt, bekommt regelmäßig eine Untersuchung.

Alle zwei Jahre klettert ein Fachmann ohne Höhenangst auf das 90 Meter hohe Drillingsrohr in Küppersteg und sieht sich die Schrauben und die Schweißnähte aus der Nähe an – so auch in diesen Tagen. Das Baujahr der Schornsteine ist 1995 und so alt ist auch der Anstrich.

Müll aus Leverkusen und dem Bergischen Land

Im Müllheizkraftwerk Leverkusen verbrennt eigentlich allen Hausmüll nicht nur aus Leverkusen, sondern auch aus dem Bergischen und aus dem Oberbergischen Land, denn es gibt weder Deponien, auf denen unbehandelter Hausmüll abgekippt werden darf, noch eine zweite Müllverbrennungsanlage. Über viele Jahre kippte man den Müll auch in Wiesdorf ab, wie er aus der Tonne kam.

Alles wird heute verbrannt, Asche kommt auf die Kippe Leppe in Engelskirchen im Bergischen Land, nachdem die verwertbaren Anteile, etwa Metall, herausgeholt wurden. 

Es gibt drei Öfen in der Anlage, eine vierte Verbrennungslinie wird gerade geplant und bald gebaut. Sie könnte 2025 fertig werden. Dass es da große Schornsteine braucht, verwundert nicht. Aus drei doppelwandigen Rohren mit dem Innendurchmesser 1,70 Meter kommen stündlich bis zu 122.000 Kubikmeter Abgase, die in den drei Verbrennungsöfen entstanden sind und durch die Abgasreinigung geströmt sind. Die Abgase sind beim Austritt oben immer noch um 130 Grad Celsius heiß, erklärt Meinulf Seiffert, Ingenieur bei der Avea.

Das Müllheizkraftwerk Leverkusen ist erstens wegen seiner Bedeutung für die Haus- und Gewerbemüllentsorgung als kritische Infrastruktur eingestuft, aber auch als Wärmelieferant: Die Anlage speist im Normalfall die gesamte Fernwärme Leverkusens ins Netz ein, daran sind Schulen, Sporthallen, Firmen, die Bay-Arena und etwa 5000 Wohnungen in Mietshäusern von Steinbüchel bis Rheindorf angeschlossen.

Die Wärme wird immer wertvoller: Laut Seiffert hat die Avea zuletzt noch neue Wärmetauscher eingebaut, die die Ausnutzung der Müllfeuerhitze erhöhen. Früher sei viel mehr Hitze verloren gegangen, sagt Seiffert. Wenn nicht alle Wärme verbraucht wird, was meistens der Fall ist, wird aus der Energie ein Anteil des Stroms für Leverkusen produziert. Für den Fall, dass einmal nicht genug Müll zum Verbrennen da ist, gibt es weitere Wärme-Quellen, mit denen das Fernwärmenetz unter Hitze gehalten werden kann.

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2,10 Meter dick sind die Schornsteine von 1995.

Die Schornsteine schwanken leicht, wenn der Wind weht, das haben auch die Höhen-Mechaniker gespürt. Damit sie nicht wirklich ins Wackeln kommen, sind an der Spitze zwei Schwingungsdämpfer angebaut, zwei große Zylinder, in denen Gegengewichte hängen. Dass die Schornsteine abbrechen und auf die nahe Autobahn kippen, dürfte also sehr unwahrscheinlich sein.