Leverkusen – Was macht ein Messebauer, wenn Messen abgesagt werden? Kurzarbeit. Vielleicht Inventur. Aber nicht nur. Bei Ackermann in Hitdorf entstand in der großen Flaute auch eine neue Idee: Was wäre, wenn man den beauftragten Messestand doch baut? Und ihn dann im Netz benutzt? Ihn dann aber nicht nur stumpf abfilmt, vielleicht noch ein paar Links einbaut, und das war’s. Sondern die Fläche im Grunde so nutzt wie auf der echten Messe? Also jemanden dort hinstellt, ihn die Ausstellungsstücke erklären lässt, Besucher einlädt, ihnen einen Rückkanal gibt, über den sie mit dem Aussteller reden können? Dazu benötigt man nicht mehr als eines der in der Corona-Krise so schnell so normal gewordenen Videokonferenz-Programme. Etwa Zoom.
Leverkusen statt München
Benedikt Wiemer kommt trotz der prekären Lage bei dem Messebauer ins Schwärmen, als er von dem Testlauf berichtet, den seine Firma Ackermann in ihrem Domizil gerade abgespult hat. Den Edwards-Stand hätten die Hitdorfer normalerweise in München auf der Analytica aufgebaut. Dass sie ihn überhaupt gebaut hatten, liegt am Corona-bedingten Hü und Hott der Messegesellschaft. Am Ende wurde das Branchentreffen abgesagt, und der Spezialist für Vakuumpumpen konnte seine Neuheiten nicht im gewohnten Umfeld zeigen.
Schwieriges Geschäft
Am 8. März hat Ackermann „die letzte Messe gebaut“, sagt Benedikt Wiemer. Wann es weitergeht, ist ungewiss: Messen werden terminiert und wieder abgesagt. Die „Powtech“ in Nürnberg etwa soll zwar stattfinden, aber alle Stände sollen von einem Unternehmen gebaut werden. Firmen wie Ackermann mit ihren zehn Beschäftigten bleiben außen vor. Den Umsatzverlust in der Corona-Krise beziffert Wiemer bisher auf „bis zu 900 000 Euro“. (tk)
Stattdessen dient der Stand als Testobjekt für den Umzug ins Internet. „Da wird der Messestand zu einer Art interaktiven TV-Studio“, beschreibt Vertriebsleiter Wiemer das Konzept. Eigentlich ist es ja sogar noch besser: „Man kann die Gäste gleich ’rein schalten.“ Und wenn es um geschäftliche Abschlüsse geht? „Verabredet man sich zum Zweiergespräch im Netz“, antwortet Wiemer. Technisch sei das kein Problem, Vertraulichkeit ist machbar. Entscheidend sei: „Der Kunde muss das Gefühl haben, dass er auf der Messe ist.“
Wie erreicht man die Kunden?
Das lasse sich durchaus darstellen, wenn man es richtig anstelle. Dazu gehörten die üblichen Präsente: „Wenn man sich da etwas einfallen lässt und die Sachen zur passenden Zeit verschickt – das wäre schon wichtig“, überlegt Wiemer. Und die Einladungen müssten gezielt gemacht werden. Die Sozialen Netzwerke scheiden aus: Fachpublikum – und das ist die erdrückende Mehrheit unter den Ackermann-Kunden – ist beruflich eher weniger auf Facebook oder Instagram unterwegs. Was die Kunden-Ansprache angeht, ist also noch Raum für Ideen.
Dass sich ein Stand im Netz für den Messebauer rechnet, liegt auf der Hand: Ackermann arbeitet vor allem auf Fachveranstaltungen in Deutschland und dem näheren europäischen Ausland. Trotzdem fallen hohe Transportkosten an. Die lassen sich einsparen, wenn man in Hitdorf bleibt und von dort in die Welt sendet. Der Kunde spart sich die Standgebühren, die im Schnitt 40 Prozent der Kosten ausmachen bei einem Messeauftritt, so Wiemer. Und womöglich weite Anreisen nebst Übernachtungen in Hotels mit ihren oft astronomischen Messe-Tarifen.
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Natürlich muss Geld in die Übertragungstechnik gesteckt werden. Und zielgerichtete Ansprache erfordert feste Zeiten. Das lasse sich mit Fachpublikum leichter hinbekommen als mit Leuten, die ziellos schlendern. Vielleicht liegt auch die Zukunft der Messe im Internet.


