Bayer 04 LeverkusenMit Erinnerungen aus dem Koffer gegen Demenz kämpfen

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Andreas Paffrath und die Demenz-Expertinnen Friederike Arps und Nadine Diederich-Cujai mit dem Koffer.

Andreas Paffrath und die Demenz-Expertinnen Friederike Arps und Nadine Diederich-Cujai mit dem Koffer.

Leverkusen  – Der Tisch ist vollgepackt mit Relikten aus der Historie des Fußballvereins Bayer 04 Leverkusen. Bälle, Fußballschuhe, Mannschaftsfotos, Trikots, Eintrittskarten. „Ganz schön viel für einen angeblich traditionslosen Verein“, sagt Fanbeauftragter Andreas Paffrath, der von allen nur liebevoll Paffi genannt wird. „Da sieht man: Wir haben sehr viel Geschichte!“

Einige Relikte aus dem Koffer: Panini-Bilder und Torwarthandschuhe von Rüdiger Vollborn.

Einige Relikte aus dem Koffer: Panini-Bilder und Torwarthandschuhe von Rüdiger Vollborn.

Und diese Geschichte soll nicht nur im Stadion oder dem Fantreff ausgestellt werden, sie soll künftig auch auf Reisen gehen. Dafür stehen zwei große schwarze Koffer bereit. „Erinnerungskoffer für Menschen mit Demenz“ heißt das Projekt, das Bayer 04 mit dem Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz umgesetzt hat. Dabei werden speziell geschulte Ehrenamtler aus dem Verein mit dem Koffer Pflegeeinrichtungen oder Demenz-Gruppen besuchen.

Anmeldung

Ehrenamtler, die mit dem Koffer losziehen möchten, werden weiter gesucht. Auch Einrichtungen, die an einem Besuch interessiert sind, können sich melden.

Bayer 04 Leverkusen:

fanbetreuung@bayer04.de,

☎ 0214 / 5000 1904

Regionalbüro Alter, Pflege, Demenz: 02203 369 1111 70.

http://www.alter-pflege-demenz-nrw.de

„Demente Menschen ziehen sich häufig zurück und verlieren ihre Hobbys“, berichtet Nadine Diederich-Cujai von dem Regionalbüro. „Manchmal braucht es nur einen Schlüsselreiz, und dann kehren Erinnerungen zurück und sie kommen ins Erzählen.“ Meinolf Sprink, Direktor Fans/Soziales, ergänzt: „Und für uns ist der Fußball das Mittel, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen.“

„Silberlöwen“ als Ehrenamtler

Die Idee eines „Erinnerungskoffers“ mit Fußballdevotionalien kommt ursprünglich aus Schottland. Fanbeauftragter Paffrath ist darauf aufmerksam geworden, als die Nachbarn von Fortuna Düsseldorf die Idee aufgegriffen haben: „Die erzählen tolle Geschichten von den Treffen. Wie plötzlich alle in ein Lied einstimmen oder die Diskussion vom Fußball zu dem Büdchen abdriftet, an dem man sich danach immer getroffen hat.“ Die Teilnehmer seien danach oft sehr müde, aber glücklich.

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Die Ehrenamtler, die mit dem Koffer auf Tour gehen sollen, kommen ebenfalls aus den Reihen des Vereins. Aus der Fanabteilung der über 55-jährigen „Silberlöwen“ kam direkt großes Interesse. Zehn Freiwillige sind bereits gefunden, sie werden im Rahmen des Champions League Spiels gegen Atletico Madrid Anfang November zwei Tage lang von den Experten des Regionalbüros geschult. „Bei vielen ist aber tatsächlich schon ein erstaunliches Vorwissen vorhanden, weil sie in Familie oder Beruf bereits mit Demenz zu tun hatten“, sagt Paffrath.

Panini-Bilder aus den 50ern

Ob es nun die alten Panini-Bildchen aus den 50er Jahren sind, die die Erinnerungen wecken, der Torwart-Handschuh von Rüdiger Vollborn oder Tonbandaufnahmen – das bleibt eine Überraschung. „Es kann bei jedem Treffen etwas anderes sein, auf das die Gruppe anspringt“, sagt Diederich-Cujai.

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