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Balkantrasse-Radweg LeverkusenIm Kampf gegen Totäste und Killer-Pilze

Lesezeit 3 Minuten
Forstwissenschaftler Gerald Völker führte die Gruppe fachkundig.

Forstwissenschaftler Gerald Völker führte die Gruppe fachkundig.

Leverkusen – Die Balkantrasse war am Samstag nicht nur ein Ausflugsziel für Radfahrer, sie bot auch einen Einblick in die Forstgeschichte. Knapp 20 Interessierte trafen sich am ehemaligen Bahnhof in Bergisch Neukirchen mit dem Forstwissenschaftler Dr. Gerald Völker. Er leitete die Wandergruppe, die vom Naturschutzbund (Nabu) gemeinsam mit dem BUND Leverkusen organisiert wurde.

Mit festem Schuhwerk und Regenjacke gewappnet, startete die Wanderung auf dem Radweg am Zugang Ölbachstraße. Immer wieder ließen Besonderheiten in der Natur die Gruppe anhalten, um Völkers Kenntnissen über die Forstlandschaft zu lauschen.

Wie im Dschungel

Durch den Hochwald-Charakter wachsen am Rande der Trasse zahlreiche einzelne Stämme aus Kernwüchsen. Es dominieren Eiche, Buche und Esche sowie Sträucher der Johannisbeere. „Durch den hohen Niederschlag und die warmen Temperaturen in den letzten Monaten sah es hier teilweise aus wie im Dschungel. Die Brombeere wächst dann gerne mal einen Meter pro Woche“, erzählte Völker.

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Problematisch sind die zahlreichen Gefahrenbäume. Die mangelnde Pflege noch während der Nutzung der Bahnstrecke des „Balkan-Express“ vor über 40 Jahren ist eine Ursache dafür. Die Strecke wurde nicht durchforstet, wodurch auf dem Abschnitt zwischen Opladen und Burscheid viele Lichtbaumarten wachsen.

Dazu zählen Eichen, Esche, Ahorn, Birke und die Vogelkirsche. Schon bei geringem Schatten können sie keine Photosynthese mehr bilden und es entstehen Totäste. Gefährlich wird es, wenn sie herunter zu fallen drohen. Daher werden die Bäume jetzt regelmäßig von Baumkontrolleuren geprüft.

Fachgerechter Baumschnitt

Um Bäume im heimischen Garten von solchen Totästen zu befreien, rät Gerald Völker zu einem fachgerechten Baumschnitt: „Am besten setzt man den Schnitt am gesunden Gewebe hinter den Totästen. Dadurch kann der Saftstrom im Ast schnell die Wunde heilen“. Die Schutzreaktion des Baumes mit Wundgewebe verhindert, dass Pilzbakterien in die Wunde eindringen.

Ein Abstecher Richtung Ölbach durch den Wald wurde für einen Exkurs über die Waldgeschichte genutzt. Der Forstwissenschaftler erzählte von der Entwicklung des Waldes nach dem Ende der Eiszeit über das Mittelalter bis zur Neuzeit: „Im 12. Jahrhundert wurden in den Wäldern erste Städte gegründet. Sie enden meist mit -rod , -reid und -scheid, wie zum Beispiel Burscheid“, erläuterte er.

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Vom Claashäuschen ging es zurück auf den Balkan-Radweg. Hier konnte die Wandergruppe das zweite Problem der Forstlandschaft an der Trasse beobachten: den Pilzbefall durch den Eschenstängelbecherchen. Er ist eine weitere Ursache für Gefahrenbäume. „Ich habe vor drei Jahren 25 Eschen markiert, deren Pilzbefall ich beobachten wollte. Nur ist das Sterben der Bäume so schnell voran geschritten, dass wir bisher schon 17 Eschen fällen mussten“, berichtete Völker.

Im Herbst wird sich der Verein der Freunde und Förderer der Balkantrasse Leverkusen den übrigen fünf vom Triebsterben bedrohten Eschen widmen. Weitere Rodungen könnten anstehen.

Verständnis für Natur fördern

Mit der Wanderung möchten Nabu und BUND das Verständnis für die Natur fördern. „Gerade in städtischen Ortschaften ist der Wald sehr wichtig, sei es als Schattenspender, Feinstaub-Filter oder für das Klima“, erklärte der zweite Vorsitzende des Leverkusener Naturschutzbundes, Rainer Morgenstern. Offene Landschaften, weniger Beton und weniger Monokulturen würden die Umwelt verbessern.

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